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Archäologie Großbritannien: 2000 Jahre alte Gesichtscreme von Wissenschaftlern rekonstruiert

Die mehr als 2000 Jahre alte Creme, die von Wissenschaftlern aus Großbritannien nun genau untersucht wird
Die mehr als 2000 Jahre alte Creme, die von Wissenschaftlern aus Großbritannien nun genau untersucht wird
© Universität Bristol
Zur Zeit der römischen Besetzung des heutigen Großbritanniens im 1. Jahrhundert nach Christus versteckte eine Frau ihre Gesichtscreme, als sie sich in der Nähe eines Tempels bei London aufhielt. Woraus bestand das Kosmetikum?

Es war ein erstaunlicher Fund, den Archäologen im Jahr 2004 in Großbritannien machten: Ein Tiegel, der heutigen Cremetiegeln sehr ähnlich sieht, noch halb gefüllt mit einer Art getönter Tagescreme. Sogar die Fingerspuren und -abdrücke der einstigen Besitzerin ließen sich in der hart gewordenen Creme noch feststellen. Doch das Produkt stammt nicht etwa aus den 50er oder 60er Jahren – sondern ist mehr als 2000 Jahre alt.

Benutzt hat es seinerzeit wohl eine Frau, die innerhalb des römischen Einflussbereichs auf dem Gebiet des heutigen Großbritannien lebte. Ob sie selbst Römerin war, zumindest einen Römer geheiratet hatte oder einfach den römischen Lebensstil zu schätzen gelernt hatte, lässt sich natürlich nicht mehr sagen. Offenbar mochte sie aber römische Kosmetikprodukte und folgte dem römischen Schönheitsideal. Denn die Creme hätte einen weißen Schleier auf der Haut hinterlassen und die Benutzerin somit blasser erscheinen lassen, was damals modern war.

Archäologie: Die Creme verleiht einen weißen Hautton

Wissenschaftler untersuchten die Creme, die heute im British Museum in London aufbewahrt wird, und versuchten sie nachzu"bauen": "Es ist eine ziemlich komplizierte kleine Rezeptur", sagt Professor Richard Evershed von der Universität Bristol. Er glaubt nicht, dass das Kosmetikum von jemandem daheim zusammengemixt worden sei, sondern geht von professioneller Herstellung aus. Enthalten sind unter anderem tierisches Fett, wohl vom Schaf oder vom Rind, Stärke und Zinnoxid. Das Fett plegt die Haut, die Stärke sorgt für ein pudriges, nicht-öliges Finish, das Zinnoxid verleiht der Haut den begehrten weißen Farbton.

Richard Evershed sagt, dass Zinnoxid im Gegensatz zu Blei (das vorher und auch später in ähnlichen Produkten verwendet wurde) nicht gesundheitsschädlich sei. Er geht davon aus, dass im ersten Jahrhundert nach Christus – aus dem die Creme stammt – die gefährlichen Eigenschaften von Blei bekannt waren. Dieser Fakt scheint später wieder vergessen worden zu sein, da beispielsweise die englische Königin Elizabeth I. im 16. Jahrhundert zu bleihaltigen Kosmetika griff, um mit weißer Gesichtshaut glänzen zu können. Das hatte in ihrem Fall auch tatsächlich gesundheitliche und optische Folgen. Die unbekannte Frau aus den Jahren kurz nach der Zeitenwende war da klüger.

Fund in Großbritannien war überaus gut erhalten

Eine solche Creme, in einem solchen Tiegel, war zuvor noch nirgends entdeckt worden. Sie erhielt sich allerdings auch nur wegen besonders günstiger Bedingungen: Die Besitzerin scheint sie bewusst versteckt zu haben, in einer kleinen Grube, die sich später mit Wasser füllte. In der Nähe befanden sich ein römischer Tempel und mehrere Gästehäuser. Vielleicht war die Besitzerin zu Besuch und vergaß ihren kleinen Schatz bei der Abreise? Das wird man wohl nicht mehr herausfinden können.

Quellen:  "Bristol Universität", "ABC"

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