H1N1-Influenza WHO warnt vor zweiter Schweinegrippe-Welle


Keine Entwarnung bei der Schweinegrippe: Der scheinbare Rückgang der Todesfälle bedeute nicht das Ende der Gefahr, befürchtet die Weltgesundheitsorganisation. Eine neue Krankheitswelle könne jederzeit mit Macht zuschlagen. Es sei sogar möglich, dass die höchste Warnstufe ausgerufen werde.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor einer zweiten, heftigeren Welle der Schweinegrippe gewarnt. Der derzeitige scheinbare Rückgang der Sterblichkeitsrate bedeute nicht, dass die Grippewelle zu Ende gehe, sagte WHO-Chefin Margaret Chan der britischen "Financial Times". "Wir hoffen zwar, dass das Virus sich totläuft", so Chan. Doch könne eine zweite Schweinegrippe-Welle jederzeit "mit aller Macht" zuschlagen. Wenn das geschehe, "steht uns ein großer Ausbruch bevor".

"Ich sage jetzt nicht, dass eine Pandemie losbricht", betonte die WHO-Chefin: "Aber wenn ich etwas versäume, und wir bereiten uns nicht richtig vor, bin ich gescheitert. Ich treffe lieber zuviel als keine Vorsorge."

In der spanischen Zeitung "El Pais" sprach Chan allerdings auch von Anzeichen für das Erreichen der höchsten Warnstufe und damit einer Pandemie. "Stufe sechs bedeutet aber nicht das Ende der Welt. Es ist wichtig, dies deutlich zu machen, weil Stufe sechs (andernfalls) eine unnötige Panik auslösen würde“, sagte sie. "Grippeviren sind sehr unberechenbar. Wir sollten nicht übermäßig zuversichtlich sein. Man darf dem H1N1-Virus nicht die Möglichkeit geben, sich mit anderen Viren zu vermischen. Das ist der Grund, warum wir auf Alarmstufe stehen." Dabei wies Chan vor allem auf den Höhepunkt der Grippesaison auf der Südhalbkugel hin, wo in Kürze der Winter anbricht. Niemand könne vorhersagen, was dann passiere.

Ähnlich äußerte sich der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker. Für eine Entwarnung sei es "sicherlich" noch "zu früh", sagte Hacker am Montagmorgen. Die deutschen Behörden müssten die internationale Lage im Blick behalten, weltweit steige die Zahl der Erkrankungen derzeit noch, "wenn auch nicht explosionsartig", sagte Hacker.

Zwar gebe es in Deutschland bisher "relativ kleine Fallzahlen". Das Virus übertrage sich aber gut von Mensch zu Mensch, außerdem könnten die Influenza-Viren ihr Erbgut verändern. Bislang sei die Schweinegrippe hierzulande "sehr milde" verlaufen, es gelte aber, auf der Hut zu sein.

Die WHO hat bislang 985 Schweingrippe-Fälle in 20 Ländern bestätigt. Am stärksten betroffen seien Mexiko mit 590 Infektionen und die USA mit 226, teilte die Behörde mit. Deutschland liegt mit acht Erkrankten hinter Kanada (85), Spanien (40) und Großbritannien (15) auf Platz sechs.

Mexiko wähnt das Schlimmste vorüber

Die mexikanische Regierung sieht die Schweinegrippe unterdessen auf dem Rückzug. Die H1N1-Influenza habe zwischen dem 23. und 28. April ihren Höhepunkt erreicht, sagte Gesundheitsminister Jose Angel Cordova am Sonntag. "Vom Verlauf her befindet sich die Epidemie in der abklingenden Phase." Trotzdem könne noch keine Entwarnung gegeben werden.

Marcelo Ebrard, Bürgermeister von Mexiko-Stadt, äußerte sich zuversichtlich, dass die Einwohner voraussichtlich am Donnerstag wieder zum Alltag übergehen könnten. Dabei müssten sie allerdings noch Vorsichtsmaßnahmen beachten. Mexiko hatte als Konsequenz aus der Schweinegrippe von Freitag an das öffentliche Leben ruhen lassen.

Hoffnungsvoll hatten sich auch die US-Behörden geäußert. Das Virus der neuen Krankheit verhalte sich weltweit bislang eher wie das einer gewöhnlichen Grippe, teilte das US-Zentrum für Seuchenkontrolle mit.

Reuters/DPA/AP AP DPA Reuters

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