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Flugzeugunglück in Sibirien: Stuttgarterin überlebt verletzt

In Irkutsk ist eine Airbus-Maschine auf nasser Landebahn in eine Reihe von Garagen gerast - das Flugzeug fing sofort Feuer. Die Anzahl der Opfer war zunächst unklar, doch offenbar sind weniger Menschen gestorben als befürchtet.

Bei der Bruchlandung eines russischen Passagierflugzeugs in Sibirien sind 131 Menschen getötet worden. Bei schlechtem Wetter schoss die Maschine vom Typ Airbus A-310 mit etwa 200 Menschen an Bord über die nasse Landebahn der Stadt Irkutsk hinaus. Sie prallte in eine Reihe von Garagen und ging in Flammen auf. Retter vermuteten zunächst über 150 Tote auf Flug 778 Moskau-Irkutsk von Russlands zweitgrößter Fluglinie Sibir.

Noch Stunden nach dem Unglück gab es widersprüchliche Zahlen. Sibir teilte in Moskau mit, dass 200 Menschen auf dem Flug S7-778 nach Irkutsk gewesen seien - 192 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder. Der Startflughafen Domodedowo sprach von 203 Menschen an Bord des Airbus. Nach Angaben des Herstellers war die Maschine mit 220 Sitzplätzen im Jahr 1987 ausgeliefert worden und hatte auf über 10.000 Flügen mehr als 52.000 Flugstunden absolviert.

Erst im Laufe des Tages gewannen die Behörden einen Überblick, wie viele Menschen lebend aus dem brennenden Wrack gerettet worden waren. Mindestens 71 Überlebende fanden sich in Kliniken von Irkutsk wieder, darunter eine junge Frau aus Stuttgart. Sie sei "in stabilem Zustand", teilte das deutsche Generalkonsulat in Nowosibirsk mit.

Flug war zunächst problemlos verlaufen

Der 5000 Kilometer lange Flug von Moskau nach Ostsibirien in die Nähe des Baikalsees war völlig problemlos verlaufen. "Wir waren schon normal gelandet. Doch beim Bremsen beschleunigte das Flugzeug auf einmal wieder wie zum Start", sagte die Überlebende Margarita Swetlowa dem örtlichen Sender Baikal-TV. Dann habe die Tragfläche sich in einem Zaun verfangen. Ein Brand brach aus. Nach kurzer Ohmnacht sei sie aus dem Flugzeug gesprungen. Bilder zeigten, wie das Leitwerk mit dem weiß-blauen Schriftzug "Sibir" hoch über Autos und zerstörte Garagen hinausragte.

"Das Flugzeug kam von der Landebahn des Flughafens Irkutsk ab, die nach Regenfällen nass war", sagte Verkehrsminister Igor Lewitin. "Wir müssen das Fahrwerk und alle Systeme des Flugzeugs überprüfen." Die Staatsanwaltschaft schloss weder technisches Versagen noch einen Pilotenfehler aus. Ein Terroranschlag sei unwahrscheinlich, hieß es.

Einer Gruppe von zehn Passagieren und zwei Stewardessen gelang es aus eigener Kraft, sich aus dem Wrack zu befreien. Feuerwehrleute retteten weitere Passagiere und einen der Piloten. Sie wurden mit Brandverletzungen und Rauchvergiftung in Krankenhäusern behandelt. Die Flammen konnten erst nach drei Stunden gelöscht werden. Die Flugschreiber wurden gefunden.

Während in Irkutsk und Moskau die Familien der Flugpassagiere bangten, veröffentlichte Sibir eine Passagierliste, die bald auch im Internet stand. Neben vielen russischen waren drei mutmaßlich deutsche und etwa fünf chinesische Namen darauf verzeichnet. Das deutsche Generalkonsulat bestätigte indes nur, dass eine Deutsche an Bord gewesen sei und überlebt habe.

Letzter schwerer Unfall im Mai 2006

Beim letzten schweren Flugzeugunglück in Russland waren am 3. Mai 113 Menschen ums Leben gekommen, als ein Airbus A-320 der armenischen Fluggesellschaft Armavia vor dem Ferienort Sotschi ins Schwarze Meer stürzte. Sibir hat in den vergangenen Jahren zwei Flugzeuge ohne eigene Schuld verloren. Im Oktober 2001 schoss die ukrainische Luftwaffe bei einer Übung versehentlich eine Sibir-Maschine über dem Schwarzen Meer ab. Keiner der 78 Menschen an Bord überlebte. Im August 2004 riss eine tschetschenische Selbstmordattentäterin auf einem Sibir-Nachtflug von Moskau nach Sotschi 46 Menschen in den Tod.

Friedemann Kohler/DPA / DPA