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Neuer Nasa-Chef: Misslungener Einstand

Michael Griffin, der neue Nasa-Direktor, hat sich seine ersten Wochen bei der US-Raumfahrtbehörde sicherlich anders vorgestellt: Gleich zu Beginn seiner Amtszeit musste er den Start der "Discovery" zwei Mal verschieben.

Es hätte für Michael Griffin kaum schlechter laufen können: Ursprünglich sollte die siebenköpfige Besatzung von Kommandantin Eileen Collins am 15. Mai mit der "Discovery" vom Weltraumbahnhof in Cap Canaveral in Florida starten. Dann wurde der 22. Mai als Starttermin anvisiert. Nun soll die Raumfähre im Juli abheben. "Zeitpläne zählen", sagt Griffin. Aber zuerst komme die Sicherheit und dann der Ausbau der Internationalen Raumstation ISS oder die Rettung des alternden Weltraumteleskops "Hubble". Letzte Tests mit dem völlig neu konstruierten 47 Meter hohen Außentank hatten einen Strich durch die Planungen gemacht. Erst gab es Probleme mit zwei Sensoren für die Anzeige des Füllstandes.

Immer noch ist der Tank ein Sicherheitsrisiko

Als die rund 1,9 Millionen Liter des vereisten Treibstoffgemischs dann eingefüllt waren, bildeten sich entlang einer Sauerstoffleitung an der Außenhaut des Tanks Eisstücke. Die Nasa-Techniker waren sofort alarmiert. Beim Start hätten nach ihren Berechnungen bis zu acht Zentimeter lange Eisstücke abbrechen und mit voller Wucht gegen die Schutzschicht des "Shuttle" knallen können. "Ein kleines Stück Eis kann Probleme hervorrufen", sagt Programmdirektor William Parson dem auf Raumfahrt spezialisierten Internetdienst "space.com".

Stücke aus Eis oder Isolierschaum, die durch die gewaltigen Kräfte beim Start abbrechen, bleiben auch nach zweijähriger Generalüberholung der "Space Shuttle" ein Risiko. Ein Stück Isolierschaum verursachte am 1. Februar 2003 den tödlichen Absturz der Raumfähre "Columbia". Es hatte beim Start ein Loch in Hitzekacheln des linken Flügels geschlagen. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre drangen heiße Gase durch das Loch ein und rissen die Raumfähre auseinander.

Space-Shuttle werden 2010 ausgemustert

Nicht ein Mangel für sich allein, sondern die Summe der Mängel habe die Verschiebung des "Shuttle"-Starts um sechs bis sieben Wochen notwendig gemacht, sagt Griffin. Als Konsequenz werde jetzt eine russische Progress-Kapsel schon um den 10. Juni herum zu einem Versorgungsflug zur Raumstation ISS aufbrechen. "Menschen ins All zu schicken, ist bis heute keine Routine, die man fröhlich erledigt", sagt der 55-Jährige Nasa-Chef.

Selbst wenn es zu weiteren Verzögerungen kommt, soll nach den Worten von Griffin die "Space Shuttle"-Flotte wie geplant im Jahr 2010 ausgemustert werden. Im Notfall müsse dann nach anderen Wegen gesucht werden, wie Komponenten zu der in 400 Kilometer Höhe um die Erde kreisenden Raumstation gebracht werden. "Wir werden möglicherweise nicht das gewünschte Datum für die Fertigstellung (der ISS) schaffen, aber wir werden sie zu Ende bauen", sagt Griffin. Unklar bleibt derzeit auch, auf welchen Zeitraum der bereits für vergangenes Jahr vorgesehene Start des europäischen Weltraumlabors "Columbus" verschoben wird.

Wird es mit dem Start der "Discovery" zwischen dem 13. und 31. Juli wieder nichts, muss die Nasa auf den Zeitraum vom 9. bis 24. September warten. Diese Zeiten ergeben sich aus den Sicherheitsauflagen nach dem "Columbia"-Unglück. Danach müssen die ersten beiden Starts bei Tageslicht erfolgen und die Raumstation ISS muss Cap Canaveral im Blick haben, damit etwaige Anomalien gefilmt und ausgewertet werden können.

Hans Dahne/DPA