Geberkonferenz in Genf "Die Welt war nie reicher als jetzt"


Vier Milliarden Dollar stehen für den Wiederaufbau der überfluteten Gebiete Asiens zur Verfügung. Nun beraten 80 Länder in Genf, wie und wo mit dem Geld geholfen werden soll - Deutschland etwa will sich auf Frauen und Kinder konzentrieren und erhält Lob von einer Hilfsorganisation.

Mehr als zwei Wochen nach der Flutkatastrophe in Asien wollen die Vereinten Nationen auf einer Geberkonferenz die weitere Finanzhilfe koordinieren. Dazu wurden am Dienstag in Genf 250 Vertreter zahlreicher Staaten und Hilfsorganisationen erwartet. Die weltweite Solidarität mit den Flutopfern in Asien ist aus Sicht der Vereinten Nationen ein Hinweis auf eine neue Hilfsbereitschaft. "Ich hoffe, die Reaktionen auf den Tsunami sind der der neue Standard, wie sich die Welt um die Hilfsbedürftigen kümmert", sagte der UN-Koordinator für humanitäre Einsätze, Jan Egeland, zum Auftakt einer Geberkonferenz am Dienstag in Genf. Gemessen an der Spendenbereitschaft der Menschen habe das Jahr 2005 so gut begonnen wie noch keines zuvor. "Die Welt war nie reicher als jetzt", sagte Egeland.

Im Mittelpunkt Konferenz stand vor allem die konkrete Verwendung der internationalen Hilfszusagen in Höhe von bislang vier Milliarden Dollar. Auf dem Ministertreffen unter Leitung Egelands wollen die Teilnehmer über die Koordination der Nothilfe und den mittel- und langfristigen Wiederaufbau in den von der Flutwelle betroffenen Ländern diskutieren. Die Bundesregierung entsandte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul nach Genf.

Es sei jetzt wichtig, schnell und effizient zu helfen, "damit die Menschen, die alles verloren haben, wieder einen Neuanfang wagen können", erklärte Wieczorek-Zeul. Die deutsche Unterstützung für die Flutopfer werde sich darauf konzentrieren, den Ärmsten und am härtesten Getroffenen zu helfen, "und das sind Frauen und Kinder". Deutschland setze sich auch dafür ein, dass der Wiederaufbau langfristig und nachhaltig unterstützt werde, um den Betroffenen eine Lebensperspektive zu ermöglichen.

Die bislang von Regierungen, der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank eingegangen Hilfszusagen über vier Milliarden Dollar, rund drei Milliarden Euro, schließen langfristige Entwicklungshilfe, Wiederaufbauhilfe und Kredite ein. Die Liste der Geberländer führen Australien mit 810 Millionen Dollar (614 Millionen Euro) und Deutschland mit 660 Millionen Dollar (500 Millionen Euro) an. An der Konferenz wollten Delegationen aus mehr als 80 Staaten teilnehmen, darunter auch Vertreter der Krisenregion.

UN-Sprecherin Elisabeth Byrs sagte, die Erfahrung in anderen Katastrophenfällen habe gezeigt, dass finanzielle Zusagen häufig erst spät oder gar nicht eingehalten würden. Die UN hofften daher, dass die Regierungen die angekündigten Summen rasch überwiesen. Eine Sprecherin der Hilfsorganisation Oxfam gab zu bedenken, dass viele Regierungen Geld für die Flutopfer aus anderen Hilfsfonds abzögen. "Wir blicken jetzt insbesondere nach Deutschland. Die Regierung hat versprochen, dass alle zugesagten Mittel neu sind", sagte Oxfam-Sprecherin Amy Barry. "Das hat bislang kein anderes Land gemacht."

Missmanagement und Betrug soll verhindert werden

Um Missmanagement und Betrugsfälle zu verhindern, haben die Vereinten Nationen angekündigt, von unabhängigen Experten wie Unternehmensberatungen angebotene Unterstützung anzunehmen.

Delegationen der UN-Mitgliedstaaten, der UN-Agenturen, der Rot-Kreuz-Bewegung und internationaler Nichtregierungsorganisationen wollten sich darüber hinaus am Dienstag zur Startrunde der UN-Länderprogramme des so genannten Consolidated Appeals Process versammeln. Dabei sollte es um die vergessenen Krisen und Konflikte gehen. Die Reihe der humanitären Appelle war im November von UN-Generalsekretär Kofi Annan angestoßen worden und betrifft die internationale Hilfe für 14 Regionen, Länder und Gebiete, in denen Krisen mit verschiedensten Ursachen die Menschen von Hilfe abhängig machen. Betroffen sind Menschen in Afrika, im Nahen Osten und im Kaukasus.

AP/DPA AP DPA

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