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Wissen: Lexikon der Lust

Gibt es wirksame Aphrodisiaka? Wo sitzen die Lustpunkte der Frau? Wie gesund ist Selbstbefriedigung? Wozu sind Fetische gut? Über Sex kann man gar nicht genug wissen - eine animierende Tour für Theoretiker und Praktiker.

Von Ulrich Kraft

Alkohol

Erfreut sich als Aphrodisiakum großer Beliebtheit. Der nach landläufiger Meinung lustfördernde Effekt von Sekt, Bier und Cocktail lässt sich am ehesten damit erklären, dass Alkohol euphorisch macht und die Hemmschwelle senkt. Allerdings gilt das nur, wenn man ihn maßvoll genießt. Größere Mengen sind ein echter Liebeskiller, denn im Vollrausch ist es mit der Potenz garantiert nicht mehr weit her. Davon ganz abgesehen, wer hat schon gern Sex mit einem Betrunkenen?

Alter

Die Mär, mit dem Alter würden die sexuellen Bedürfnisse verschwinden, hält sich äußerst hartnäckig. Tatsächlich offenbarten Vergleiche mit anderen Altersgruppen zwar, dass sich die Lust auf Sex mit zunehmenden Lebensjahren seltener äußert. Doch sie verschwindet nie. Physiologisch gibt es dafür auch keinen Grund.

In einer repräsentativen Umfrage unter 61- bis 75-Jährigen gaben zwei Drittel zu Protokoll, dass ihnen Sex keineswegs egal ist. 61 Prozent der Frauen und 58 Prozent der Männer über 75 verspürten regelmäßiges sexuelles Verlangen. Das, liebe Enkel, wird mit schöner Regelmäßigkeit in die Tat umgesetzt: Nach Ergebnissen einer weiteren Studie sind Menschen zwischen 56 und 65 sexuell aktiver als 25-Jährige, vor allem dann, wenn sie eine feste Beziehung führen.

Aphrodisiakum

Bereits in der Antike suchten die Menschen nach Substanzen, die entweder sexuelle Begierde entfachen oder das Lustempfinden steigern. Dementsprechend lang ist die Liste angeblicher Aphrodisiaka heute: Austern, Trüffeln, Schokolade, Eier, phallisches Gemüse wie Spargel sollen der Libido auf die Sprünge helfen, Gewürze wie Ingwer, Pfeffer oder gemahlene Chilischoten "scharf" machen.

Obwohl Forscher Kühlschrank und Gewürzregal genau unter die Lupe genommen haben, konnte niemals wissenschaftlich bewiesen werden, dass Nahrungsmittel aphrodisierende Effekte besitzen. Vielleicht kommt es darauf aber auch gar nicht an. Laut einer repräsentativen Umfrage glaubten fast 27 Prozent der Männer und Frauen, dass bestimmte Speisen bei ihnen etwas bewirken. Der Glaube versetzt bekanntlich Berge.

Beckenboden

Der Beckenboden schließt die Beckenhöhle nach unten ab. Er besteht aus Bindegewebe und mehreren Muskeln, die zwischen Schambein und Steißbein verlaufen und eine Art Schlinge um den Genitalbereich bilden. Das Training dieser Muskelgruppe beugt nicht nur Harninkontinenz vor, sondern sorgt nach Ansicht vieler Experten auch für mehr Spaß am Sex.

Spezielle Übungen stärken diese Liebesmuskeln und steigern ihre Durchblutung, was dem Lustempfinden sehr zuträglich ist. Männer mit gut trainiertem Beckenboden erleben intensivere Höhepunkte und können besser kontrollieren, wann sie zum Orgasmus kommen. Bei Frauen unterstützen kräftige Sex-Muckis ebenfalls die Orgasmusfähigkeit.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Muskelgruppe gemeint ist: Es ist die, mit der man beim Urinieren den Strahl anhält. Für Frauen gibt es mittlerweile spezielle Geräte wie C.O.M.E. (Clinical Orgasm Muscle Exerciser), eine Art Plastikstöpsel, der das Training besonders effektiv gestalten soll. Anleitungen für den Beckenboden-Workout finden sich mittlerweile in diversen Ratgebern.

Beschneidung

Bezeichnet die teilweise oder vollständige chirurgische Entfernung der Penis-Vorhaut. Bei einigen Glaubensgruppen gehört die Zirkumzision, so der Fachbegriff, zur religiösen Pflicht. Medizinisch notwendig ist sie bei einer Vorhautverengung.

Nicht wenige Männer lassen sich die Vorhaut in der Hoffnung entfernen, so beim Geschlechtsverkehr länger durchzuhalten. Tatsächlich ist eine frei liegende Eichel im Alltag verstärkter Reibung ausgesetzt. Dadurch wird sie im Laufe der Zeit weniger sensibel, was den Orgasmus hinauszögern kann.

