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Sechs tote Deutsche: "Auf furchtbare Weise Leben ausgelöscht" – Trauer nach Unfall in Südtirol, Fahrer in U-Haft

In Italien und Deutschland herrscht Trauer nach dem Tod mehrerer junger Urlauber in Südtirol. Die Behörden ermitteln, auch zur Geschwindigkeit des Unfallfahrers.

Armin Laschet wird interviewt

Der Unfallfahrer, der in Südtirol sechs junge Deutsche getötet hat, wird aus dem Krankenhaus in Bruneck nach Bozen in die Untersuchungshaft verlegt. Das sagte ein Polizeisprecher auf stern-Anfrage. Polizei und Staatsanwaltschaft in Südtirol ermitteln weiter zu den Umständen der tödlichen Alkoholfahrt im Wintersportort Luttach vom Sonntag.

Der Wagen des 27-Jährigen war in der Nacht zum Sonntag in Luttach in die Touristengruppe gerast. Die Opfer im Alter um die 20 Jahre – drei Männer und drei Frauen – starben nach Polizeiangaben noch am Unfallort. Elf Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Einer von ihnen kämpfte im Krankenhaus in Innsbruck in Österreich ums Überleben.

Die Ermittler machten die Identität der Toten bis zum Montag noch nicht offiziell bekannt. Die Leichen waren nach italienischen Behördenangaben ins Krankenhaus nach Bruneck gebracht worden. Für die Identifizierung sei auch die Mithilfe von Angehörigen nötig, die um Anreise gebeten wurden.

Trauer um Unfalltote von Südtirol

Nach der Alkoholfahrt des Südtirolers gab es viele Trauerbekundungen in Deutschland und Italien. Das Lokal in Steinhaus, wo die Reisegruppe zuletzt gefeiert hatte, kündigte an, die Disco bleibe am Abend danach geschlossen.

Zwei Personen sichern Unfallort ab, dort sind Trauer-Kerzen abgelegt

Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte übermittelte den Angehörigen in einer Erklärung sein Beileid. In Luttach kamen bis spät Menschen an den Unglücksort und stellten Grablichter auf.

Der Reiseveranstalter Semesterende Skireisen als Teil der Outdoor Travelers GmbH aus Aachen äußerte sich im Internet bestürzt, dass sich der schreckliche Unfall bei einer seiner Touren ereignet hatte. "Alle unsere Kräfte, Gedanken und Gebete sind bei den Opfern und ihren Familien und Freunden", hieß es in einer Mitteilung.

Der Reiseveranstalter sprach den Angehörigen sein Beileid aus

Der Reiseveranstalter sprach den Angehörigen sein Beileid aus

Kanzlerin Angela Merkel erklärte über ihren Sprecher: "Ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet. Ich trauere mit allen, die dort heute Nacht Kinder, Geschwister, Freunde verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und baldige Genesung."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bekundete den Familien sein Beileid: "Der Unfall in Südtirol hat auf furchtbare Weise das Leben von sechs jungen Menschen ausgelöscht, die unbeschwerte Urlaubstage verbringen wollten." 

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet äußerte sich "fassungslos und unendlich traurig". "Dies jungen Menschen wollten gemeinsam eine gute Zeit erleben – und wurden von einer Sekunde auf die andere aus dem Leben gerissen oder schwer verletzt", schrieb der Düsseldorfer Regierungschef bei Twitter.

Vier der Toten stammen aus Nordrhein-Westfalen, einer wohnte in Hamburg und der sechste in Niedersachsen. Unter den Verletzten sind zwei Südtiroler, die übrigen stammen aus Deutschland.

Südtirol: Auto rast in deutsche Reisegruppe – Luttach trauert um sechs Tote

Raserei und Trunkenheit als Ursachen?

Der Fahrer des PS-starken Sportwagens war stark betrunken. Ein Polizeisprecher in Bozen sagte, ein Test habe mehr als 1,9 Promille ergeben. Der Mann stand unter Schock und wurde festgenommen. Weitere Angaben zum Fahrer, der in ein Krankenhaus kam, machte die Polizei in Bozen nicht. Ihm wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Italienische Medien hatten berichtet, der Mann aus der Region habe gesagt, sich umbringen zu wollen, als er von der hohen Zahl der Toten erfahren habe, und sei in die Psychiatrie eingeliefert worden. Die Polizeisprecher wollte dies aus Gründen des Patiendatenschutzes im Gespräch mit dem stern weder bestätigen noch dementieren. Dem Unfallfahrer drohen zwischen acht und zwölf Jahren Haft, womöglich sogar mehr.

Die jungen Urlauber befanden sich in dem Wintersportort Luttach auf dem Heimweg von ihrem Discobesuch, als es zu dem Unglück kam. Gegen 1.15 Uhr nachts stiegen sie aus einem Shuttlebus und überquerten auf dem Weg zur Unterkunft die Hauptstraße. Ein Augenzeuge sagte, der Wagen des Unfallverursachers sei viel zu schnell gewesen. Die Behörden ermitteln weiter, wie hoch die Geschwindigkeit war. An der Unfallstelle sind höchstens 50 Kilometer pro Stunde erlaubt. In Luttach gab es nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA seit Längerem Klagen über Autos, die auf der Hauptstraße rasen und über mangelnde Kontrollen.

Laut Polizei waren die Toten 19, 20 und 22 Jahre alt. Die Feuerwehr gab die Altersspanne am Sonntag mit 20 bis 25 Jahren an.

Luttach ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, das etwa 1100 Einwohner hat. Der Ort ist bekannt bei deutschen Jugendgruppen, die zum Skifahren kommen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde nach der Verlegung des Unfallfahrers ins Gefängnis aktualisiert. Gleichzeitig wurden Angaben zu einem angeblichen Psychiatrie-Aufenthaltes des 27-Jährigen präzisiert.

wue / DPA