HOME

Greta Thunberg: Great, greater, Greta! Über das Drama ihrer frühen Jugend – und ihre epochale Wirkung heute

Anmaßende Göre? Weltenretterin? Was andere von ihr halten, ist Greta Thunberg egal. Und der Friedensnobelpreis? Auch. Sie macht sich nichts aus Ruhm – ihr geht es um viel mehr.


Greta Thunberg in London

London, Hotelzimmer. Die Frisur sitzt noch nicht. Greta Thunberg beim Zöpfeflechten vor einer Kundgebung

Die hat uns der Himmel geschickt! Eine klein gewachsene 16-Jährige mit fixer Idee. Mit furchtlosem Blick aus granitgrünen Augen, mit kindlicher Zornesfalte und schief gezogenem Mund. Eine bezopfte Schwedin, die so gar nichts mit unserer rothaarigen, sommersprossigen Lieblings­anarchistin gemein hat, mit der wir und Generationen von Kindern weltweit aufgewachsen sind. Eine, die scheinbar reglos die größte, jawohl, die größte Jugendbewegung der Menschheitsgeschichte anführt. Von Berlin bis Bangladesch, von Nairobi bis Neuseeland. Größer als die Kinderkreuzzüge im 13. Jahrhundert, größer als die Friedensbewegung, der Arabische Frühling und die Achtundsechziger. Tolla hi, tolla hej, tolla hopsasa.

Sie sagen jetzt: Oh, nicht schon wieder eine Heiligsprechung, eine Hagiografie, eine Gloriole um das Haupt dieses pubertierenden Greta-Mädchens! Wir sagen: Seit Jesus hat niemand eine so weltumspannende Bewegung ausgelöst wie die manchmal sehr zornig guckende Greta Thunberg aus Stockholm. Nein, sie ist keine fröh­liche Pippi Langstrumpf. Sie ist nicht gefällig wie manche politisch aktive Teenager vor ihr. Und schon gar nicht ist die Erfinderin von "Fridays for Future" gefallsüchtig. Sie ist "different", anders. Das hat sie selbst oft erzählt. Vielleicht ist das der Grund für all das, was geschah, als der Himmel sie uns schickte.

Greta Thunbergs paradiesische Anfangsjahre

"Mit elf wurde ich krank. Ich bekam Depressionen. Ich hörte auf zu sprechen und zu essen. In zwei Monaten verlor ich zehn Kilo Gewicht. Später bekam ich die Diagnose Asperger-Syndrom, Zwangsstörung und selektiver Mutismus. Im Grunde bedeutet es, dass ich nur spreche, wenn ich es für nötig halte." Nötig ist es, über die Klimakrise zu sprechen.

Greta Thunberg hält sich, wenn es um sie selbst geht, nicht mit Details und Sentimentalem auf. Sie reagiert wie die asperger-autistische TV-Kommissarin Saga Norén aus der Serie "Die Brücke", die in Ein-Wort-Sätzen antwortet, wo andere Gesprächskoffer abstellen. Hinter Greta Thunbergs profaner Schilderung verbirgt sich jedoch das Drama früher Jugend.

Die Familie von Greta Thunberg

Eine Bilderbuchfamilie – auf den ersten Blick. Schwester Beata (l.), Greta, Mutter Malena mit Roxy, Vater Svante und Moses

Sie wird im Januar 2003 geboren, dem Jahr des Rekordsommers. Ihre Eltern haben Bühnenberufe, sie ist Opernsängerin, er Schauspieler. Beide könnte man per Copy-and-paste in ein Bild der Popgruppe ABBA montieren, ohne dass sie groß als störend empfunden würden. Gretas Anfangsjahre erscheinen den Eltern paradiesisch. Sie ziehen von Bühne zu Bühne, quer durch Europa. Barcelona, Paris, Salzburg, Berlin. Sie wohnen, wo die Engagements und Festspielsommer gerade Saison haben. Im Winter tobt Greta mit ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Beata zwischen Eames-Chairs und Arne-Jacobsen-Sesseln und unter hohen Decken in hellen Stockholmer Altbauwohnungen. Es gibt einen Volvo und zwei Hunde, Moses und Roxy, aus dem Tierschutz natürlich. Man kann sagen, vor allem Gretas Mutter ist eine stark extrovertierte Frau, was keine Kritik sein soll. Wenn man nicht extrovertiert ist, kann man nicht vor 4000 Menschen oder gar einem Millionenpublikum den Mund aufreißen und singen. Malena Ernman kann das, singt sogar beim Eurovision Song Contest. Sie wird Einundzwanzigste, Norwegen gewinnt. Das Leben der Familie Ernman-Thunberg scheint unvergleichlich. "Unser Alltag war einfach wunderbar", schreibt Malena im 2018 erschienenen Erinnerungsbuch der Familie, das "Szenen aus dem Herzen" heißt. Untertitel: "Unser Leben für das Klima". Und damit ist gesagt, was sie treibt.

