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Kämpfe trotz Hungersnot in Somalia: Den Hilfspaketen den Weg freischießen

Hoffnung für die Hungernden in Somalia. Die Luftbrücke steht. Elf Millionen Menschen in Ostafrika ersehnen das Nötigste zum Überleben. In der Hauptstadt Mogadischu wurde derweil weiter gekämpft.

Nur einen Tag nach dem Start einer Luftbrücke für Hungernde in Somalia sind bei Kämpfen in der Hauptstadt Mogadischu fast 30 Zivilisten verletzt worden. Truppen der Afrikanischen Union übernahmen dort am Donnerstag mehrere bisher von der radikalislamischen Shebab-Miliz gehaltene Verkehrspunkte, um Hilfsorganisation nach eigenen Angaben die Versorgung von notleidenden Menschen zu erleichtern. Daraufhin kam es zu heftigen Gefechten.

Die Kämpfe mit Maschinengewehren und Artillerie begannen, nachdem Soldaten der Afrikanischen Union unterstützt von Panzern am Morgen eine Frontlinie zwischen einem von der Shebab-Miliz und einem von der Übergangsregierung kontrollierten Gebiet angriffen. In Mogadischu sind seit 2007 rund 9000 Truppen aus Uganda und Burundi stationiert, um die schwache Übergangsregierung zu unterstützen. Diese hat nur eine Hälfte der Stadt unter ihrer Kontrolle.

Drei Positionen in der Stadt seien mit einem "begrenzten und zielgenauen" Einsatz erobert worden, teilte ein Sprecher der AU-Truppe in Somalia mit. Ziel sei es gewesen sicherzustellen, "dass Hilfsorganisationen weiter arbeiten und Binnenflüchtlinge mit lebensnotwendigen Lieferungen versorgen können". Nach Angaben von Ärzten wurden bei den Gefechten mindestens 27 Zivilisten verletzt.

Die Kämpfe in Mogadischu hätten "große Auswirkungen" auf die Arbeit der UNO am Flughafen, sagte WFP-Sprecher David Orr. Auch die Mitarbeiter von Partnerorganisationen, die die Hilfsgüter verteilen, könnten betroffen sein. Er hoffe jedoch, dass der Hilfseinsatz "wie geplant" fortgesetzt werden könne.

Somalia ist das am schlimmsten von der Hungerkrise am Horn von Afrika betroffene Land. Dramatisch ist die Lage besonders im Süden, den das WFP Anfang 2010 auf Druck der Shebab-Miliz verlassen musste. Der deutsche WFP-Leiter Ralf Südhoff zeigte sich optimistisch, dass die Hilfsgüter der am Mittwoch aufgenommenen Luftbrücke auch nach Südsomalia gebracht werden können. Unter den Milizen gebe es "Fraktionen", die bereits Helfer in ihren Machtbereich ließen, sagte er dem SWR.

Durch die schwerste Dürre seit sechs Jahrzehnten sind am Horn von Afrika bereits zehntausende Menschen gestorben. In Somalia, Kenia, Äthiopien, Dschibuti, im Sudan und in Uganda sind derzeit zwölf Millionen Menschen von Hunger bedroht. Das streng von der Außenwelt abgeschottete Eritrea ist nach Angaben seiner Regierung von der Dürre nicht betroffen. In Kenia, das nach Somalia das am zweitstärksten betroffene Land ist, gibt es nach Angaben der dortigen Behörden bisher noch keine Toten infolge von Hunger.

AFP / AFP