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Wut am Golf von Mexiko: Louisianas Touristenparadiese ersticken in Öl

Grand Isle hatte einen kilometerlangen Traumstrand - bis zu diesem Wochenende. Jetzt ist der weiße Sand des schicken Resorts in Louisiana von schmierigen Ölklumpen bedeckt. Vier Wochen nach dem Unfall auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko haben die ausströmenden Ölmassen das Touristenparadies erreicht.

Grand Isle hatte einen kilometerlangen Traumstrand - bis zu diesem Wochenende. Jetzt ist der weiße Sand des schicken Resorts in Louisiana von schmierigen Ölklumpen bedeckt. Vier Wochen nach dem Unfall auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko haben die ausströmenden Ölmassen das Touristenparadies erreicht. "Das ist erst der Anfang", sagt die Anwohnerin Lana Downing erbost. "Gestern war es ein bisschen Öl und jetzt ist es überall." Der Lebensunterhalt von Zehntausenden ist in Gefahr.

Riesige Ölschlieren treiben im Meer. Die 69-jährige Downing muss mit ihren beiden Enkeltöchtern kehrtmachen - eigentlich wollten sie baden. Doch Grand Isle musste seinen Strand erstmal sperren. Der Energiekonzern BP, der die Bohrinsel betrieb und zusehends im Kreuzfeuer der Kritik steht, organisiert Freiwillige. Mit Spaten und Plastiktüten machen sie sich über die Ölklumpen her in der Hoffnung, den einst beliebten Strand reinigen zu können. Das Unterfangen scheint aussichtslos.

"Als wir um 6.00 Uhr morgens angefangen haben, war alles schmutzig", erzählt Eric Thomson in Elmers Island, einige Kilometer südlich von Grand Isle. "Wir haben alles gesäubert und sind zum Mittagessen gegangen", sagt der Mann mit weißem Bauarbeiterhelm und einer dunklen Sonnenbrille. "Als wir wiederkamen, war das Öl überall, wir mussten wieder von vorne anfangen."

Und so sucht BP weiter verzweifelt nach Helfern. "Gesucht zur schnellstmöglichen Einstellung, zehn Fischerboote mit Kapitän und Mannschaft zum Ausbringen von Schwimmbarrieren, außerdem 30 Menschen zum Reinigen der Strände", heißt es auf einem Schild am Eingang zur BP-Kommandozentrale, die nach dem Unfall eingerichtet wurde. Doch die Reaktion ist schleppend. "BP nimmt alles, was hier passiert, sehr ernst, wir tun unser Möglichstes, um auf die Situation zu reagieren", sagt eine Sprecherin, die die wenigen Freiwilligen vor einer kurzen Einführung begrüßt.

Ein schwacher Trost für die Fischer und all die kleinen Betriebe, deren Überleben jetzt in Gefahr ist. "Wir tun alles, was wir können, um den Fischern, den kleinen Betrieben und allen Gemeinden zu helfen, die von ihnen abhängen", sagte Präsident Barack Obama in seiner wöchentlichen Hörfunkgansprache am Samstag.

Die einzige Aussicht scheint derzeit eine Entschädigung durch den Energiekonzern BP, der den Schwarzen Peter seit Beginn der Krise nicht loswird. In den Fast-Food-Restaurants von Grand Isle laufen bereits Werbesendungen, die den Anwohnern Anwälte empfehlen. Diese sollen für die Betroffenen Entschädigungszahlungen durchsetzen. "Verlangen Sie das Geld zurück, das man ihnen schuldig ist", heißt es darin.

Stephane Jourdain, APN / APN