Greta Thunberg in der New Yorker U-Bahn

Er hat sie erkannt: Am 20. September fährt Greta mit der U-Bahn zum Klimastreik der New Yorker

Wenige Jahre nach der wunderbaren Zeit beginnt Greta zu schweigen, zu weinen, zu hungern. Eine Odyssee durch Kran­kenhäuser und Psycho-Praxen beginnt. Die Eltern sind am Ende, die kleine Schwester läuft aus dem Ruder, alle Aufmerksamkeit liegt auf Greta. Als sie so abgemagert ist, dass sie künstlich ernährt werden soll, sagt sie: Ich will wieder essen. Sie beginnt mit Avocado, Gnocchi, Reis. Für fünf Kar­tof­felklößchen braucht sie anfangs zwei Stunden und zehn Minuten. Sie lernt alle Hauptstädte auswendig, auch rückwärts. Sie zählt alle Elemente des Periodensystems in weniger als einer Minute auf. Sie guckt sich auf Youtube Bilder aus Schlachthöfen an und von Plastikmüllbergen in den Ozeanen. Mit den Eltern besucht sie Klimaforscher an der Universität von Uppsala. Sie ist gerade so alt wie eine Konfirmandin und hat bereits das Wissen einer Professorin. Zahlen, Daten, Fakten. Zwei-Grad-Ziel und CO2-Ausstoß. Als Vater Svante Thunberg mit Tochter Beata zu einem Erholungsurlaub nach Sardinien aufbricht und nur einen Tag und eine Panikattacke (Beata!) später wieder nach Hause fliegen muss, da rechnet Greta beiden kühl vor: "Ihr habt gerade einen CO2-Ausstoß von 2,7 Tonnen verursacht. Das entspricht der Jahresemission von fünf Einwohnern des Senegal." Irgendwie muss es auch unheimlich gewesen sein, mit Greta Thunberg unter einem Dach zu leben.

Greta Thunbergs Mutter ist die Opernsängerin Malena Ernmann

Prügel auf dem Schulhof

Wie war man eigentlich selbst mit 14, 15, 16? Klar, fixe Ideen, Obsessionen haben die meisten. Ballett, Kommunismus, GNTM oder Tennis. Man findet Tiere süß, isst Burger, Bolognese, Berner Würstl oder findet alles eklig. Man denkt viel darüber nach, wie wohl der erste Sex sein wird, der erste Freund, die erste Freundin. Greta scheint sich für all das nicht zu interessieren. Nicht für Ballett und Tennis und auch nicht für das andere. Sie isst die Kartoffeln und Nudeln und Avocados pur und sagt: "Ich will keine Freunde. Kinder sind gemein." Es kommt heraus, dass sie wegen ihres Andersseins auf dem Schulhof verprügelt wurde, dass sie sich in den Pausen auf dem Mädchenklo versteckte. Malena Ernman nennt das Anderssein ihrer Tochter eine "Superkraft". Auch Greta versucht, ihr Handicap so zu sehen, als es ihr besser geht, und fokussiert diese Kraft nun auf ein einziges Thema, ihr Thema.

