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Golf von Mexiko: Ölteppich breitet sich aus

Eine Woche nach dem Unglück auf einer Bohrinsel droht im Golf von Mexiko immer noch eine Umweltkatastrophe. Unterwasser-Roboter sollen den Ölfluss stoppen. Doch die Geräte brachten bislang keinen Erfolg.

Von Vera Rigert

Im Golf von Mexiko wächst die Gefahr einer Ölkatastrophe. Seit dem Untergang der Bohrplattform "Deepwater Horizon" vor einer Woche sprudelt am Meeresboden Rohöl aus mindestens zwei Lecks. Mittlerweile ist der Ölteppich auf eine Größe von 4600 Quadratkilometer angewachsen – doppelt so groß wie das Saarland. Über Wasser sollen Ölsperren helfen, die Ausbreitung des Teppichs zu verzögern. Unter Wasser sind seit dem vergangenen Wochenende Tauchroboter im Einsatz, welche die zwei Lecks in 1500 Metern Tiefe schließen sollen. Bisher waren die Versuche jedoch ohne Erfolg. Der Einsatz der Mini-U-Boote sei im Moment die einzige Möglichkeit, den weiteren Austritt von Öl ins Wasser schnell zu stoppen, sagte Christan Bussau, Biologe und Ölexperte von Greenpeace.

Falls das Leck mit den Unterwasserrobotern nicht gestopft werden könne, müsse eine neue Bohrinsel aufgebaut werden, um das ausfließende Öl umzuleiten. Eine Plattform mit entsprechender Ausrüstung sei unterwegs zur Unglücksstelle, hieß es in einer Mitteilung des Ölkonzerns BP. Der Haken dabei wäre allerdings, dass soetwas zwei bis drei Monate dauert. Außerdem handelt es sich um ein riskantes Unternehmen, das bislang noch nie in so großer Tiefe unternommen wurde. "Nun geht es darum, dass man so schnell wie möglich das Leck schließt", sagte Bussau. Gelingt das nicht, würde das Ökosystem im Golf von Mexiko völlig aus dem Gleichgewicht geraten.

"Wenn das Leck nicht geschlossen wird und wenn da jeden Tag eine große Menge Öl ausströmt, dann kann man eine Verschmutzung wie beim Tankerunfall der 'Prestige' im Jahr 2002 nicht ausschließen", warnte der Greenpeace-Experte weiter. Damals wurden mehrere hundert Kilometer vor der nordwestspanischen Küste verseucht.

Tauchroboter ähneln Krebsen

Mit den Tauchrobotern, die momentan unter Wasser im Einsatz sind, versucht man die Katastrophe zu verhindern. Die Mini-U-Boote, sogenannte Remotly Operated Vehicles (ROV), müsse man sich wie einen Strandkrebs an der Ostsee vorstellen, sagt Friedrich Abegg vom Technik- und Logistikzentrum IFM Geomar in Kiel. Laut dem Kieler Experten haben auch die Unterwasser-Gefährte vorne zwei Greifarme. "Der Roboter schaut wo die Lecks sind und ob es irgendwelche Ventile gibt, die abgestellt werden können." Mindestens vier solcher Unterwasser-Roboter sind im Einsatz. "Die Geräte werden von oben gesteuert" sagt Abegg. Mittels einer Strom- und einer Datenleitung erfahre der Pilot, was unter Wasser geschehe. Da die Sicht unter Wasser nicht mehr als 20 bis 30 Meter betrage, haben die ROV ein Sonar eingebaut. "Für den Nahbereich gibt es Kameras, mit den Sonargeräten kann man bis zu 150 Meter weiter schauen", erklärt der ROV-Experte.

Ökosystem bedroht

Da das Öl in der Tiefsee austrete, werde zuerst der Meeresboden verschmutzt, sagt Bussau. "In der Tiefsee leben viele unbekannte Tierarten. Was so eine Ölverschmutzung für Auswirkungen hat, weiß kein Mensch". Jedoch steige das Öl empor und verschmutze den Planktongürtel. Die Verschmutzung des Planktons könne noch weitere Folgen haben, warnt der Greenpeace-Experte. "Wenn das Öl über einen längeren Zeitraum austritt und im Ökosystem bleibt, dann bedeutet dies, dass die giftigen Bestandteile des Öls in die Nahrungskette kommen".

Die Ölpest gefährdet die Küsten der US-Bundestaaten Louisiana, Alabama und Mississippi. Dort befindet sich ein Ökosystem mit Wasservögeln, Garnelen und Austernbänken. "Eine riesige Fläche Öl treibt auf der Meeresoberfläche, das heißt unzählige Tiere, die sich an der Wasseroberfläche aufhalten sind bedroht", sagte Bussau. Pro Tag laufen tausend Barrel (rund 159.000 Liter) aus den Lecks.

Auf der riesigen Plattform "Deepwater Horizon", die dem Unternehmen Transocean gehröt und von BP betrieben wird, hatte sich vor einer Woche eine gewaltige Explosion ereignet. Zwei Tage später sank die Bohrinsel. Dort waren vor der Explosion mehr als eine Million Liter Öl am Tag gepumpt worden. Am Montag galten nach wie vor elf Arbeiter als verschollen. Hoffnung, sie noch lebend zu finden, bestand praktisch nicht mehr.

mit AFP und DPA