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Pakistan: Regen verzögert Hilfe im Erdbebengebiet

Die Zahl der Todesopfer nach dem verheerenden Erdbeben in Südasien steigt weiter. Starke Unwetter mit heftigen Regenschauern behindern die Rettungsarbeiten stark.

Armee-Sprecher Generalmajor Shaukat Sultan fürchtet, dass sich die Zahl weiter erhöht, sobald die Trümmer in den am härtesten betroffenen Gebieten weggeräumt seien. Helfer vor Ort gehen mittlerweile von 50.000 Toten aus. Unterdessen haben am Samstag drei Nachbeben der Stärke 5 bis 5,5 im indischen Teil von Kaschmir für Panik unter der Bevölkerung gesorgt. Nach unbestätigten Angaben fanden dabei vier Menschen den Tod, als ein Gebäude einstürzte, das bereits bei dem Beben am 8. Oktober beschädigt worden war.

Zu den Todesopfern in Pakistan gehören offiziellen Angaben zufolge tausende Kinder. Und tausende Kinder seien zu Waisen geworden. Etliche von denen, die ihre Eltern verloren haben, traumatisiert und zum Teil schwer verletzt sind, wurden ins Institut für Medizinische Wissenschaften nach Islamabad gebracht. Eines der Kinder ist die siebenjährige Yasmin. Ihr wurde ein Arm amputiert, ihr Kopf ist stark bandagiert, und sie wartet auf ihre Mutter, die sie nach Hause holen soll - doch sie hat den Namen ihrer Eltern und ihres Dorfes vergessen. "Aber ich würde mein Dorf wiedererkennen. Dort gibt es viele Büffel und viele Menschen", sagt sie.

Große Bereitschaft zur Adoption

Unterdessen gibt es eine starke Bereitschaft von Privatpersonen und politischen Parteien einschließlich der islamistischen Jamaat-e-Islami-Gruppe (JI), Kinder zu adoptieren, die durch das Beben zu Waisen wurden. "Wir wollen das nicht den fremden Missionaren und den nicht-staatlichen Organisationen überlassen und selbst die Verantwortung für diese Kinder übernehmen", sagte der JI-Vorsitzende Niamat Khan. Aber die Regierung will zum jetzigen Zeitpunkt keine Adoptionen zulassen, weil sie die Gefahr von Kinderhandel fürchtet.

Schlechtes Wetter und plötzlicher, heftiger Regen haben die Rettungsarbeiten stark behindert. Tausende verzweifelte Menschen warten in den abgelegenen Gebieten auf die dringend benötigte Hilfe. Der private Sender Geo TV berichtete, Schlammlawinen blockierten die Straßen in den Außenbezirken der stark zerstörten Region um Balakot, etwa 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad. Meteorologen sagten voraus, dass der stake Regen noch 24 Stunden andauern werde. Danach komme ein eiskalter Wind.

Wiederaufbau wird dauern

Der Beauftragte der Vereinten Nationen (UN) für Nothilfe, Jan Egeland, sagte, das Ausmaß der Zerstörung sei "größer als das bei dem Tsunami in Indonesien". Der Wiederaufbau werde Milliarden von Dollar verschlingen und fünf bis zehn Jahre dauern. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben den Bau eines 200-Betten-Krankenhauses in Muzaffarabad bis Februar 2006 angekündigt.

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen (UN) hat seine Verteilung von Nahrungsmitteln inzwischen auch auf entlegene Bergdörfer in Pakistan ausgeweitet. Die Hilfslieferungen würden jedoch durch die beschädigten Straßen und Erdrutsche behindert, teilte das WFP am Samstag in Berlin mit. "Wir sind Richtung Süden gefahren, aber nach zehn Kilometern gab es keine Straße mehr. Die Straßendecke sah aus wie eine Treppe. Wir haben die Dorfbewohner benachrichtigt, und sie haben sich die Nahrung zu Fuß abgeholt", sagte WFP-Mitarbeiterin Mia Turner.

Trotz der Häufung von Naturkatastrophen in diesem Jahr ist die Spendenbereitschaft in Deutschland weiterhin hoch. Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Berlin gingen bis Ende der Woche mehr als 650.000 Euro Spenden für die Erdbebenopfer in Kaschmir ein. "Wir hatten bereits fünf große Naturkatastrophen in diesem Jahr, dafür ist diese Summe hoch", sagte Sprecherin Margitta Zimmermann.

DPA/Reuters / DPA / Reuters