Im Sommer 2016 wird bei der 10-jäh­rigen Beata, Gretas kleiner Schwester, ADHS festgestellt "mit Zügen von Asperger". Malena, die Mutter, bekennt sich zu ihrer Sozialphobie und zu Depressionen. Die Eltern ziehen nun in getrennte Wohnungen, teilen sich auf – jeder nimmt ein Kind. Greta bleibt bei Svante, der sie von nun an beschützen und durch die Welt begleiten wird. Und der ihr im August 2018 ein Stück Sperrholz kauft, auf das sie diese drei Worte schreibt, die legendär werden sollen: "skolstrejk för klimatet".

Greta Thunberg und Valerie Plante

Greta lacht. Mit Valerie Plante, der Bürgermeisterin von Montreal, beim Eintrag ins Gästebuch

Als der stern das inzwischen berühmt gewordene Mädchen ein Jahr später zum Interview vor der spektakulären Segelfahrt nach New York trifft, gibt Greta nach einem kurzen, leisen "Hej" sachliche Antworten auf präzise Fragen. Auf gefühligere Fragen wie "Hast du denn auch ein bisschen Angst?" antwortet sie mit verständnis­losem Blick. Es geht doch hier nicht um mich! Vor ihrer emissionsfreien Reise zum UN-Klimagipfel beherrscht Greta Thunberg den Smalltalk nicht. Sie ahnt oder weiß vielleicht, dass es durchaus verschiedene Ebenen der menschlichen Kommunikation gibt. Sie kann aber nur die eine: sagen, was ist. "Eure Rede aber sei Ja! Ja! Nein! Nein!", so heißt es schon in der Bergpredigt. Und die ist, das nebenbei erwähnt, von Jesus.

Svante Thunberg, 50, der sich während des stern-Interviews auf einem Bootssteg unterhalten hat und seine Tochter einfach machen ließ, ist ein heiterer und offener Mann. Jeder würde mit ihm sofort in der Hafenkneipe ein Bier trinken gehen. Es heißt ja immer, er und ein gigantischer PR-Stab mit Redenschreibern und Rechtsanwälten steuerten die Minderjährige wie eine Marionette. Beim Interview im Hafen von Plymouth war davon nichts zu sehen oder zu spüren. Zu diesem Zeitpunkt ist Greta ein ernstes Mädchen in Segelmontur, das emotionslos Auskunft gibt. Eine, die vor einem Jahr noch Freitag für Freitag im blauen Kapuzen-Sweatshirt mit ihrem Sperrholzschild vor dem schwedischen Parlament demonstriert hatte. Die kurz darauf ohne erkennbares Lampenfieber vor Auditorien in Brüssel, Kattowitz und Davos sprach. Und sogar vor dem Papst. Sie hat auf ihrem Feldzug niemanden geschont. Und sie signalisierte mit ihrer jungfräulichen Aura stets, dass sie weder die Mächtigen noch all die Umweltgroupies zu Freunden haben wollte, die sich für Selfies neben sie drängten, weil es gerade schick war, sich neben Greta Thunberg zu drängen. Greta war ein Phänomen. Manchmal hatte man das Gefühl, sie in ein samtgepolstertes Etui legen zu müssen, um sie vor der Welt, der Wut, den Fotografen, vor uns allen und sich selbst zu beschützen.

New York hat sie verändert

Der Philosoph Friedrich Hegel schrieb im 19. Jahrhundert sinngemäß, dass sich die "Weltseele" in jeder Epoche eine Figur suche, in der sie Fleisch werden könne. Das klingt, zugegeben, wieder einmal ziemlich opulent für ein Mädchen, das gerade einmal anderthalb Meter groß ist. Aber vielleicht verkörpert Greta Thunberg im Moment ja wirklich jenen "Weltgeist", der bislang nur durch unsere Diskussionen, Debatten und Artikel waberte. Das wäre ein ganz schöner Batzen für ein sensibles Geschöpf mit Kindergesicht, Grübchen und Zopf. Doch noch hält sie das aus.

Als Greta allein mit zwei Skippern der "Malizia II", einem Kameramann und ihrem Vater zwei Wochen lang auf dem Ozean durch hohe Wellen pflügte, schickte sie gelegentlich Fotos. Sie wirkte glücklich so allein, gelöst zwischen Himmel und Meer. Keine bösen Geräusche, keine üblen Gerüche. Manchmal lachte sie sogar in die Kamera, und man hätte ihr gewünscht, dass sie so bleiben dürfte. Ein Mädchen ohne Auftrag, ohne Menschheitsbürde, eine ganz normale 16-Jährige, die sich an vorbeihüpfenden Delfinen freut.