Allerdings verzichtet der beschnittene Mann auf eine erogene Zone, denn die Vorhaut ist dicht mit lustvermittelnden Nervenenden gespickt. Außerdem schützt und befeuchtet sie die empfindliche Haut der Eichel. Oft wird von Beschneidungsbefürwortern das Argument der besseren Hygiene ins Feld geführt. Angesichts der Standards in den westlichen Industrienationen zählt es aber eigentlich nicht mehr.

Cock-Ring

Er dient dazu, die Erektion zu verstärken beziehungsweise länger aufrecht zu erhalten. Der Penisring wird über den bereits leicht erigierten Penis bis zur Peniswurzel geschoben, wo er so eng anliegt, dass das in die Schwellkörper eingeströmte Blut weniger leicht abfließen kann. Effekt: Das Glied bleibt hart. Dieses Sexspielzeug für den Mann gibt es in verschiedenen Größen, aus Metall, Gummi oder Leder. Wichtig ist, dass der Cock-Ring optimal passt: Sitzt er zu locker, bleibt er ohne Wirkung. Sitzt er zu eng, verhindert er jeglichen Blutabfluss.

Der Penis bleibt dann dauerhaft hart - so hart, dass der Ring sich unter Umständen manuell nicht mehr entfernen lässt. Das mag amüsant klingen, ist aber höchst schmerzhaft und erfordert schnelle medizinische Hilfe. Die Gefahr ist bei der Metallausführung am größten, deshalb sind die Leder- und Gummivarianten vorzuziehen. Da ein Cock-Ring die Blutzirkulation im Penis stark vermindert, sollte er nach spätestens einer halben Stunde gelockert oder abgenommen werden. Sonst kann Gewebe absterben.

Ejakulation

Medizinisches Fachwort für den Samenerguss des Mannes. Es handelt sich um eine reflektorische Reaktion des Köpers, die vom Ejakulationszentrum im Rückenmark gesteuert wird. Bei der Ejakulation ziehen sich Prostata, Samenbläschen, Samenleiter, Harnröhre und die Muskulatur des Beckenbodens in einer synchronisierten Bewegung zusammen. Durch diese Kontraktionswellen wird das Ejakulat zur Penisspitze transportiert und ausgestoßen, insgesamt zwei bis sechs Milliliter in drei bis vier Schüben, die einander im Abstand von 0,8 Sekunden folgen.

Auch bei Frauen kann auf dem Gipfel der Erregung eine glasig milchige Flüssigkeit aus der Harnröhre spritzen oder tröpfeln. Kein Urin, wie lange angenommen, sondern ein Sekret, das dem der Prostata ähnelt. Es wird wahrscheinlich von Drüsen gebildet, die entlang der Harnröhre liegen. Nach Schätzungen erlebt jede dritte Frau gelegentlich diese feuchte Form des Orgasmus.

Erektile Dysfunktion

Wer "in der überwiegenden Zahl der Versuche keine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion erzielen und aufrecht erhalten kann", leidet unter einer Erektilen Dysfunktion, also dem, was landläufig Impotenz genannt wird. Wie häufig sie ist, weiß niemand genau, weil Großstudien fehlen. Nach einer kleineren Untersuchung der Universität Köln leiden fast 20 Prozent der Männer zwischen 30 und 80 Jahren an einer Erektionsstörung.

Auch wer einigermaßen damit leben kann, darf Probleme mit der Erektionsfähigkeit nicht ignorieren. Denn hinter einer Erektilen Dysfunktion können sich schwere Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Arterienverkalkung verbergen. Vor allem bei älteren Männern hat Impotenz oft organische Ursachen. Außerdem können diverse Medikamente die Manneskraft schwächen.

Die Frage, ob Erektile Dysfunktion häufiger körperlich oder psychisch bedingt ist, also durch Stress, Versagensängste oder Partnerschaftsprobleme, wird immer noch kontrovers diskutiert. Wenn Männer allerdings mit einer "Morgenlatte" aufwachen und ihr Penis beim Onanieren richtig steif wird, ist der Fall klar: Dann ist organisch alles in Ordnung. Man geht heute aber davon aus, dass meist mehrere Faktoren zusammenspielen. Fast allen Männern mit Erektiler Dysfunktion kann geholfen werden, sei es mit Medikamenten (siehe Potenzmittel) und/oder einer Sexualtherapie. Schon über das Tabuthema zu reden, ist der erste Schritt zur Besserung.

Erektion

Vom lateinischen "erigere" für aufrichten; bezeichnet die Versteifung und Vergrößerung des Glieds, hinter der ein recht komplexer Prozess steckt. Wird ein Mann sexuell erregt, sendet das Gehirn diese Botschaft an das Erektionszentrum im unteren Rückenmark und von dort weiter zum Penis. Im schlaffen Zustand ist dieser nur wenig durchblutet, denn die glatten Muskeln, die die drei Schwellkörper umgeben, sind dauerhaft kontrahiert und drücken die in den Penis führenden Arterien zusammen.

