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Fahneneid an US-Schulen: Elfjähriger Schüler will nicht zum Treuegelöbnis aufstehen - und wird festgenommen

Es ist Brauch an vielen US-Schulen: Vor Unterrichtsbeginn geloben die Schülerinnen und Schüler der Flagge und dem Land ihre Treue. Ein 11 Jahre alter Junge in Florida hat dies verweigert - und die Situation eskalierte.

Die US-Flagge

Die US-Flagge: Ihr wird im traditionellen "Pledge of Allegiance" die Treue geschworen

AFP

Ein 11 Jahre alter Schüler im US-Bundesstaat Florida ist festgenommen worden, nachdem er sich geweigert hatte, sich vor Unterrichtsbeginn zum Treuegelöbnis zu erheben und die Situation anschließend eskalierte. Der Vorfall ereignete sich bereits am 4. Februar an der Lawton-Chiles-Schule in Lakeland, wie US-Medien jetzt berichteten. Der Sechstklässler sei festgenommen und vorübergehend in eine Jugendstrafanstalt gebracht worden. Ihm werde vorgeworfen, den Schulbetrieb gestört und sich gewaltlos der Verhaftung widersetzt zu haben. Der Junge sei außerdem für drei Tage vom Unterricht suspendiert worden.

Der Vorfall habe begonnen, als eine Vertretungslehrerin den Elfjährigen gebeten habe, sich für "The Pledge of Allegiance", den traditionellen Treueschwur auf die US-Flagge und das Land, zu erheben, berichtet der lokale Fernsehsender Bay News 9. Der Schüler soll der Lehrerin daraufhin gesagt haben, dass die Flagge rassistisch und die Nationalhymne beleidigend für Schwarze sei. 

Lehrerin rief Schulbüro zu Hilfe

In einer Stellungnahme an den Bezirk gab die Lehrerin Bay News 9 zufolge an, sie habe den Jungen gefragt: "Warum er nicht an einen anderen Ort gegangen ist, um dort zu leben, wenn es hier so schlimm ist". Dieser habe laut der Lehrerin entgegnet: "Sie haben mich hierher gebracht."

Diese habe darauf geantwortet: "Nun, du kannst immer zurückkehren." Sie selbst sei aus Kuba nach Florida gekommen "und an dem Tag, an dem ich das Gefühl habe, dass ich hier nicht mehr willkommen bin, würde ich mir einen anderen Platz zum Leben suchen."

In ihrer Stellungnahme habe die Lehrerin erklärt: "Dann musste ich das Büro anrufen, weil ich mich nicht mehr mit ihm auseinandersetzen wollte."

Ein Polizeibeamter und ein Mitglied der Schulverwaltung hätten versucht, das Kind zu beruhigen, teilte die Polizei in Lakeland mit. Der Schulmitarbeiter habe den Elfjährigen mehr als 20 Mal gebeten, den Klassenraum zu verlassen. Während der Junge in das Schulbüro begleitet wurde, habe er Drohungen ausgestoßen. Schließlich habe ihn die Polizei festgenommen.

Gemäß dem Polizeiprotokoll sei der Schüler festgenommen worden, weil er sich geweigert habe, mehreren Anordnungen zu folgen, Schulmitarbeiter wiederholt als rassistisch bezeichnet und sich störend verhalten habe, berichtete Bay News 9 weiter. Er soll gedroht haben, den Schulpolizisten und den Direktor feuern zu lassen und die Lehrerin zu schlagen.

Mutter will, dass Anklage fallengelassen wird

Die Mutter des Elfjährigen, Dhakira Talbot, machte der Lehrerin wegen ihres Vorgehens schwere Vorwürfe: "Sie lag falsch. Sie war völlig fehl am Platz", sagte Talbot dem Sender. "Wenn sie das Gefühl hatte, dass es ein Problem mit meinem Sohn gab, weil der nicht für die Flagge aufgestanden ist, hätte sie das auf eine völlig andere Weise lösen sollen, als sie es tat." Der Schüler, der bei dem Gespräch des Senders mit seiner Mutter zugegen gewesen sei, habe erklärt dass er nicht gedroht habe, die Lehrerin zu schlagen. 

"Ich möchte, dass die Anklagen fallen gelassen werden und ich möchte, dass die Schule für das, was passiert ist, verantwortlich gemacht wird, weil der Vorfall nicht so hätte behandelt werden sollen, wie er behandelt wurde", sagte Talbot.

Eine Sprecherin des zuständigen Schulbezirks erklärte dem Sender zufolge, dass Schüler nicht verpflichtet seien, am Treuegelöbnis teilzunehmen, aber die Vertretungslehrerin sich dessen nicht bewusst gewesen sei. Die Sprecherin habe zudem mitgeteilt, dass die Vertretungslehrerin an keiner der Schulen des Bezirks mehr arbeiten dürfe und die Behörde die Angelegenheit noch untersuche.

Treueschwur ist für Schüler keine Pflicht

Das Treuegelöbnis gibt es seit 1892. Nach einigen Änderungen lautet es heute: "Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden." Das Gelöbnis wird zumeist an Schulen vor Unterrichtsbeginn gesprochen. Oft ist es auch Teil öffentlicher Veranstaltungen.

Im Jahr 1943 entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass Schulkinder das Gelöbnis nicht sprechen müssen, weil es dem von der US-Verfassung garantierten "Recht der freien Rede" widerspricht.

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mad