Kurz nach der Ankunft in New York verändert sie sich. Nein, nicht nur, dass aus zwei Zöpfen nun einer geworden war oder sie die Haare manchmal sogar offen trug; nicht, dass sie manchmal nervös mit den Augen flackerte oder die Stirn zucken ließ. Es war das: Man konnte ihr von Talkshow zu Interview dabei zusehen, wie sie die Unschuld verlor. Sie wurde professionell. Sie lernte, mit ihrer Einsilbigkeit Pointen zu setzen.

Gretas Rede vor den Vereinten Nationen

Greta zürnt. Bei ihrer Rede vor den Vereinten Nationen erlebt man sie erstmals laut und verzweifelt

"Warum bist du nicht nach New York geflogen?", fragte TV-Moderator Trevor Noah.

"Ich fliege nicht mehr, wegen der Auswirkung auf das Klima. Und weil ich eine der wenigen auf der Welt bin, die einen solchen Trip machen können, dachte ich...", hier machte sie eine Kunstpause, "why not!"

Natürlich applaudierte das geübte Studio-Publikum. Und sie lächelte zufrieden. Ob es ihr nicht leid tue, fragte Trevor Noah, dass ihre Mutter ihren Job nicht mehr so machen konnte, wie sie es gewöhnt war, weil die Familie beschlossen hatte, nicht mehr zu fliegen. "Sie macht jetzt Musicals", antwortete Greta, "sie musste ihre Karriere ändern." Und dann nach kurzem Nachdenken: "Aber die war auch nicht besonders groß."

Vor Mitgliedern des US-Repräsentantenhauses erklärte Greta Thunberg: "Ich möchte nicht, dass Sie mir zuhören. Ich will, dass Sie den Wissenschaftlern zuhören." Dann schob sie den Abgeordneten den lange schon bekannten Bericht des Weltklimarats IPCC rüber. Hier, lest mal! Man konnte die Irritation in deren Gesichtern sehen: Oh My God, was für eine Sorte Mädchen ist das? Dann lächelten sie und applaudierten.

Kompromisse sind ihr fremd

Der frühere kalifornische Gouverneur und Muskelspieler Arnold Schwarzenegger ist seit Längerem ihr Fan. Er stellte ihr einen "Tesla" zur Verfügung, mit dem sie "klimaneutral" zu ihren vielen über die gesamten USA verstreuten Protestauftritten reiste. Sogar bis Québec in Kanada kam sie, wo sie Französisch sprach. Egal, wo sie auch auftrat, ihre Anhänger kreischten: "Greta, we love you!" Und man sah, wie es sie quälte, ihr unter die Haut fuhr, Stirn und Augen zucken ließ. Warum redeten in Amerika nur alle so laut! Warum war hier immer alles so much! Einmal lachte sie jedoch, wie man sie nur auf dem Segelboot hatte lachen sehen, obwohl man doch immer dachte, dass Menschen mit Asperger- Syndrom keine Emotionen zeigen. Ein etwas molliger 10-Jähriger versuchte, sie in Washington mit vollem Körpereinsatz vor den Fotografen abzuschirmen. Der kleine Ritter hatte das Gefühl: Jetzt reicht’s. Sie hatte das Gefühl wohl auch.

Das einzig Peinliche auf ihrer Amerika-Reise war eigentlich, als Barack Obama sich an sie ranwanzte. Mit "Gettofaust" und dem merkwürdig selbstverliebten Satz: "Du und ich, wir sind ein Team." Ein Team? Gehörte Obama nicht auch zu den anderen? Zu denen, die nicht wirklich Großes unternommen hatten gegen Erd­erwärmung, Ressourcenausbeutung und Umweltzerstörung? Die nichts dagegen unternahmen, dass Wälder brennen, Tierarten ­aussterben und bald vielleicht der Mensch? Wie konntet ihr alle es wagen? "How dare you?", ruft sie mit alttesta­mentarischem Zorn der versammelten Politikerschar der Vereinten Nationen entgegen. How! Dare! You! Zum zweiten Mal schenkte sie damit der Weltgeschichte drei legendäre Worte.

