Der gestrandete Buckelwal liegt noch immer in der Kuhle vor der Insel Poel. Diese wurde geschaffen, weil das Tier aufgrund des niedrigen Wasserstandes der vergangenen Tage von seinem eigenen Gewicht erdrückt zu werden drohte.
In eine Art stählernes Aquarium gesperrt, soll der Wal bis in die Nordsee oder gar bis in den Atlantik geschleppt werden. Dieses neue Konzept der privaten Initiative für einen Transport des Tiers werde laut Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus „geduldet“ – die Verantwortung liege weiterhin bei der Initiative. Nach Eindruck der beteiligten Kleintierärztinnen sei das Tier transportfähig.
Wal liegt in Seitenbucht bei Poel fest
Das von Fachleuten bereits aufgegebene und mutmaßlich schwer kranke Tier war seit Anfang März vor der Ostseeküste umhergeirrt und dabei wiederholt gestrandet. Seit dem 31. März liegt es in einer Seitenbucht bei Poel vor Wismar fest.
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Planänderung: Gurt statt Plane und vorwärts statt rückwärts
Mithilfe eines Gurtes soll der Wal laut der neuesten Planung in eine Art Lastkahn, eine sogenannte Barge, gezogen werden, die ihn bis zur Nordsee bringen soll. Dieser absenkbare Lastkahn ohne eigenen Antrieb war eigens aus der Elbe kommend durch den Nord-Ostsee-Kanal geholt worden und erreichte laut Schiffortungsdiensten am Montagnachmittag den Hafen von Wismar, wo weitere Vorbereitungen an ihm vorgenommen werden sollten.
Ursprünglich war geplant gewesen, den Wal rückwärts mithilfe einer Plane in den Lastkahn zu bewegen. Dieser Plan wurde nun verworfen. Tierärzte und Experten hätten sich dagegen ausgesprochen, sagt die beteiligte Kleintierärztin Kirsten Tönnies. Stattdessen soll der Wal nun vorwärts mittels des breiten, flexiblen Gurtes in die Barge gelenkt werden. „Das wird so sein, dass der praktisch unter seiner Brust langläuft, sich ja einmal hinten um die Flipper überschlägt, und darüber ziehen wir ihn.“ Flipper sind die Brustflossen bei Walen.
Ob der Gurt tatsächlich wie geplant eingesetzt werden kann, ist unterdessen noch offen. „Trotz mehrfacher Nachfragen sind zu dem Gurteinsatz bislang keine Unterlagen von der Initiative eingereicht worden bei unseren Veterinären“, sagt ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums auf Nachfrage der Nachrichtenagentur DPA. Das Ministerium hatte in der Vergangenheit betont, dass es bei der Abstimmung entsprechender Maßnahmen nicht um Genehmigungen, sondern die Frage der Duldung gehe.
„Das wird so sein, dass der praktisch unter seiner Brust langläuft, sich ja einmal hinten um die Flipper überschlägt, und darüber ziehen wir ihn“Tierärztin Kirsten Tönnies über das Anbringen eines Transportgurtes am Wal
Was ist, wenn die Rettung morgen schiefgeht?
„Mittlerweile haben alle bei uns zwei Wochen Urlaub genommen“, so Bartelt. Alle opferten sich für den Wal auf. „Wir sind im Wechsel mit 15 bis 30 Einsatzkräften hier vor Ort“, ergänzt er. Neben der Absicherung auf dem Wasser kümmerte sich die DLRG am Montag laut Bartelt unter anderem auch darum, Bojen auszubringen, um die Fahrrinne für die Barge zu markieren. „Wir arbeiten hier sehr lange und sehr viel“, fasst er zusammen.
Tierärztin Kirsten Tönnies wiederum äußerte sich zunächst nicht zu möglichen Alternativplanungen der Initiative bei einem Scheitern des Rettungsversuchs mit dem Lastkahn am Dienstag. „Wir werden das hinkriegen“, betont sie.
Ein von Experten im Auftrag der Regierung von Mecklenburg-Vorpommern erstelltes wissenschaftliches Gutachten kam bereits vor fast einem Monat zu dem Ergebnis, dass der mutmaßlich kranke oder anderweitig massiv beeinträchtigte Wal nicht mehr überlebensfähig ist und sterben wird. Mehrfachstrandungen etwa gelten als sicheres Anzeichen dafür.
Spektakulärer Wal-Rettungsversuch: Endlich steht der Zeitplan fest
Laut Bartels sind die Einsatzkräfte ab 07.00 Uhr vor Ort. Der Rest hänge davon ab, dass alles zusammenpasse und Walexperten sowie Veterinäre ihr „Go” gäben. Es handle sich schließlich um ein Wildtier, fügte er hinzu. „Im Laufe des Vormittags soll der Rettungsversuch starten.“
Der Schleppverband mit der Spezialschute traf am Montagnachmittag im Wismarer Hafen ein, es waren noch einige vorbereitende Arbeiten nötig. Im Innern soll das Tier schwimmend transportiert werden.
„Im Laufe des Vormittags soll der Rettungsversuch starten“DLRG-Einsatzleiter Olliver Bartelt
Entweder werde dafür ein Gurtsystem genutzt oder das Gerät wird in der Haut des Wals befestigt.
Ab morgen früh 7.00 Uhr gehe dann die Rettungsarbeit für die DLRG weiter. Spätestens Mittwoch werde sich die DLRG von vor Ort verabschieden müssen, um wieder anderer Arbeit nachzugehen, ergänzt Bartelt.
Wal geht es schlechter – Tierärztin macht sich Sorgen
Die Tierärztin Kirsten Tönnies erklärt soeben in einem Statement, dass der Wal langsam abbaue. Trotzdem seien er noch transportfähig. Die Rettung müsse nun aber zügig beginnen.
Sollte der Wal in der Ostsee gerettet werden?
Dreieinhalb Tage bis nach Nord-Dänemark: Wal-Route steht fest
Sie soll durch eine zuvor geschaffene Rinne mit der Ladeöffnung an den Wal herangeführt werden. Unter den Wal soll demnach eine durch ein Netz gehaltene Plane geführt werden. „Es bildet sich erst ein U um den Wal herum, sodass er sich quasi erst mal nach rechts und links nicht wirklich mehr drehen kann. Und dann ziehen wir die Front einmal hoch, damit sich so eine Art Lippe bildet.“ Das solle den Wal daran hindern, nach vorn wegzuschwimmen.
Dreieinhalb Tage bis nach Nord-Dänemark
Von einem Schiff gezogen soll die Barge samt Wal Fehmarn passieren und bis nach Skagen zum Eingang der Nordsee gebracht werden. Dafür seien dreieinhalb Tage geplant. „Dann werden wir schlussendlich den Zustand des Tieres nochmal bewerten, schauen, wie die Reise überstanden wurde.“ Bohnsack selbst werde das Tier auf der Reise begleiten. Laut Plan sollten aber auch Veterinäre beziehungsweise Wal-Experten mitfahren.
„Es ist dahingehend auch wichtig, dass immer ein konstanter, gesunder Wasseraustausch für das Tier da ist, dass es nicht im selben Wasser schwebt, mit dem wir es hier eingeladen haben“Felix Bohnsack, technischer Leiter der privaten Initiative für den Wal-Transport