Stehen die Signale auf Erregung, entspannen sich diese Muskeln, Blut strömt in das schwammartige Gewebe ein. Die zunehmende Fülle komprimiert die kleinen Venen des Schwellkörpers, was verhindert, dass das Blut wieder abfließt. Das Glied versteift sich und bleibt so, bis das Enzym Phosphodiesterase 5 der Muskelentspannung um die Arterien entgegenwirkt, was die Männlichkeit wieder erschlaffen lässt.

Lange Zeit galt die Erektion als Privileg des Mannes. Heute weiß die Wissenschaft, dass die weibliche ü Klitoris ebenfalls Schwellkörper besitzt. Frauen werden also auch "steif", wenn sie sexuell erregt sind, nur weniger offensichtlich.

Erogene Zonen

Per definitionem sind erogene Zonen Körperregionen, deren Berührung bevorzugt Lustempfinden und sexuelle Erregung hervorrufen. Also der ganze Körper, werden jetzt viele aus Erfahrung sagen. Stimmt! Allerdings gibt es bestimmte Bereiche, die für sexuelle Reize empfänglicher sind, weil es hier besonders viele sensible Nervenenden gibt. Dazu gehören die Geschlechtsorgane, also beim Mann Penis und Hodensack, bei der Frau Klitoris, Schamlippen und mitunter bestimmte Punkte. Für alle weiteren Körperregionen sind die individuellen Vorlieben zu unterschiedlich, als dass sich irgendwelche Regeln aufstellen ließen. Lässt der zarte Kuss hinters Ohr den Partner wollüstig zucken? Oder sind es doch die Zehen? Das herauszufinden ist an sich schon ein Vergnügen.

Erregung

Eine flüchtige Berührung, ein kurzer Blick kann genügen, um das Feuer der Begierde zu entfachen. Die sinnlichen Reize von Lippen, Haut und Augen werden im Großhirn und im limbischen System bewertet und zum Hypothalamus weitergeleitet. Diese tief im Inneren des Gehirns liegende Region gilt als Schaltzentrale der Lust, sie erteilt binnen Sekunden verschiedene Kommandos, die für sexuelles Verlangen und das Gefühl der Erregung sorgen. Adrenalin, eigentlich ein Stresshormon, beschleunigt Herzschlag und Atmung, schärft die Sinne und fokussiert die Aufmerksamkeit auf die jetzt einzig wichtige Sache, das Liebesspiel.

Die ebenfalls verstärkt ausgeschütteten Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin versetzen uns in Hochstimmung. Der Hirnstamm gibt das Signal an das Erektionszentrum, im Penis staut sich das Blut, genau wie in den Schwellkörpern der Klitoris. Bei der Frau vergrößern sich auch die Schamlippen.

Fetische

Nach der internationalen Klassifizierung von Krankheiten (ICD) gilt der "Gebrauch toter Objekte als Stimuli für sexuelle Erregung oder Befriedigung" immer noch als "Störung der Sexualpräferenz". Wer auf Latex, Krankenschwesternuniformen oder getragene Unterhosen steht, muss sich aber keine Gedanken machen, die meisten Experten halten Fetischismus einfach für eine Spielart der Sexualität. Und für vollkommen normal, solange man seinen Mitmenschen nicht schadet.

Fetisch bedeutet "Zaubermittel", bezeichnet in seiner eigentlichen Bedeutung also Gegenstände, denen magische Kräfte zugeschrieben werden. Sexuelle Fetische können für sich erregend sein oder den Reiz einer anderen Person erhöhen. In diesem Sinne sind auch Parfüm und Spitzenunterwäsche Fetische, nur eben gesellschaftlich akzeptierter. Die Leidenschaft von Fetischisten richtet sich keineswegs nur auf tote Objekte, höchst Lebendiges wie Fuß, Bauchnabel oder Po kann ebenso gut zum Objekt der Begierde werden.

Gleitmittel

Öle, Gele oder Cremes, die das Eindringen des Penis in die Vagina beziehungsweise den Anus erleichtern. Als natürliches Gleitmittel dient beim Geschlechtsverkehr vor allem das Vaginalsekret. Es bildet einen Feuchtigkeitsfilm, der für gutes Rutschen sorgt. Reicht er nicht aus (siehe Lubrikation), reibt beim Verkehr Haut auf Haut, was Schmerzen verursachen kann. Gleitmittel gleichen eine trockene Schleimhaut aus, vermindern die Reibung und verhindern so, dass der Sex wehtut.

Gleitmittel sollten keine Fette enthalten, denn die greifen das Latex von Kondomen an und machen es durchlässig für Spermien und Krankheitserreger. Fettfreie Gleitmittel gibt es in der Apotheke und in Sexshops.