Cover mit Greta Thunberg

Greta Thunberg wird am Ende des Jahres das wohl meistgedruckte Cover-Girl gewesen sein. Sie zierte Magazine von „Vogue“ bis „Time“. Auch der stern widmete ihr Titelgeschichten

Greta Thunberg, so schien es, war die Einzige, die das, was Wissenschaftler auf der ganzen Welt über den Zustand des Klimas zusammengeforscht hatten, studiert und ernstgenommen hatte. Ihr Resümee lautete: "Unite behind the Science." Vereint euch hinter der Wissenschaft. So einfach!

Wenn sie etwas beeindrucke, sagte die Physikerin Angela Merkel, dann sei das genau dieser Spruch. Das war noch, bevor Greta Thunberg auch ihr in perfektem Englisch die Leviten las.

Das Tolle an Asperger-Leuten ist, dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen. Dass sie sich nicht verstellen können. Dass sie Ironie ebenso wenig pflegen wie Diplomatie. Greta Thunberg ist auch nicht in der Lage, in Kompromissen zu denken wie Kanzlerin Merkel etwa, mit der sie sich vor ihrer berühmten Rede im Backstage-Bereich des New Yorker UN-Gebäudes auf ein Zehn-Minuten-Gespräch traf. "Spontan", wie es heißt. Greta kann nur schwarz oder weiß, sie ist keine Politikerin. Mag sein, dass manche ihre Wirkungsmacht bezweifeln und sie als "krankes Kind" abtun. Dass die in China, Russland und Amerika sie als ferngesteuertes Öko-Girl belächeln. Egal! Greta Thunberg hat längst in jedem von uns ihren ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Ob wir das wollen oder nicht. Ob es in unserem Bewusstsein geschieht oder im Unbewussten. Ob Putin, Trump und Günther Oettinger das gefällt oder nicht.

Kohlrabi statt Sushi

Schon die Namensgebung war wegweisend. Wir glauben, nie hätte sie als "Ulrika" oder "Astrid" die Welt erobern können. Bei Greta jedoch muss nur ein Vokal umgestellt werden, schon ergibt sich Größe. "Greta" klingt wie ein Siegel, ein Label, wie Maßeinheit und Adjektiv. Ist es "greta", wenn ich mit dem Auto schnell zum Supermarkt flitze, wo ich doch auch das Rad nehmen könnte? Ist es "greta", wenn ich neue Sneakers bestelle, wo ich die alten genauso gut sauber schrubben könnte? Und ist es nicht völlig "ungreta", Neues im Internet zu kaufen?

Greta oder "Frau Thunberg" – wie allein Robert Habeck sagt – macht das Leben kompliziert. Für uns alle. Für die, die sich nach einem harten Aufstieg voller Arbeit endlich jenen Lebensstil leisten können, von dem sie immer träumten; von Mallorca- und Thailandsonne, von einem grö­ßeren Auto und Vollpension satt. Für die schicken Mamis, die mit dem Gelände­wagen zu Alnatura cruisen und zum Waldorfkindergarten mit dem Kleinbus. Für die Juniorpartner und Key-Account-Manager in spe, die schnell zwischen zwei Konfis ihre Bento-Box verspachteln, Sushi, Coffee, Weiß-der-Teufel-to-go in der Plastikbox. Geht nicht mehr, Leute, ungreta! Greta, das heißt "Neues Biedermeier". Zu Fuß gehen, Heimat-Urlaub, zu Hause kochen. Blumenkohl, Stielmus, Kohlrabi. Besonders Letztere, die man zu Recht überwunden glaubte, kehren nun zurück. Auch deshalb ist es verständlich, wenn Menschen sagen: Die hat uns gerade noch gefehlt! Jede Bewegung hat ihre Feinde.

Die anderen aber, die Jungen, werden dann, wenn wir längst alt sind oder tot, sie werden sagen: In jenem Jahr, als die Erde eine zweite Chance bekam, da bin ich dem Weltgeist begegnet. Er trug Zöpfe!