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Monstersturm zu Wochenbeginn: Unwetter pustet britische Büros leer

Die Arbeitswoche vieler Briten beginnt mit einem Monstersturm: Pendlerzüge fahren nicht, das Unwetter sollte ausgerechnet genau zur Rushhour zuschlagen. Auch in Deutschland wird es ungemütlicher.

Über den Süden Großbritanniens wirbelt seit der vergangenen Nacht der heftigste Herbststurm seit Jahren - und bringt die Verkehrsbehinderungen völlig durcheinander. Seine größten Ausmaße werde das Unwetter ausgerechnet zur morgendlichen Rush-Hour erreichen, meldet die "Times". Unzählige Pendler wissen nicht, ob und wie sie zur Arbeit kommen, denn etliche Zugverbindungen wurden gestrichen oder sind verspätet.

Betroffen war auch die Millionenmetropole London. "Wenn wir bis Dienstag wieder einen ordentlichen Service hinbekommen, bin ich ganz froh", sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft Network Rail. Betroffen waren nach Angaben der Fluggesellschaft Easyjet auch die Verbindung zu den Londoner Flughäfen Gatwick, Stansted, Luton und Southend.

130 Flüge in Heathrow fallen aus

Am größten Airport Europas, London-Heathrow, wurden allein 130 Flüge gestrichen, sagte ein Sprecher des Flughafens. Auch Verbindungen von und nach Deutschland sind betroffen. Rund 7000 Haushalte in Großbritannien sind laut "Times" ohne Strom. Der Grund waren Bäume, die auf Stromleitungen gestürzt waren. Auch viele Straßen waren unpassierbar, weil entwurzelte Bäume quer lagen.

Auch in den Nachbarländern richtete der Sturm Schäden an. Im Nordwesten Frankreichs waren am Morgen mehr als 30.000 Haushalte ohne Elektrizität. An der deutschen Nordseeküste wurden ebenfalls orkanartige Böen erwartet. Der Wind fegte mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde über die britischen Inseln, wie die Wetterdienste berichteten. Ein 14 Jahre alter Junge wird vermisst - vermutlich wurde er an der Küste von East Sussex ins Meer gespült.

Dieser Bus in Islington, Nord-London, fährt noch. Bei den Pendlerzügen hatten viele Briten heute früh kein Glück-

Dieser Bus in Islington, Nord-London, fährt noch. Bei den Pendlerzügen hatten viele Briten heute früh kein Glück-

Fähren im Ärmelkanal fahren nicht

Die Fährverbindungen über den Ärmelkanal wurden unterbrochen. Von den Häfen in Dover und Calais legten seit dem Morgen keine Fähren mehr ab, teilten die französischen Behörden mit. Der Fährverkehr sollte erst wieder aufgenommen werden, wenn Wellengang und Wind nachgelassen haben.

Zwei Fähren der Reederei P&O mit mehr als 400 Menschen an Bord hingen vor Dover auf dem Ärmelkanal fest, weil sie nicht in den Hafen einlaufen konnten, wie die Hafenverwaltung von Calais mitteilte. Die Situation sei aber vollständig unter Kontrolle. Der Betrieb des Eurostar-Zugs, der unter dem Ärmelkanal verkehrt, wurde am Morgen wieder aufgenommen.

Schon am Wochenende hatte es geheißen, dies werde womöglich der schwerste Sturm in Großbritannien seit zehn Jahren werden. Der meteorologische Dienst Met Office warnte, dass sich seit Sonntagabend heftiger Regen über den Süden Englands ergieße. Er könne sechs bis neun Stunden andauern. Bei Niederschlägen von 20 bis 40 Millimeter drohten teilweise Überschwemmungen. Es wurde die zweithöchste Alarmstufe ausgelöst und die Bevölkerung wurde aufgerufen, am Vormittag das Haus soweit nicht unbedingt notwendig nicht zu verlassen.

Orkan an Nordseeküste erwartet

Auf der Insel Ouessant vor der Küste der Bretagne wurden vom Wetterdienst Windgeschwindigkeiten von 133 Kilometer die Stunde gemessen. Auch an der deutschen Nordseeküste wurde mit orkanartigen Böen und Orkanböen gerechnet. Der Deutsche Wetterdienst gab für den ganzen Montag für Niedersachsen und Schleswig-Holstein eine Unwetterwarnung aus und warnte vor umstürzenden Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Störungen im Schienen- und Straßenverkehr. Auf den nordfriesischen Inseln ist demnach sogar mit extremen Orkanböen um die 140 Stundenkilometer zu rechnen. Laut dem Met Office gab es zuletzt 2002 einen derart schweres Unwetter in Großbritannien. Eine Wiederholung des "Großen Sturms" von 1987, als 15 Millionen Bäume umstürzten und 18 Menschen ums Leben kamen, wurde aber nicht erwartet.

anb/AFP/DPA / DPA