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Frankreich: Blutbad am "Tag der offenen Tür"

Bei der Simulation einer Geiselbefreiung in einer Kaserne in der südfranzösischen Stadt Carcassonne sind 17 Menschen durch Schüsse verletzt worden, darunter fünf Kinder. Ein Elitesoldat hatte aus einem Sturmgewehr eine Salve abgefeuert - und statt Platzpatronen echte Munition verwendet.

Es sollte ein Fest für Familie und Freunde werden, doch der "Tag der offenen Tür" in einer Kaserne in der südfranzösischen Stadt Carcassonne endete in einem Blutbad: 17 Menschen sind bei einer simulierten Geiselbefreiung durch scharfe Schüsse verletzt worden, als ein Elitesoldat am Sonntagabend aus seinem Sturmgewehr eine Salve abfeuerte - er hatte anstatt mit Platzpatronen mit echter Munition geschossen, wie das Verteidigungsministerium in Paris mitteilte. Unter den Verletzten sind den Angaben zufolge auch fünf Kinder. Nun soll geklärt werden, ob der Unteroffizier einen "Anfängerfehler" beging oder in voller Absicht handelte.

Der Schütze dient nach Informationen der Zeitung "Le Figaro" seit acht Jahren in der Eliteeinheit in Carcassonne und wurde von seinen Vorgesetzten geschätzt. Er war gerade von einem Auslandseinsatz zurückgekehrt. Die in der Stadt stationierten Fallschirmjäger der Marineinfanterie werden unter anderem in Afghanistan und in Afrika eingesetzt.

"Um mich herum sanken die Menschen nieder"

Unter den Verletzten waren zwei Soldaten und 15 Zivilisten, alles Familienangehörige der Soldaten. Ein am Brustkorb getroffener Mann und ein dreijähriges Kind schwebten am Montag noch in Lebensgefahr. Die Zuschauer wurden von den Kugeln selbst oder von Splittern getroffen. "Ich habe erst gemerkt, was passiert, als um mich herum die Menschen niedergesunken sind", sagte ein Teilnehmer. "Das war schrecklich. Ich war mit meiner Frau und meinen Kindern gekommen."

Die Behörden lösten Katastrophenalarm aus, die Verletzten wurden mit fünf Hubschraubern und 13 Rettungsfahrzeugen in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Der Unglücksschütze wurde in Gewahrsam genommen und mehrere Gewehre sichergestellt. "Es gab eine Fehlfunktion", sagte Verteidigungsminister Hervé Morin nach einem Besuch der Opfer im Krankenhaus. "Das wird nicht ohne Folgen bleiben." Militär und Justiz leiteten Ermittlungen ein. Die Streitkräfte sind sich jedoch sicher, das es ein versehen war.

1000 Schuss pro Minute

Die Fallschirmjäger hatten am Sonntag mit der öffentlichen Vorführung ihres Könnens den Wechsel ihres Kommandeurs gefeiert. Fünf Simulationen einer Geiselbefreiung verliefen ohne Zwischenfälle. Die Soldaten verschossen dabei Salven aus ihrem Sturmgewehr FAMAS, das bis zu 1000 Schuss pro Minute abgeben kann. "Das ist lauter und macht mehr Eindruck als Einzelschüsse", sagte ein Soldat.

Bei der letzten Vorführung wurde echte Munition eingesetzt. Unklar war zunächst, wie das einem erfahrenen Elitesoldaten passieren konnte, der jeden Tag mit der Waffe umgeht. "Die Übungsmunition hat eine andere Farbe und eine andere Form. Die Munition wird nie vermischt und man sieht die erste Patrone im Magazin. Das kann man eigentlich nicht verwechseln", erklärte ein Militärsprecher. Der Soldat müsse zudem sein Gewehr stets entladen und dürfe keine Patronen zurückbehalten.

Staatspräsident Nicolas Sarkozy will sich noch im Laufe des Tages an den Schauplatz der Tragödie begeben.

joe/DPA / DPA