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Fox Weather Fox News für Klimawandel-Skeptiker? Ein neuer TV-Sender alarmiert Forscher

Das Hauptquartier von Fox News in New York City (USA)
Das Hauptquartier von Fox News in New York City (USA)
© Spencer Platt/Getty Images / AFP
In diesem Jahr will Fox News Media, der Konzern hinter dem konservativen bis reaktionären US-Nachrichtensender Fox News, einen Wetterkanal an den Start bringen. Forscher fragen sich: Wie schlimm wird's?

Zieht da ein Sturm herauf? Oder doch nur ein laues Lüftchen? Vielleicht ist das auch der Beginn eines zweiten Frühlings. Wirklich sicher sind sie sich nicht. Doch ihre Sorge ist groß.

In diesem Jahr will Fox News Media, der US-Konzern hinter dem konservativen bis reaktionären Nachrichtensender Fox News, einen Wetterkanal an den Start bringen: Fox Weather, ein 24-Stunden-Sender für alles, was mit Meteorologie zu tun hat. Mit "moderner Anzeigetechnologie" und Expertise zu "jedem größeren Wetterereignis", verspricht die Pressemitteilung. 

Und einige Forscher fragen sich: Wie schlimm wird's?

Mit Blick auf den Absender wagen zumindest einige eine unheilvolle (Wetter-)Vorhersage. Sie fürchten, dass Fox Weather einen ähnlichen Ton wie der berüchtigte Schwesterkanal anschlagen könnte, der auch Verschwörungserzählungen einen Echoraum gibt, wenn sie beim konservativen Kernklientel auf offene Ohren stoßen – wie etwa Trumps Märchen vom angeblichen Wahlbetrug, für das es bis heute keine Belege gibt. 

Nicht zuletzt arbeiteten sich die Moderatoren von Fox News auch am menschengemachten Klimawandel ab und zogen ihn wortreich in Zweifel. Dass die designierten Chefs des neuen Wetter-Senders zuletzt für jenes Newsgeschäft zuständig waren, lässt entsprechende Sorgen nicht unbedingt weniger werden.

Nun zieht also Fox Weather am Horizont herauf, das kann ja etwas werden. Aber was?

Fox Weather, der potenzielle "Game Changer"

Die einen meinen so, die anderen so. Geoffrey Supran meint: "Die Gefahr besteht darin, dass wenn sie Nachrichten über das Wetter derart pervertieren, wie sie es schon beim Klimawandel und der Energiepolitik getan haben, Millionen von Amerikanern weiter in die Irre über diese Krise geführt werden." Der Wissenschaftler von der Harvard-Universität zeigt sich im Gespräch mit dem britischen "Guardian" besorgt. "Wenn, wie ich und andere befürchten, der Sender die Verbindung zwischen der globalen Erderwärmung und extremen Wettererignissen herunterspielt, wird dies nur die bestehenden Vorurteile ihrer Zuschauer gegenüber Klimaschutzmaßnahmen festigen."

Im vergangenen Jahr erteilte etwa Fox News-Moderator Tucker Carlson der Erklärung eine Absage, die verheerenden Waldbrände an der US-Westküste der USA seien eine Folge der Klimakrise – entgegen der Einschätzung von Wissenschaftlern. Er sah darin viel eher eine Verschwörung der Liberalen. Seine Kollegin Laura Ingraham beharrte hingegen darauf – auch entgegen der Überzeugung von Experten –, dass sich die Erde in einem "natürlichen" Erwärmungszyklus befinde und unterstellte etwa der Klimaaktivistin Greta Thunberg, dass sie einer "Gehirnwäsche" unterzogen worden sei. Für Moderator Sean Hannity sei das Klimathema ohnehin ein "politisches Werkzeug" und eine "Obsession" der Linken.

"Fox News hat Zugang zu einer Vielzahl konservativer Amerikaner und genießt bei ihnen großes Vertrauen", sagt Edwar Maibach zum "Guardian", "also genau bei dem Publikum, das die ernsthafte Bedrohung, die der Klimawandel für die Sicherheit und Gesundheit aller Amerikaner darstellt, am wenigsten versteht." Der Direktor am Center for Climate Change Communication der George Mason Universität erkennt daher auch eine Chance in Fox Weather: Würde Fox seinen Zugang und seine Glaubwürdigkeit nutzen, "um die Zuschauer über die Realitäten des Klimawandels und seine Auswirkungen auf das Wetter zu informieren", dann könne dies ein "Game Changer" sein. Sollte das Gegenteil der Fall sein, so die Befürchtung von Maibach, würden Fehlinformationen verewigt. 

Das kalte Zahlenwerk macht zumindest wenig Hoffnung. Im Jahr 2019 stellte der Think Tank Public Citizen fest, dass Fox News in der ersten Jahreshälfte 247 Beiträge der Klimakrise widmete – 212 davon, also 86 Prozent, hätten die Klimakrise aber etwa "infrage gestellt", wie der "Guardian" aus den Studienergebnissen zitiert. 

Fox Weather: Fox News für Klimawandel-Skeptiker? Ein neuer TV-Sender alarmiert Forscher

"Fox News ist seit Jahren ein mächtiger Motor für Klima-Fehlinformationen", sagt Wissenschaftler Maibach zu der Zeitung. "So mächtig, dass sein Einfluss tatsächlich 'Fox News Effekt' genannt wird." So hätte eine Studie seiner Universität etwa gezeigt, dass sich die meisten Konservativen zunächst hinter dem politischen Vorhaben des Green New Deal versammeln konnten. Nur sechs Monate und zahlreiche kritische Berichte bei Fox News später sei die Zustimmung auf fast Null gesunken.

Dennoch gibt sich Maibach optimistisch. Mehr oder weniger. "Ich glaube nicht, dass sich Fox News und seine Ansichten über den Klimawandel in nächster Zeit ändern werden", sagt er zum "Guardian", "aber Fox Weather hat die Möglichkeit, die Fakten richtig zu benennen. Hoffen wir, dass sie sich dafür entscheiden."

fs

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