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Washington: Gerade einmal 20 Teilnehmer - Demo von Rechtsextremen floppt völlig

Mit Straßensperren, Waffenverbot und einem Großaufgebot hatte sich die Polizei in Washington auf die Demo von Rechtsextremisten vorbereitet - doch dann kamen gerade einmal 20 Teilnehmer. Ärger gab es mit einigen Gegendemonstranten.

Ein Jahr nach den tödlichen Ausschreitungen bei einem rechtsradikalen Aufmarsch in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia ist eine von Rechtsextremen organisierte Kundgebung in Washington auf massiven Gegenprotest gestoßen. Während sich zur Kundgebung der Rechtsextremen lediglich rund 20 Teilnehmer in der US-Hauptstadt einfanden, nahmen an der Gegendemonstration mindestens 300 Menschen teil. Größere Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.

Großaufgebot der Polizei

Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um beide Gruppen auseinanderzuhalten. Die Beamten säumten Metallabsperrungen, welche die beiden Gruppen voneinander trennen sollten. Aus Sorge vor Ausschreitungen waren zahlreiche Straßen für den Verkehr gesperrt. Das Weiße Haus war hermetisch abgeriegelt. Das Tragen von Schusswaffen war bei den Protesten verboten. Im vergangenen Jahr hatten einige der Rechtsextremen in Charlottesville Waffen bei sich geführt.

Demo Rechtsextremist Kessler

Rechtsextremist Jason Kessler in US-Flaggen gehüllt vor Start der Demo

DPA

Die Gruppe der etwa 20 Rassisten traf aus Vienna in Virginia an einer U-Bahn-Station in Washington ein, wo sie von den rund 300 Gegendemonstranten erwartet wurde. Die Nazi-Gegner riefen "Schämt euch" und "Raus aus meiner Stadt". Polizisten eskortierten die Rechtsextremisten zum Kundgebungsort, um Zusammenstöße zu verhindern.

200 Gegendemonstranten gegen sechs Nazis

Nach einem Marsch zum Lafayette Square vor dem Weißen Haus wurde die Gruppe in Polizeibussen zu einer anderen U-Bahn-Station gefahren. Gegen Abend waren lediglich noch sechs Teilnehmer der Demo vor Ort, denen sich noch rund 200 verbliebene Gegendemonstranten entgegenstellten. Die Polizei verhinderte ein direktes Aufeinandertreffen. Heftiger Regen brachte die Demonstration der Rechtsextremen zu einem früheren Ende als zunächst geplant. Gegen Ende der Proteste setzte die Polizei Pfefferspray gegen eine Gruppe von Gegendemonstranten in typischer schwarzer Antifa-Kleidung ein, die sich ein Handgemenge mit den Beamten lieferten.

Anlass für die Kundgebung der Rechtsextremen in der Nähe des Weißen Hauses war der Jahrestag der tödlichen Ausschreitungen von Charlottesville. Dort war am Rande des rechtsradikalen Aufmarsches eine Gegendemonstrantin getötet worden, als ein Neonazi sein Auto in die Menge steuerte. Die Kundgebung am Sonntag war von der rechtsextremen Gruppe "Unite the Right" organisiert worden, die auch zu dem Aufmarsch in Charlottesville aufgerufen hatte.

Der Vorfall von vor einem Jahr hatte international für Schlagzeilen gesorgt - auch, weil Präsident Donald Trump in der Folge das Verhalten von Rechtsextremisten und Gegendemonstranten gleichsetzte und von "Gewalt auf vielen Seiten" sprach.

Präsidententochter Ivanka Trump bezog am Samstagabend klar gegen Rassismus Stellung. Für "weiße Vorherrschaft, Rassismus und Neonazismus" sei in den USA "kein Platz", schrieb sie auf Twitter. Der Präsident hatte zuvor allgemeiner per Tweet erklärt, er verurteile "alle Arten von Rassismus und Gewalt".

"Es ist wie in Nazi-Deutschland"

Ein Teilnehmer der Gegendemonstration in Washington sagte, die Bewegung weißer Rassisten fühle sich unter Trump im Aufwind. "Als Trump gewählt wurde, hatten viele Leute mit rassistischem Gedankengut das Gefühl, dass sie das jetzt einfach aussprechen können, weil sie den Rückhalt eines Präsidenten hatten", sagte der 22-jährige Kei Pritsker. Ein schwarzer Teilnehmer der Gegendemonstration, der seinen Namen nur mit Jim angab, sagte, die USA fühlten sich unter Trump rassistischer an. "Früher war das subtil, jetzt ist es nicht subtil, es ist auffällig, es ist wie Nazi-Deutschland", sagte er.

nik/AFP