Griechisch

Umgangssprachlich für Analverkehr. Bei vielen Menschen ist der Anus eine Tabuzone, und das gilt es dann auch zu akzeptieren. Analverkehr kann aber beiden Geschlechtern sehr lustvolle Erlebnisse verschaffen, denn der After und die umgebende Haut sind reich mit empfindlichen Nervenenden ausgestattet. Wenn Paare diese erogene Zone in ihr Liebesspiel mit einbeziehen möchten, sollten sie Zeit mitbringen. Weil der Anus als Ausgang konstruiert ist, zieht sich die Schließmuskulatur bei Versuchen in die andere Richtung zunächst reflektorisch zusammen. Mit dem Finger oder einem kleinen weichen Dildo lässt sich der Anus nach und nach an die Berührung gewöhnen.

Bevor der Mann dann mit dem Penis eindringt, idealerweise nach einem schönen, langen Vorspiel, sind zwei Dinge Grundvoraussetzung: das Einverständnis des Partners und reichlich Gleitmittel. Manche Paare machen vor dem Analverkehr eine Darmspülung. Nötig ist das nicht unbedingt, denn in der Region, in die der Penis vorstößt, befindet sich normalerweise kein Kot.

Weil die Verletzungsgefahr und damit auch das Infektionsrisiko (zum Beispiel für Aids) beim Analsex größer ist als beim vaginalen Verkehr, empfiehlt es sich sehr, ein Kondom zu benutzen. Falls der Mann während des Liebesspiels von hinten nach vorn wechselt, sollte selbiges entfernt oder ausgetauscht werden. Sonst können Darmbakterien in die Scheide gelangen und zu Infektionen führen.

Impotenz

Mit dem lateinischen Wort "impotentia" für Unvermögen, Dürftigkeit werden verschiedene Probleme im sexuellen Bereich beschrieben. Impotentia generandi bedeutet, dass der Mann zwar Geschlechtsverkehr haben, aber keine Kinder zeugen kann. Wenn eine Frau nicht schwanger werden kann, heißt das medizinisch Impotentia concipiendi.

Fällt der Begriff Impotenz, ist meistens die Impotentia coeundi gemeint. Wörtlich übersetzt die Unfähigkeit des Mannes zum Beischlaf, weil sein Penis nicht steif beziehungsweise nicht steif genug wird, um in die Vagina einzudringen. Ärzte benutzen heute lieber den Begriff Erektile Dysfunktion.

Kamasutra

Altindisches Liebeslehrbuch, das vermutlich im 3. oder 4. Jahrhundert geschrieben wurde. Nach dem hinduistischen Glauben gibt es drei Lebensziele: "Dharma" ist das Erlangen von spirituellem Wohl durch religiöse Pflicht, "Artha" der Erwerb materieller Güter, "Kama", der sinnliche Genuss. Um den Menschen zu zeigen, wie sie dieses dritte Ziel erreichen, verfasste Mallanaga Vatsyayana einen Leitfaden - das Kamasutra.

Obwohl darin detailliert auf die verschiedensten Sexualpraktiken und Stellungen eingegangen wird, ist es weit mehr als eine bloße Anleitung zum Geschlechtsverkehr. Im Kamasutra geht es nahezu um alle Bereiche der Liebe. Die ausführlichen Ratschläge und Hilfen für den Weg zur sexuellen Erfüllung sind so aktuell wie eh und je. Insofern ist das Kamasutra nicht nur in erotischer, sondern auch in kulturhistorischer Hinsicht eine sehr bereichernde Lektüre.

Klitoris

Sie ist das einzige Organ des menschlichen Körpers, das ausschließlich der Lust dient. Am oberen Ende der kleinen Schamlippen befindet sich die Glans clitoridis, die, genau wie die Eichel des Penis, von einer Art Vorhaut geschützt wird. Sie ist besonders reich mit Nervenenden bestückt und entsprechend sensibel. Doch dieser mit dem Auge sichtbare kleine Hügel ist, anders als von der Wissenschaft lange angenommen, nur die Spitze der Klitoris, die gut zehn Zentimeter tief in den weiblichen Körper hineinreicht.

Auf die Glans folgt ein kurzer Schaft, der in zwei Schenkel übergeht, die Harnröhre und Vagina umgeben. Das Klitorisgewebe ist dicht mit lustvermittelnden Nervenfasern besetzt und enthält sogar mehr Schwellgewebe als der Penis. Wenn eine Frau sexuell erregt ist, wird es verstärkt durchblutet und vergrößert sein Volumen. Der Mann besitzt also keineswegs das Exklusivrecht auf eine Erektion.

Durch Stimulation der Klitoris gelangt fast jede Frau zum Orgasmus. Ob sie dabei federleichtes Streicheln vorzieht oder eher auf festen Druck reagiert, ist individuell unterschiedlich. Manche Frauen empfinden direkte Berührungen der besonders sensiblen Spitze des Ekstase-Organs erst nach einem längeren Vorspiel als angenehm.

