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Hochwasser-Katastrophe Viele Tote und kaum noch Leichenwagen – Bestatter unterstützen sich in der Not

Der Bestatter Ferdinand Pfahl aus Bonn
Der Bestatter Ferdinand Pfahl aus Bonn barg zahlreiche Flutopfer
© Oliver Berg / Picture Alliance
Die begrenzte Anzahl von Bestattungsfahrzeugen bringt Bestatter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nach der Hochwasserkatastrophe in Bedrängnis. Aber Kollegen helfen sich gegenseitig aus. 

Nach der Hochwasserkatastrophe fehlt es einigen Bestattern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz offenbar an Transportwagen. "Es gibt nur eine sehr begrenzte Anzahl von Bestattungsfahrzeugen, die sind erst mal unersetzlich", sagte ein Sprecher des Bestatterverbands Nordrhein-Westfalen. Viele der betroffenen Autos standen etwa bei den verheerenden Fluten in der Garage neben Bestattungsinstituten und seien dann – genauso wie die Geschäfte – mit Wasser vollgelaufen.

Allerdings "fehlen die dann nur in einzelnen Unternehmen". Man könne sich untereinander gut unterstützen, indem Kollegen etwa unbeschädigte Transportwagen ausleihen. Die Fahrzeuge sind den Angaben des Sprechers zufolge Einzelanfertigungen und werden nur auf Anfrage hergestellt. Deshalb sei es schwierig, sie zu ersetzen. Der gesamte Schaden sei noch nicht errechnet. 

Selbst erfahrene Bestatter sind schockiert

"Wie in einem Film" hat etwa Ferdinand Pfahl die vergangenen Tage erlebt. Kommunikation mit Rettern, Angehörigen und Kollegen: per Funkgerät. Aufgerissene Straßen, zerstörte Häuser. Menschen sind verzweifelt. "Man versucht abzuschalten. Man arbeitet einfach nur", erzählt der 62-Jährige und schluckt. Ferdinand Pfahl ist Bestatter aus Bonn und hat seit der verheerenden Flutkatastrophe laut eigenen Angaben bislang 35 Opfer aus den Krisenorten holen müssen und zeitweise in seinem Bestattungshaus untergebracht.

Seine Mitarbeiter stellte Pfahl zu Teams zusammen, um in Autos im Kreis Euskirchen die Verstorbenen abzuholen. "Es war chaotisch. Man ist programmiert zu helfen, zu machen, zu tun." Doch selbst den erfahrenen Bestatter nehmen die schrecklichen Erlebnisse mit: "Ich hab in meinem Leben schon viele Tote gesehen – aber so eine Naturkatastrophe, das muss ich selber erst mal verarbeiten." Zeitweise sei der Platz in seinem Kühlraum eng geworden. Unter den Toten war laut Pfahl auch eine junge Mitarbeiterin, die in Rheinbach bei den Fluten von einer zusammenstürzenden Brücke gefallen war. "Das hat mich am meisten mitgenommen."

Kollegen unterstützen sich gegenseitig

Bestattungsunternehmen des Landesverbands hatte das Hochwasser besonders in Wuppertal, Ahrweiler, Euskirchen und Hagen stark getroffen. "Wir hatten Wasser bei mehreren Kollegen in den Geschäftsräumen", berichtete der Sprecher. Es wurden aber keine Kühlräume oder dort untergebrachte Verstorbene von den Fluten getroffen. In Orten, die von Stromausfällen betroffen waren, hätten zum Beispiel Kollegen aus sichereren Gegenden die Verstorbenen abgeholt und bei sich in den Bestattungshäusern untergebracht.

Mehr als 1050 Bestattungsunternehmen sind im Landesverband in NRW gemeldet, Rheinland-Pfalz zählt den Angaben zufolge über 200 Mitgliedsunternehmen.

wt DPA

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