HOME

Angst vor Pandemie: Schweinegrippe tötet Dutzende Mexikaner

Mexiko wird von einer tödlichen Grippe-Epidemie heimgesucht. Mindestens 16 Menschen sind daran bereits gestorben, die WHO spricht sogar von mehr als 60 Toten und fürchtet den Beginn einer Pandemie. Das gefährliche an dem neuartigem Schweinegrippe-Virus: Es verbreitet sich offenbar von Mensch zu Mensch.

In Mexiko und im Süden der USA grassiert eine von einem bislang unbekannten Virus verursachte Schweinegrippe. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Freitag starben in Mexiko bis zu 61 Menschen an der Seuche. Die mexikanische Regierung sprach dagegen von mindestens 16 Toten, deren Zahl sich jedoch erhöhen könne. Die WHO berief ihren Krisenstab ein und bestätigte, dass auch in den USA eine neue Form der Schweinegrippe aufgetreten ist, an der bisher sieben Menschen vorübergehend erkrankten. In Washington erklärte das Präsidialamt, Präsident Barack Obama sei über den Ausbruch der Seuche informiert.

WHO "sehr, sehr besorgt"

Die in Genf ansässige WHO hat die Sorge, dass die neuen Fälle den Beginn einer Grippe-Pandemie markieren könnten. "Wir sind sehr, sehr besorgt", sagte WHO-Sprecher Thomas Abraham am Freitag. "Wir scheinen ein neuartiges Virus zu haben, und es hat sich von Mensch zu Mensch verbreitet." Falls eine internationale Verbreitung bestätigt werde, würde dies die WHO-Kriterien für einen Pandemie-Alarm erfüllen.

Nach WHO-Angaben hat das Virus, das den Tod von mindestens zwölf Mexikanern verursachte, dieselbe Struktur wie der in Kalifornien aufgetretene Krankheitserreger. "Es handelt sich um ein Virus, das von Schweinen auf den Menschen übertragen wurde", sagte der mexikanische Gesundheitsminister Jose Angel Cordova. Er zog eine Verbindung zu der in Kalifornien und Texas grassierenden Schweinegrippe. Den in beiden US-Bundesstaaten erkrankten sieben Menschen geht es inzwischen wieder besser. Der US-Seuchenbehörde zufolge handelt es sich um eine neuartige Mischung aus Viren, die typisch für Schweine, Vögel und Menschen sind.

Bis zu 1000 Verdachtsfälle

Nach Angaben der mexikanischen Regierung starben bisher mindestens 16 Menschen an dem Virus. Der Krankheitserreger sei möglicherweise aber auch für den Tod von 44 anderen Menschen verantwortlich. Ihre Leichen würden derzeit noch untersucht. Im Land gebe es bis zu 1000 Verdachtsfälle. Die Regierung hält 500.000 Impf-Einheiten bereit. Sie sind für Mitarbeiter im Gesundheitsdienst vorgesehen, die das höchste Ansteckungsrisiko haben. Für die allgemeine Bevölkerung stehen keine Impfstoffe parat.

Um die weitere Ausbreitung der Grippe-Epidemie zu stoppen, ordneten die Behörden in Mexiko-Stadt die Schließung aller Museen, Büchereien und der staatlichen Theater in der Millionenmetropole an. Die Schulen blieben geschlossen. Die Behörden riefen die Menschen zudem auf, Krankenhäuser zu meiden. Auch sollte man auf die sonst zur Begrüßung üblichen Küsse und das Händeschütteln verzichten.

Die Behörden am internationalen Flughafen der Hauptstadt befragten Passagiere, um damit zu verhindern, dass möglicherweise infizierte Personen an Bord gehen und die Krankheit weiter verbreiteten. Präsident Felipe Calderon sagte eine geplante Reise ab und traf sich mit dem Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung. Die US-Gesundheitsbehörden erklärten, die Bürger bräuchten nicht auf Reisen in das Nachbarland zu verzichten, solange gängige Vorsichtsmaßnahmen wie häufiges Händewaschen eingehalten würden.

Auffällig ist, dass der neue Erreger seine Opfer bislang in einer Bevölkerungsgruppe gefunden hat, die normalerweise eher weniger anfällig ist: junge Leute und Erwachsene mittleren Alters. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die üblicherweise anfälligsten Gruppen - Alte und Kleinkinder - gegen andere Grippeviren geimpft worden sind und das diese Impfungen auch etwas Schutz vor dem neuen Erreger bieten.

Weltweit sterben jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen an einer Grippeerkrankung. Menschen können sich gelegentlich bei Schweinen anstecken, eine Übertragung der Schweinegrippe von Mensch zu Mensch ist bislang jedoch nur relativ selten aufgetreten.

Reuters/AP / AP / Reuters