HOME

Indonesien: Mindestens 1000 Tote nach Beben

Nach dem enormen Erdbeben im Indischen Ozean gibt es auf der Insel Nias vor Sumatra eine ungeklärte Zahl an Toten. Tausende Menschen sind noch in der Inselhauptstadt Gunungstoli verschüttet - und Experten warnen schon vor dem nächsten schweren Beben.

Auch rund zwölf Stunden nach dem schweren Beben im Indischen Ozean haben Retter auf der Insel Nias vor Sumatra weiter Leichen aus den Trümmern geborgen. Der indonesische Vizepräsident Jusuf Kalla sagte dem britischen Sender BBC, es seien bis zu 2000 Todesopfer zu befürchten. 1000 Tote sind bislang offiziell bestätigt.

Dem Präsidenten des indonesischen Roten Kreuzes, Mar'ie Muhammad, zufolge gibt es bisher auf Nias 340 Tote. Etwa 10.000 Menschen seien obdachlos, Tausende sollen verschüttet sein. Über die Zahl der Verletzten lagen keine Informationen vor. Das Beben der Stärke von 8,7 auf der Richterskala ereignete sich Montagnacht in derselben Region, in der vor drei Monaten in Folge eines Bebens der Stärke 9,0 und Tsunamis mehr als 300.000 Menschen gestorben waren.

500 bis 1000 Häuser zerstört

Das Schicksal der Bewohner der vorgelagerten Inseln sei unklar, betonte Muhammad. Ein Rot-Kreuz-Team mit Medizinern und Rettungssanitätern sei nach Nias geflogen. Etwa 80 Prozent der mehrstöckigen Gebäude in der Inselhauptstadt Gunungstoli sind nach Kallas Angaben beschädigt. Nach amtlichen Angaben wurden etwa 500 Häuser, nach anderen unbestätigten Berichten sogar bis zu 1000 Häuser zerstört. Von den anderen Inseln westlich von Sumatra gibt es bisher keine Informationen über Schäden und mögliche Opfer. Wenige Minuten nach dem Seebeben war allerdings eine drei Meter hohe Flutwelle auf die Insel Simeuleu nahe der Provinz Aceh getroffen, wie ein indonesischer Militär mitteilte.

Beben führte zu Panik in der Region

Es war eines der acht stärksten weltweit seit 1900. Das schwere Beben vom 26. Dezember hatte eine Stärke von 9,0 und löste gewaltige Flutwellen aus, die über die Küsten der Region hereinbrachen und fast 300.000 Menschen in den Tod rissen. Sein Epizentrum hatte ganz in der Nähe des erneuten Seebebens gelegen. Die Erdstöße ereigneten sich gegen Mitternacht (18.09 Uhr MESZ) und führten zu Panik unter der Bevölkerung in Küstenteilen Indonesiens, Sri Lankas, Indiens, Thailands und Malaysias. Sirenen heulten und Tausende Menschen versuchten sich aus Angst vor Tsunamis in höher gelegen Gebiete in Sicherheit zu bringen. Doch auch mehrere Stunden nach dem Beben war keine Flutwelle in Sicht und Thailand, Sri Lanka und Indien hoben ihre Tsunami-Warnungen wieder auf. In Thailand flohen den Behörden zufolge 3000 bis 4000 Urlauber von den Stränden von Patong und Kamala auf der beliebten Ferieninsel Phuket.

Der Vize-Bürgermeister von Gunungsitoli, der größten Stadt auf Nias, berichtete ebenfalls von großer Panik. Etwa 10.000 der 27.000 Einwohner seien in höher gelegene Gebiete geflohen, sagte Agus Mendrofa. "Gunungsitoli ist wie eine Geisterstadt. Es herrscht sehr große Panik." Der Polizei zufolge sind bis zu 75 Prozent der Stadt zerstört. Viele Menschen seien noch unter den Trümmern eingeschlossen. "Das Erdbeben war sehr stark. Die Erde bebt immer noch", sagte der Vize-Polizeichef der Stadt. Die Sprecherin des Katastrophenschutzzentrums gab an, in Gunungsitoli seien 220 Menschen ums Leben gekommen. Die abgelegene Gebirgsinsel Nias gilt als Surferparadies.

"Am Epizentrum wurde kein großer Tsunami registriert", teilte das Pazifische Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii mit. Zunächst hatte das Zentrum gewarnt, das Beben könnte möglicherweise sehr zerstörerische Flutwellen auslösen. An den zu Australien gehörenden Cocos-Inseln südlich von Sumatra stieg der Wasserstand zunächst um zehn und um dann 25 Zentimeter, wie die meteorologische Behörde des Landes mitteilte. Bei dem Seebeben im Dezember sei das Wasser um 33 Zentimeter gestiegen.

Seismologen erklärten, die erneuten Erdstöße seien durch einen erhöhten geologischen Druck nach dem Beben vom 26. Dezember ausgelöst worden. Sie warnten vor einem dritten schweren Erdbeben in der Region, da der Druck nun weiter wachsen werde. Möglicherweise könnte sich ein erneutes Beben innerhalb der kommenden drei Monate ereignen.

Tsunami-Warnungen aufgehoben

Die Erschütterungen durch das erneute Beben waren außer in Indonesien auch in Malaysia, Singapur und selbst in Bangkok zu spüren gewesen. Aus diesen Ländern gab es aber bis zum Dienstmorgen keine Berichte über Opfer. An den Küsten Indonesiens wurde nach japanischen Informationen kein Tsunami registriert. Indien, Malaysia und Thailand haben ihre Tsunami-Warnungen inzwischen aufgehoben. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verschob unterdessen einen für Mittwoch vorgesehenen Besuch in Australien.

Nach dem Tsunami im Dezember 2004 werden noch immer 128.000 Menschen vermisst. Darunter 449 Deutsche - die bisherige Bilanz der Flutwelle in Südostasien

Rund 300.000 Menschen haben durch das schwere Erdbeben und die dadurch ausgelöste Flutwelle am 26. Dezember 2004 ihr Leben verloren. Das Erdbeben am zweiten Weihnachtstag hatte eine Stärke von 9,0 auf der Richterskala, das Epizentrum lag vor der Küste Sumatras. Weite Abschnitte der Küsten mehrerer Länder rund um den Indischen Ozean wurden verwüstet - darunter auch beliebte Ferienregionen. Selbst in Afrika gab es Überflutungen.

Am schwersten getroffen war aber die indonesische Provinz Aceh im Norden Sumatras, wo mehr als 114.000 Leichen geborgen wurden. Dort gelten noch immer fast 128.000 Menschen als vermisst. In Sri Lanka wurden durch die Naturkatastrophe mehr als 38.000 Menschen getötet. In Indien gehen die Behörden von knapp 11.000 Toten aus. In Thailand registrierten die Experten inzwischen mehr als 5300 Todesfälle.

Nach den letzten Angaben des Auswärtigen Amtes sind bislang 198 tote Deutsche identifiziert. 449 Deutsche gelten als vermisst.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters