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Folgen des Amoklaufs: Bürger für privates Waffenverbot

Nach dem Amoklauf in Winnenden fordert Bundeskanzlerin Merkel unangekündigte Kontrollen von Waffenbesitzern. Heute berät der Bundestag über verschärfte Kontrollen. So weit wie die Mehrheit der Bürger wird die Politik aber wohl nicht gehen. Die wünscht sich nämlich ein Waffenverbot in Privathaushalten, wie eine Umfrage des stern ergab.

Die Forderungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Amoklauf von Winnenden, wonach Waffenbesitzer durch unangemeldete Kontrollen überwacht werden sollten, gehen einem Großteil der Bevölkerung nicht weit genug. Laut einer Umfrage des stern und des Privatfernsehsenders RTL fordern 59 Prozent der Deutschen, dass der Besitz von Waffen und Munition in Privathaushalten verboten werden sollte. Vor allem Menschen aus den ostdeutschen Bundesländern (68 Prozent) und Frauen (65 Prozent) sprechen sich für ein solches Verbot aus.

Eine Woche nach dem Amoklauf befasst sich der Bundestag heute mit den Folgen aus der Tat. Das Verbrechen ist Gegenstand einer Aktuellen Stunde unter dem Titel "Kinder, Jugendliche, Familien stärken - Konsequenzen nach dem Amoklauf". In der vergangenen Woche hatte der 17-jährige Tim Kretschmer an einer Realschule im baden-württembergischen Winnenden und bei seiner anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen getötet. Im Bundestag steht die Frage im Vordergrund, wie Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit so gefestigt werden können, dass sich solche Taten nicht wiederholen.

Experten aus SPD und CDU hatten eine Verschärfung des Waffenrechts verlangt, gehen aber nicht so weit wie die Teilnehmer der sternUmfrage. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich für verdachtsunabhängige Kontrollen der Waffenbesitzer ausgesprochen. Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU), sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die schlichte Tatsache, dass jemand Waffen besitzt, reicht nicht aus, um eine Kontrolle in dessen Wohnung durchzuführen." Um derart tief in die Privatsphäre der Bürger einzugreifen, müssten schon konkrete Gefahren für die öffentliche Sicherheit vorliegen. Nach Ansicht Bouffiers ist eine regelmäßige Kontrolle legaler Waffenbesitzer zudem personell nicht zu machen.

Aufgebrachte Jäger

Der Deutsche Jagdschutz-Verband wies den Vorstoß des Berliner Innensenators Erhart Körting (SPD), Jägern künftig den Besitz von Kurzwaffen zu verbieten, als "Unsinn" zurück. Verbands-Präsident Jochen Borchert sagte ebenfalls der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Besitzer legaler Waffen dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden."

Die Diskussion um die Verschärfung des Waffenrechts spaltet die Bevölkerung in politische Lager. Während die Anhänger von Union und FDP gegen ein Verbot sind (52 und 51 Prozent), stößt das Verbot bei den Wählern des "linken Lagers" aus SPD, Grünen und der Linkspartei auf breite Zustimmung. So sprechen sich 68 Prozent der SPD-Wähler und 61 Prozent der Grünen-Sympathisanten für die Gesetzesverschärfung aus. Bei den Anhängern der Linkspartei ist die Zustimmung besonders groß: 78 Prozent von ihnen wollen den privaten Waffenbesitz per Gesetz verbieten lassen.

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