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Prozessbeginn Britischer Biker will nicht zu den Hells Angels - und bezahlt dafür einen hohen Preis

Rückseite zweier Hells Angels Lederjacken mit dem Emblem
Ein Angebot, Mitglied der Hells Angels zu werden, lehnt man nicht einfach ab, wie ein britischer Biker schmerzvoll erfahren musste (Symbolbild).
© Franziska Kraufmann / DPA
Ein Angebot, Mitglied der Hells Angels zu werden, lehnt man nicht einfach so ab. Das musste ein Biker im britischen Küstenort Hastings unter großen Schmerzen erfahren. Der Fall wird nun vor Gericht verhandelt.

Das, was Christopher H. passiert ist, ist schon zweieinhalb Jahre her. Doch vergessen wird der 53-jährige Brite den Vorfall nie mehr. Der Besuch des Pubs The Carlisle im britischen Küstenort Hastings kostete den Biker den Großteil seines Augenlichts. Der Grund: Er wollte nicht Mitglied der Hells Angels werden.

H.s Fall wird jetzt vor Gericht verhandelt. Was die britische Öffentlichkeit an dem Fall besonders schockiert, ist die enorme Brutalität, die sich an einem scheinbar ganz normalen Abend plötzlich Bahn brach.

Mitglied bei den Hells Angels? Danke, nein!

Wie die BBC berichtet, schilderte Staatsanwalt Nicholas Cooper den Tathergang zu Beginn des Prozesses. Danach spielte in dem bei Bikern beliebten Pub am 20. Februar 2016, dem Tag der Tat, eine Punkband namens "90 per cent proof". Rund 200 Menschen waren zu dem Konzert gekommen, darunter laut einem Bericht der "Daily Mail" auch etwa 20 Hells Angels. Christopher H. verbrachte den Abend ebenfalls im Carlisle. Er war in der Biker-Szene in Sussex durchaus bekannt; ein Mitglied der Hells Angels war er aber nie.

Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde Christopher H. gegen Mitternacht von einem Hells Angel namens Oliver W., in der Szene als "Swaggers" bekannt, gebeten, mit nach draußen zu kommen. Vor dem Pub unterhielten sich die beiden Männer über einen gemeinsamen Bekannten, einen vor einiger Zeit gestorbenen Biker. Schließlich fragte "Swaggers" H., ob er nicht Mitglied bei den Hells Angels werden wolle. Laut den Ermittlungen lehnte H. ab, unter anderem mit dem Hinweis, er sei zu alt, um noch bei der Rockergruppe mitzumachen.

Schläge prasselten auf den Biker ein

Danach soll, so Staatsanwalt Cooper vor Gericht, "Swaggers" weggegangen und wenig später mit Matthew B., dem Präsidenten des Sussex Chapter der Hells Angels, zurückgekommen sein. B. habe das spätere Opfer sofort angegangen, heißt es: "Warum willst du diese Farben nicht tragen?" H. habe darauf verwiesen, dass der Pub auf neutralem Gebiet liege, alle möglichen Farben dort getragen würden und er schlicht und einfach kein Interesse habe, Mitglied zu werden. Ein Wort ergab das andere bis der Angels-Boss H. einen so harten Kopfstoß versetzte, dass dieser wiederum mit seinem Kopf gegen die Wand prallte.

Was danach geschah, bezeichnete der Staatsanwalt als einen regelrechten Regen härtester Schläge, die auf H. niederprasselten. Dem Biker wurden zudem die Beine weggezogen, so dass H. zu Boden stürzte. Das Letzte, an das sich H. erinnern kann ist, dass der Angels-Chef direkt vor ihm stand, sein früherer Freund "Swaggers" links daneben. Danach müssen die beiden Hells Angels den auf dem Boden liegenden Mann weiter dermaßen traktiert haben, dass beide Augäpfel schwer verletzt wurden und H. seither nahezu blind ist. Laut früheren Medienberichten wollte die beiden Hells Angels damit verhindern, dass ihr Opfer sie später identifizieren könne.

Angeklagte bestreiten Absicht

Ob das wirklich mit voller Absicht geschah, das zu klären, wird nun Gegenstand des Verfahrens sein. Die beiden Angeklagten streiten kategorisch ab, den 53-Jährigen absichtlich so schwer verletzt zu haben. 

dho

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