Lubrikation

Das lateinische "lubricare" bedeutet schlüpfrig machen, der Begriff Lubrikation beschreibt das Feuchtwerden der Vagina. Wenn eine Frau erregt ist, steigt in den Schleimhäuten der Scheide die Durchblutung. Sie schwellen an, und durch den erhöhten Druck wird Flüssigkeit aus dem Venengeflecht der Vaginalwand gepresst. Dieses Sekret bildet dann einen Film, auf dem der Penis leicht hineingleiten kann. Manche Frauen brauchen sehr lange, bis sie feucht werden, andere sind schon nach kurzer Zeit "nass zwischen den Beinen". Innerhalb einer gewissen Bandbreite sind diese Unterschiede normal.

Problematisch wird es, wenn sich so wenig Vaginalsekret bildet, dass der eindringende Penis Schmerzen bereitet. Hinter einer solchen Scheidentrockenheit können psychische Gründe wie Stress oder Nervosität stecken, es gibt aber auch körperliche Ursachen, wie Medikamente, Infektionen oder die Wechseljahre. Hält das Problem länger an, sollte ein Arzt abklären, woran es liegt. Fehlt es nur hin und wieder an der nötigen Lubrikation, sorgt ein Gleitmittel dafür, dass es trotzdem reibungslos klappt.

Lustlosigkeit

Heißt medizinisch "Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen", wird zu den funktionellen Sexualstörungen gezählt und steht so in einer Reihe mit Vorzeitigem Samenerguss und Schmerzen beim Verkehr. Statistiken zufolge klagen hierzulande immer mehr Menschen über Lustlosigkeit, manche Sexualtherapeuten halten das aber für ein hausgemachtes Problem. Zum einen ist es normal, auch einmal nicht "spitz" zu sein, zum anderen ist sexuelles Verlangen keine notwendige Voraussetzung, um Sex zu haben. Der Appetit darf auch erst beim Essen kommen.

Onanie

Synonym für Selbstbefriedigung. Onan ist eine Gestalt aus der Bibel, seine Geschichte wird im ersten Buch Mose erzählt. Onan sollte die Witwe seines verstorbenen Bruders heiraten, um an dessen Stelle mit ihr Kinder zu zeugen - damals ein übliches Prozedere. Doch er machte nicht mit: "Aber da Onan wusste, dass die Kinder nicht sein eigen sein sollten, ließ er's auf die Erde fallen und verderbte es, wenn er einging zu seines Bruders Weib, auf dass er seinem Bruder nicht Nachkommen schaffe. Dem Herrn missfiel, was er tat, und er ließ ihn sterben." Tatsächlich steht hier also nichts von Selbstbefriedigung. Onan zog vielmehr seinen Penis vor der Ejakulation aus der Vagina, vollzog also einen Coitus interruptus.

Oralsex

Ist der Oberbegriff für alle sexuellen Praktiken, bei denen die Geschlechtsorgane mit dem Mund stimuliert werden. Liebkost der Mann die Vagina und den Kitzler der Frau mit Lippen und Zunge, spricht man von Cunnilingus. Beim Gegenstück, der Fellatio, verwöhnt sie seinen Penis durch Saugen, Küssen und Lecken. Galt der Oralsex lange vor allem als männliche Sexfantasie, erfreut er sich heute bei beiden Geschlechtern großer Beliebtheit. Nach einer englischen Umfrage besitzen ungefähr 70 Prozent der Menschen Erfahrungen auf diesem Gebiet. Nicht wenige Frauen finden den Cunnilingus sogar lustvoller als den Geschlechtsverkehr, weil ihre Klitoris dabei besser stimuliert wird.

Für manche Männer ist es der Gipfel der Genüsse, im Mund der Partnerin die Ejakulation zu erleben. Doch längst nicht jede Frau mag den Geschmack von Sperma. Entsprechend sollte die pressende Hand in ihrem Nacken tabu sein. Das HI-Virus kann wie die meisten anderen Geschlechtskrankheiten auch durch Oralverkehr übertragen werden.

Orgasmus

Höhepunkt des sexuellen Lustempfindens. Ab einem - individuell unterschiedlichen - Maß der Erregung setzt der Körper eine Reihe von Reaktionen in Gang, die uns den Orgasmus bescheren - reflexartig und unausweichlich wie das Niesen. Höchstens eine Minute dauert der "kleine Tod", wie ihn die Franzosen umschreiben, bei Männern deutlich kürzer. Bei der Frau zieht sich die Muskulatur der Vagina und des Beckenbodens rhythmisch zusammen, laut Lehrbuch 3- bis 15-mal hintereinander im Abstand einer knappen Sekunde. Beim Mann durchlaufen ähnlich rhythmische Kontraktionswellen den Unterleib (siehe Ejakulation). Neurophysiologisch sind Orgasmus und Ejakulation unterschiedliche Vorgänge, sie müssen also nicht zwangsläufig miteinander einhergehen.

Im Gehirn werden diverse Botenstoffe ausgeschüttet, die für Glücksgefühle sorgen. Ansonsten schaltet das Denkorgan größtenteils ab, was erklärt, warum im Moment der Ekstase Wahrnehmung und Kontrolle über den Körper kurz verloren gehen kännen. Nach wenigen Sekunden ist das Spektakel vorbei und macht Platz für andere, höchst angenehme Empfindungen. Körper und Geist entspannen sich, wir fühlen uns befriedigt.

Penisgröße

Für Männer ist sie nach wie vor eine der zentralen Maßeinheiten zur Einschätzung potenzieller Liebhaberqualitäten. Zumindest aus medizinischer Sicht bringt Größe im Bett keine Extrapunkte. Punkt eins, der Durchmesser: Die Scheide der Frau ist so flexibel, dass sie sich dünn und dick problemlos anpasst. Punkt zwei, die Länge: Ist für die Erregung eher nebensächlich, denn die meisten lustbringenden Nervenenden befinden sich im vorderen Drittel der Vagina. Um diese Region zu stimulieren, genügen auch fünf Zentimeter - und die richtige Technik.

Wer seine Männlichkeit dennoch unbedingt mit der der Konkurrenz vergleichen mächte, sollte das nicht beim Duschen tun. Denn kleinere Penisse füllen sich bei der Erektion oft mit sehr viel Blut und legen, sobald sie steif werden, dementsprechend ordentlich an Zentimetern und Volumen zu. Im schlaffen Zustand beeindruckend aussehende Glieder haben weniger zuzusetzen, wenn es mit ihnen nach oben geht. Ob "Blutschwanz" oder "Fleischschwanz", wer im erigierten Zustand so um die 14 Zentimeter aufweisen kann, befindet sich in guter Gesellschaft, denn so lang ist der deutsche Durchschnittspenis. Am Stammtisch werden gern noch ein, zwei Zentimeter dazugedichtet.

Pornografie

... ist laut Definition "die direkte Darstellung der menschlichen Sexualität mit dem Ziel der sexuellen Stimulierung, wobei die Geschlechtsorgane bewusst betont werden". Derartige Motive malten bereits die alten Römer an die Wände, die Griechen auf antike Vasen und die Inder ins Kamasutra. Heute wird Pornografie vor allem in Form von Fotos oder Filmen feilgeboten. Weil Frauen dabei oft als ebenso willenlose wie dauergeile Sexobjekte der Männer dargestellt werden, hagelt es von feministischer Seite bis heute rege Kritik.

Die Kulturwissenschaftlerin Corinna Rückert hat jedoch herausgefunden, dass auch Frauen gern Pornos anschauen, sofern sie bestimmte Anforderungen erfüllen: eine gute Handlung, einen gewissen Aufwand bei der Ausstattung, attraktive Darsteller und weniger Großaufnahmen der Genitalien. Ganz langsam trägt die Pornoindustrie diesen Wünschen Rechnung.

Rückert mahnt zu einem entspannteren Umgang mit dem Genre und weist das Hauptargument der Gegner, Hardcore-Pornos würden zu sexueller Gewalt führen, zurück. Pornos seien eine sexuelle Fantasie, und die Konsumenten könnten sehr wohl zwischen dieser Fantasie und der Wirklichkeit unterscheiden.

Potenzmittel

Auf der Suche nach einem Mittel, das die männliche Potenz fördert, mussten viele Lebewesen ihr Leben lassen. Tiger und Nashörner standen auch deshalb kurz vor der Ausrottung. Die Revolution kam 1998 in Form einer kleinen blauen Pille: Viagra. Ersonnen wurde das Medikament zur Behandlung der Erektilen Dysfunktion, und dort erweist es sich als überaus wirksam. 80 Prozent der Betroffenen verschafft Viagra so lange eine stabile Erektion, dass sie wieder Geschlechtsverkehr haben können.

Voraussetzung ist, dass der Mann sexuelle Erregung verspürt. Denn erst wenn das Gehirn das Signal "erotischer Reiz" an den Penis geschickt hat, kann Viagra dort ihren Effekt entfalten. Der Wirkstoff Sildenafil blockiert das Enzym Phosphodiesterase 5, das quasi als Schlaffmacher fungiert. Sildenafil hält den verstärkten Blutfluss in die Schwellköper aufrecht, der dafür sorgt, dass der Penis hart wird und bleibt. Mit Cialis und Levitra sind mittlerweile zwei Konkurrenzprodukte auf dem Markt. Sie haben den gleichen Wirkmechanismus, unterscheiden sich aber beim Wirkungseintritt und der Wirkdauer. Bei allen dreien handelt es sich um verschreibungspflichtige Medikamente, mit entsprechenden Risiken und Nebenwirkungen.

Prostata

Nur der Mann besitzt dieses etwa kastaniengroße Organ. Es befindet sich unterhalb der Harnblase und umschließt den Anfang der Harnröhre. Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, produziert ein Sekret, das gemeinsam mit den Samenzellen das Ejakulat bildet. Bei vielen Männern läst die Stimulation der Prostata ein sehr starkes Lustgefühl aus, bis hin zum Orgasmus.

Von außen kommt man dem Organ zwischen Hodensack und Anus am nächsten. In dieser Region kann eine sanfte Massage sehr erregend sein. Noch intensivere Empfindungen beschert meist die direkte Stimulation, entweder mit dem Finger, einem Sexspielzeug oder beim Analverkehr (siehe Griechisch). Etwa fünf bis sieben Zentimeter hinter dem Anus an der vorderen Darmwand, also in Richtung des Bauches, lässt sich die Prostata am unmittelbarsten reizen.

Punkte

Körperregionen, die quasi auf Knopfdruck höchste Lust bescheren sollen, wurden erstaunlicherweise bislang nur bei Frauen propagiert. Der berühmteste ist nach seinem Entdecker Ernst Gräfenberg benannt. Es handelt sich eher um eine Zone, drei bis fünf Zentimeter hinter dem Scheideneingang an der Vorderseite der Vagina. Es gibt Frauen, denen der G-Punkt multiple Orgasmen beschert, doch längst nicht alle empfinden die Stimulation dort als besonders lustvoll. Vor allem wenn sie noch nicht sehr erregt sind, fühlt es sich bei vielen Frauen eher unangenehm an, wenn sie dort massiert werden oder der Penis dagegenstößt. Letzteres geht am besten, wenn er von hinten in sie eindringt (siehe Stellungen).

Am Ausgang der Harnröhre (Urethra) liegt der U-Punkt, der ebenfalls im Ruf steht, das Vergnügen am Sex eminent zu steigern. Er liegt allerdings so nahe am sichtbaren Teil des Kitzlers, dass selbst anatomisch Versierte sich mit der Unterscheidung schwer tun. Die Klitoris, zweifelsfrei das wichtigste Organ für die weibliche Lust, wird übrigens mittlerweile manchmal als K- oder - abgeleitet vom englischen Anfangsbuchstaben - als C-Punkt bezeichnet.

Safer Sex

Meint, dass beim Sex grundsätzlich Kondome benutzt werden, um sich und den Partner vor Geschlechtskrankheiten zu schützen. Die Safer-Sex-Kampagne wurde in den 1980er Jahren von Gesundheitsbehärden auf der ganzen Welt initiiert, mit dem Ziel, die rasante Ausbreitung des HI-Virus einzudämmen. Experten registrieren momentan mit Sorge, dass es vor allem Jüngere mit dem Kondom-schutz nicht mehr so genau nehmen - und dass die Infektionszahlen in Deutschland wieder steigen.

Schmerz

Bereitet der Geschlechtsverkehr einer Frau Schmerzen, sprechen Experten von einer Dyspareunie. Studien zufolge sind etwa zehn Prozent aller sexuell aktiven Frauen betroffen, nach den Wechseljahren sogar jede zweite. Eine Dyspareunie kann viele Ursachen haben, von mangelnder Lubrikation über Infektionen der Vagina und Geburtsverletzungen bis hin zu Entzündungen und Verwachsungen im Unterleib.

Um Erkrankungen auszuschließen oder zu behandeln, sollten Frauen den Arzt aufsuchen, wenn es beim Sex wehtut. Oft stecken aber auch psychische Gründe dahinter. Stress oder ein Beziehungskonflikt können verhindern, dass sich die für schmerzfreien Verkehr notwendige Erregung einstellt. Dann hilft eine Sexualtherapie weiter

Selbstbefriedigung

Sex an und für sich ist mit Sicherheit die am häufigsten praktizierte Sexualpraktik. Laut einer Studie der Universität Bonn befriedigen sich 90 Prozent aller Männer und 86 Prozent aller Frauen regelmäßig selbst - egal, ob jung oder alt (siehe Alter), solo oder in festen Beziehungen. Obwohl die Hände bestimmt schon immer unter die Bettdecken wanderten, wurde die Masturbation von der American Medical Association erst 1972 für normal erklärt.

Lange Zeit galt Onanieren als minderwertige Ersatzbefriedigung für sexuell Unausgelastete. Heute ist es für viele nichts anderes als eine weitere erotische Spielart, die unabhängig vom Sex zu zweit gedeiht - und diesen sehr bereichern kann. Denn wer sich dem lustvollen Solo widmet, weiß, wie sein Körper reagiert, was ihn erregt, wo Berührungen besonders lustbringend sind und wie er zum Orgasmus kommt.

Sexspielzeug

Was man darunter versteht, hängt von der Definition ab. Alle sexuellen Hilfsmittel? Dann gehören auch Pornos dazu, ebenso wie das Öl für die erotische Massage. Wer Sextoys sagt, meint aber wahrscheinlich die Spielsachen, die findige Geister zum direkten Einsatz an den Geschlechtsorganen konstruierten, also Cock-Ringe, Dildos und Vibratoren.

Der Form des Phallus nachempfunden, sind die beiden Letzteren, nur dass Vibratoren vibrieren und Dildos nicht. Der Durex-Report 2006 fördert zutage, dass jede fünfte deutsche Frau eine der Varianten ihr eigen nennt. Es könnten mehr sein, denn 31 Prozent der Frauen haben sich nur noch keinen angeschafft, weil ihnen der Kauf peinlich ist. Es gibt unzählige Varianten, klein, groß, der Natur nachempfunden oder poppig bunt.

