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Hochwasser in Deutschland: Polizei warnt vor falschen Spendensammlern

Norddeutschland kämpft weiter gegen die Elbeflut. In Lauenburg hat Kanzlerin Merkel allen Helfern Respekt gezollt. In Mecklenburg-Vorpommern nahm die Polizei fünf kriminelle Spendensammler fest.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Hochwasserhelfern in Lauenburg ihren Respekt gezollt. "Wir achten und schätzen das ganze Engagement", sagte die Kanzlerin bei einem Besuch der Elbestadt. Zusammen mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) informierte sie sich über die Lage in der Kleinstadt und die Arbeit der Einsatzkräfte.

Die Kanzlerin bekräftigte, dass der Bund die betroffenen Menschen nicht alleinlassen werde. "Wir haben vereinbart, es gibt eine Soforthilfe." Zugleich begrüßte sie, die Unterstützung von privater Seite: "Ich freue mich über jede Spendenaktion, das ist ein ganz wichtiges Zeichen."

Kaum erfreut dürfte die Kanzlerin über die "Spendenaktion" sein, die jetzt in Mecklenburg-Vorpommern bekannt wurde. Dort sind angebliche Flutopfer als kriminelle Spendensammler unterwegs: Die Polizei hat fünf Männer ertappt, die ohne Spendenausweis in Groß Trebbow Geld für Hochwassergeschädigte erbeten hatten, wie ein Sprecher am Mittwoch mitteilte. Die Männer im Alter zwischen 28 und 38 Jahren wurden von einem Streifenwagen gestoppt, drei von ihnen waren der Polizei bereits wegen Betrügereien bekannt, wie es hieß. Bereits seit dem Wochenende waren an mehreren Orten in Mecklenburg-Vorpommern Spendenbetrüger unterwegs, um aus dem Mitleid für Flutopfer Kapital zu schlagen. Die Polizei riet erneut, Geld nur auf bekannte Spendenkonten zu überweisen.

Wasser sickert durch die Deiche

Im Norden Deutschlands rollt derweil der Scheitelpunkt der Flut die Elbe entlang. In Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen blicken die Einsatzkräfte mit Sorge auf die stark belasteten Deiche. Im mecklenburg-vorpommerschen Dömitz sinkt das Hochwasser zwar minimal. Am Morgen wurden 7,17 Meter gemessen, 3 Zentimeter weniger als am Vorabend. Im weiter stromabwärts gelegenen Boizenburg stieg die Flut hingegen weiter von 7,30 auf 7,32 Meter. Normal sind in beiden Städten um die zwei Meter.

Die Gefahr von Deichbrüchen bleibe groß, betonte der Katastrophenabwehrstab des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Dort war am Dienstag ein Sommerhochwasser-Rekord gemessen worden, der über der sogenannten Bemessungsgrenze der Deiche lag. An vielen Stellen sickert Wasser durch die Deiche, sie könnten durchweichen. Laut dem Landrat des Kreises, Rolf Christiansen (SPD), sind die Stellen aber noch unproblematisch. Rund 3000 Kräfte sind an der Elbe im Einsatz. 100.000 Sandsäcke liegen zum Abdichten von Lecks bereit.

In Schleswig-Holstein blicken die Menschen gebannt auf den großen Fluss. Im von den Fluten bedrohten Ort Lauenburg sowie in Hitzacker in Niedersachsen will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Laufe des Tages über die Lage informieren. In Lauenburg stand das Wasser in Teilen der Stadt bis zu 30 Zentimeter hoch in den Straßen. Im Laufe des Tages wird der Fluss laut Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Pegel Hohnstorf einen Höchststand von 9,55 Metern erreichen.

Deiche könnten durchweichen

Auch Niedersachsen kämpft weiter gegen die Elbeflut. Die Einsatzkräfte müssen die Deiche gegen die Wassermassen verteidigen. Tausende von Helfern sind im Einsatz. Auch wenn die Pegel nicht weiter steigen, bedrohen doch schwimmende Bäume und Äste die Deiche und in Hitzacker auch die dünne Spundwand, die die Altstadt sichern soll. Rund 50 Tonnen Treibgut holten die Einsatzkräfte nach Angaben des Landkreises Lüchow-Dannenberg in den vergangenen Tagen aus der Elbe.

In Sachsen-Anhalt im Landkreis Stendal wurden am späten Dienstagabend rund 150 Menschen in Sicherheit gebracht. Grund war der gebrochene Deich bei Fischbeck, teilte der Krisenstab der Landesregierung mit. "Nach längeren Versuchen, den Ort zur retten, war dies nicht mehr möglich", sagte eine Sprecherin. Im Havelland wären sonst Helfer selbst in Gefahr geraten. Gleichzeitig wurde mit Erfolg ein rund 3,5 Kilometer langer Notdeich errichtet. "Die Lage sieht stabil aus", sagte ein Sprecher der Koordinierungsstelle Katastrophenmanagement. Der Notdeich werde wohl nicht unter Druck geraten. In Teilen des Bundeslandes haben bereits die Aufräumarbeiten begonnen.

Dabei geschah in Aken ein tragisches Unglück: Beim Auspumpen eines von der Flut überschwemmten Kellers starb ein 61-jähriger Mann. Er wurde durch einen Stromschlag getötet, teilte die Polizei in Halle mit. Den Stromschlag habe er bei Arbeiten an einer elektrischen Anlage bekommen. Seine Ehefrau erlitt einen Schock und kam ins Krankenhaus. In den vergangenen Tagen gab es im Zusammenhang mit dem Hochwasser in Deutschland bereits mehrere Tote, drei davon in Sachsen-Anhalt.

Rösler fordert Nachtragshaushalt

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler plädiert für einen Nachtragshaushalt des Bundes zur Finanzierung der Hochwasserschäden. "Wir, die FDP-Bundestagsfraktion, sind jedenfalls bereit, einen Nachtragshaushalt einzubringen, damit wir auch möglichst schnell die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen können, um zu helfen", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Steuererhöhungen wegen der hohen Flutschäden hält er dagegen nicht für nötig.

Der Minister und FDP-Chef geht davon aus, dass beim Gespräch von Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag im Kanzleramt über die Verteilung der Lasten für einen Hochwasser-Hilfsfonds gesprochen wird. Er schlägt eine hälftige Aufteilung auf Bund und Länder vor. "Das wäre ein faires Verfahren", sagte Rösler.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte ARD und ZDF auf, im Rahmen einer Spendengala Geld für die Flutopfer in Deutschland zu sammeln. Der "Bild"-Zeitung sagte Kauder: "ARD und ZDF sollten sich überlegen, ob sie nicht zur Linderung der Schäden durch die Flut eine extra Spenden-Gala veranstalten." Die Sendung könnte gut auf die Möglichkeiten zum Spenden hinweisen. Kauder erinnerte an die Erfahrungen mit der Flut von 2002. Damals sei eine solche Sendung ein voller Erfolg gewesen.

Die Ratingagentur Fitch schätzt die wirtschaftlichen Schäden durch die Überschwemmungen in Deutschland auf rund zwölf Milliarden Euro geschätzt. Auf die Versicherungsbranche kämen danach Kosten in Höhe von 2,5 bis drei Milliarden Euro zu - das ist erheblich mehr als die 1,8 Milliarden Euro bei der Flut an Elbe und Oder im Jahre 2002. Allein der italienische Versicherungskonzern Generali schätzt die Nettokosten durch die Hochwasserschäden auf 100 Millionen Euro.

ins/brü/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters