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Loveparade-Tragödie von Duisburg Sauerland denkt nicht an Rücktritt


Immer neue Vorwürfe, Rücktrittsforderungen und gar Morddrohungen - der Druck auf Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wegen des Todesdramas bei der Loveparade wächst fast stündlich. Doch der CDU-Politiker gibt sich kämpferisch, will von Fehlern nichts wissen.

Für die 20 Todesopfer der Massenpanik bei der Loveparade wird es am Samstag eine Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche geben. Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel nehmen daran teil, aber nicht der massiv in der Kritik stehende Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Er wolle "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren", sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung der "Rheinischen Post".

In Polizeikreisen hieß es dem Bericht zufolge, auch Sicherheitsbedenken hätten zu der Entscheidung geführt. Gegen Sauerland seien Morddrohungen ausgesprochen worden. Für Donnerstag um 9.30 Uhr rufen Technofans laut WDR zu einer Demonstration gegen Sauerland auf.

"Ich muss das durchhalten"

Trotz des stetig wachsenden Drucks denkt der Duisburger Oberbürgermeister nicht an Rücktritt. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 20 Todesopfer verantwortlich gemacht, sagte er im Gespräch mit den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. Wenn er sich so verhalten würde, wäre das quasi wie ein Eingeständnis, den Tod der 20 Menschen verursacht zu haben.

"Ich muss das durchhalten", sagte Sauerland in dem Interview. Er werde nachweisen, keine Fehler begangen zu haben. Der Duisburger Verwaltungschef machte - wie bereits vor ihm Loveparade-Veranstalter Lopavent - das Fehlverhalten der Polizei für die Katastrophe am Tunnel verantwortlich.

Die konterte. So forderte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, Sauerland im "Handelsblatt" zum Rücktritt auf. Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtete, dass der Oberbürgermeister spätestens vier Wochen vor dem Unglück über das Sicherheitskonzept informiert war. Das gehe aus einem Sitzungsprotokoll hervor, auf dem handschriftlich das Kürzel Sauerlands vermerkt sei. Das Bauordnungsamt habe massive Bedenken gegen das Sicherheitskonzept erhoben, sich aber nicht durchsetzen können.

"Mir sind keine Warnungen bekannt", hatte Sauerland der "Rheinischen Post" gesagt. Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" hatte der Direktor der Duisburger Berufsfeuerwehr bereits im Oktober 2009 Sauerland schriftlich gewarnt, der alte Güterbahnhof sei für die zu erwartenden Besuchermassen zu klein.

Zu wenig private Ordner?

Das Innenministerium macht unterdessen dem Veranstalter den Vorwurf, weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt zu haben als angekündigt. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Demnach hat Innenminister Ralf Jäger (SPD) dem Kabinett mitgeteilt, der Veranstalter habe in seinem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und der Zugangstunnel versprochen. Tatsächlich seien dann aber offenbar viel weniger Ordner eingesetzt worden. Außerdem habe der Veranstalter Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.

Der Loveparade-Organisator Rainer Schaller hatte der Polizei-Einsatzleitung vorgeworfen, die Anweisung zur Öffnung aller Schleusen vor einem der Tunneleingänge gegeben zu haben. Dadurch sei der Hauptstrom der Besucher unkontrolliert in den Tunnel gelangt. Die Deutsche Polizeigewerkschaft nannte die Anschuldigungen eine "Frechheit". Damit wolle der Veranstalter nur von der eigenen Verantwortung ablenken, sagte Wendt.

Zerquetscht, nicht zu Tode gestürzt

Zu Medienberichten, wonach die Loveparade erst am Samstagmorgen um 9 Uhr von Sauerland genehmigt worden sei, wollte die Pressestelle der Stadt mit Hinweis auf die Ermittlungen nicht Stellung nehmen. Gegen 17.30 Uhr war es zur Massenpanik gekommen, bei der 20 Menschen erdrückt und 510 verletzt wurden. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte, alle Opfer seien an Brustquetschungen gestorben, nicht an der Folge von Stürzen.

Am Dienstag gedachte die nordrhein-westfälische Landesregierung mit einer Schweigeminute der Toten. Kraft und die Minister trugen sich in ein Kondolenzbuch ein. Auch in Kondolenzbüchern im Duisburger Rathaus und an der Unglücksstelle bekundeten zahlreiche Menschen ihre Trauer und ihr Mitgefühl mit den Opfern und deren Angehörigen.

Den ökumenischen Gottesdienst am Samstag werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, halten. Die ARD plant eine Live-Übertragung. In der Stadt sollen Großbildleinwände aufgestellt werden.

joe/DPA/APN DPA

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