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Zwei Tote bei Hausbrand: Polizei ermittelt "in alle Richtungen"

Zwei Menschen sterben bei einem Brand in einem Kölner Mehrfamilienhaus. Brisant: Das Feuer entstand vermutlich im Flur des Gebäudes, in dem viele Menschen mit türkische Wurzeln leben.

Zwei Menschen sind bei einem Brand in einem Kölner Mehrfamilienhaus ums Leben gekommen. Die Feuerwehr fand die Leichen des 30-jährigen Mannes und der wahrscheinlich 19-jährigen Frau im verqualmten Hausflur. 13 Menschen wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht, wie die Polizei am Ostersonntag mitteilte. Das Feuer war schnell gelöscht. Die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen auf.

Das Feuer war am Samstagabend in dem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Höhenberg ausgebrochen. Im Eingangsbereich des Hauses fanden die Ermittler Reste eines Kinderwagens. Dort könnte der Brand nach ersten Erkenntnissen entstanden sein. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen wurde bisher kein Brandbeschleuniger gefunden. Unter den verletzten Opfern seien viele Menschen mit türkischen Wurzeln. Die Polizei ermittle "in alle Richtungen". Zunächst würden alle Aspekte des Brandgeschehens gesammelt, sagte ein Polizeisprecher. Am Nachmittag wurde der türkische Honorarkonsul am Brandort erwartet.

Der Mann, der bei dem Brand ums Leben kam, war den Angaben zufolge bei der jungen Frau zu Besuch gewesen. Beide wollten wohl durch das verqualmte Treppenhaus nach draußen flüchten. "Sie haben es nicht mehr geschafft", sagte ein Polizeisprecher. Die Frau sei noch nicht mit letzter Sicherheit identifiziert.

Giftiger Qualm im Treppenhaus

Die Rettungskräfte fuhren am späten Samstagabend mit einem Großaufgebot zu dem Einsatz im Stadtteil Höhenberg. Beim Eintreffen der Feuerwehr schrien Menschen an den Fenstern um Hilfe. Dichter Qualm im Treppenhaus machte die Flucht unmöglich. Die Helfer holten Bewohner über Drehleitern aus dem Haus, gleichzeitig suchten zwei Trupps unter Atemschutz den Hausflur nach Opfern ab. Dabei fanden sie die beiden Toten.

26 Verletzte wurden in einem Rettungsbus von Notärzten untersucht und versorgt. 13 Menschen wurden in Krankenhäuser gebracht. Insgesamt sollen über 30 Bewohner in den Haus gelebt haben. Die Überlebenden kamen bei Verwandten und Bekannten unter.

"Warum brennen nur Häuser von Türken?"

Die türkische Regierung hat derweil den Umgang der deutschen Behörden mit mutmaßlichen Brandstiftungen kritisiert. In Fällen wie diesen seien die deutschen Behörden stets schnell mit der Beschwichtigung zur Hand, dass es sich nicht um einen rechtsextremistischen Anschlag gehandelt habe, sagte Vize-Ministerpräsident Bekir Bozdag nach türkischen Medienberichten vom Montag. Er frage sich aber, warum immer nur in Wohnhäusern von Türken in der Bundesrepublik Brände ausbrächen.

Bereits nach dem Hausbrand im baden-württembergischen Backnang, bei dem im März eine türkischstämmige Frau und ihre sieben Kinder starben, war in der Türkei der Verdacht eines Anschlags aufgekommen. Dabei wurden Vergleiche mit den rechtsextremen Brandanschlägen von Solingen und Mölln angestellt, bei denen in den 1990er Jahren mehrere Türken getötet worden waren. Mit Blick auf Hinweise auf technische Gründe für die jüngsten Hausbrände sagte Bozdag, es stelle sich die Frage, warum es nur in von Türken bewohnten Häusern defekte Stecker gebe.

Auch im Fall des NSU Fehler gemacht

Die deutschen Behörden machten sich lächerlich, wenn sie "fünf Minuten nach einem Feuer" die Erklärung verbreiteten, der betreffende Brand habe nichts mit Neonazis zu tun, sagte Bozdag, der in der türkischen Regierung für die Belange der rund vier Millionen Auslandstürken zuständig ist.

Der Vizepremier betonte, auch bei der Mordserie der rechtsextremen Gruppe NSU hätten die deutschen Behörden die Täter jahrelang lediglich in den Familien der Opfer gesucht, nur um später festzustellen, dass die Morde das Werk von Neonazis waren. Deshalb sollten die deutschen Ermittler bei Hausbränden stets auch die Möglichkeit eines rechtsradikalen Hintergrunds im Auge behalten.

steh/AFP/DPA / DPA