Sexualtherapie

Darf nur von Ärzten und Psychologen angeboten werden, die die entsprechende Zusatzausbildung erworben haben. Es handelt sich um eine besondere Form der Psychotherapie, die bei diversen sexuellen Funktionsstörungen angewendet wird, von der Erektilen Dysfunktion über den vorzeitigen Samenerguss, Orgasmusschwierigkeiten bis hin zu Schmerzen beim Verkehr.

Wie sich die Sexualtherapie gestaltet, hängt von der Art der Störung ab. Am Anfang steht die Analyse des Problems, also beispielsweise unter welchen Umständen die Erektionsstörung auftritt. Darauf basierend, wird dann versucht, eine Lösung zu erarbeiten, wobei Kommunikation und verhaltenstherapeutische Maßnahmen im Mittelpunkt stehen. Zur Sexualtherapie kann man auch allein gehen, die meisten Paare werden aber zusammen behandelt. Nicht zuletzt, weil sich hinter sexuellen Störungen oft Partnerschaftskonflikte verbergen. Wenn die Behandlung von einem Arzt angeordnet wurde, übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten.

Stellungen

Mehr als 600 verschiedene Stellungen für den Geschlechtsverkehr sind angeblich dokumentiert (siehe Kamasutra). Wer sein eigenes Repertoire an zwei Händen abzählen kann, muss sich aber nicht als Langweiler fühlen, denn bei den meisten handelt es sich um teils winzige Variationen von fünf weithin bekannten Grundpositionen. Bei der Missionarsstellung liegt die Frau mit gespreizten Beinen auf dem Rücken, der Mann dazwischen. Weil man sich so küssen, miteinander reden und anschauen kann, erfreut sich der Klassiker im Bett immer noch größter Beliebtheit.

Variante 2, die Reiterstellung: Die Frau ist obenauf, entweder sitzend oder liegend. Weil sie dabei nicht nur das Tempo, sondern auch Eindringtiefe und -winkel des Penis selbst kontrollieren können, mögen nicht wenige Frauen es so besonders gern.

"A tergo" bedeutet von hinten. Diese Position erlaubt eine sehr tiefe Penetration, außerdem stößt der Penis dabei an die vordere Wand der Vagina, also dahin, wo sich der G-Punkt (ü Punkte) befindet.

Im Sitzen, mit einander zugewandten Gesichtern, ist Grundposition Nummer vier und beliebt bei beiden Geschlechtern, weil man sich so intensiv aneinander schmiegen kann. Bleiben die Stellungen, bei denen Mann und Frau auf der Seite liegen. Etwa das Löffelchen, bei dem er von hinten in sie eindringt. Und so beide Hände frei hat, um ihren Busen oder ihre Klitoris zu stimulieren.

Stress

Als Libidokiller Nummer eins in deutschen Schlafzimmern gilt Stress. Zu Recht, sagt der Hannoveraner Sexualmediziner und -psychologe Uwe Hartmann: "Das sexuelle System und das Stresssystem sind nicht kompatibel." Auf Hektik und Druck reagiert der Körper mit der Freisetzung verschiedener Botenstoffe. Unter dem Einfluss dieser Stresshormone, das wichtigste ist Cortisol, drosseln die Hoden die Produktion von Testosteron. Und auch bei Frauen sinkt die Konzentration der Sexualhormone. Kurzfristig ist das kein Problem. Doch ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel lässt das sexuelle Verlangen unweigerlich schwinden.

Vorzeitiger Samenerguss

Die Ejaculatio praecox, wie der vorzeitige Samenerguss medizinisch heißt, ist eine der häufigsten Sexualstörungen des Mannes. Nach medizinischer Definition liegt dann eine Ejaculatio praecox vor, wenn der Mann nicht in der Lage ist, seine > Ejakulation so weit zu kontrollieren, dass der Geschlechtsverkehr für beide Partner befriedigend ist. Und zwar nicht ab und zu, sondern regelmäßig, über einen Zeitraum von sechs Monaten. Schlimmstenfalls hat er bereits einen Orgasmus, bevor sein Penis überhaupt in die Vagina eindringen kann.

Über die Ursachen ist wenig bekannt. Auslöser könnte nach Ansicht von Experten eine Art Fehlschaltung der Ejakulationssteuerung im Rückenmark sein, psychische Probleme verstärken die Störung dann. Um länger durchzuhalten, versuchen viele Männer, ihr Erregungsniveau per Selbsttherapie zu senken, etwa indem sie beim Sex im Kopf Rechenaufgaben läsen. Häufig mit dem Ergebnis, dass die Partnerin sich zu Recht missachtet fühlt und er zwar keine richtige Erektion mehr hat, aber trotzdem vorzeitig kommt. Mit fachlicher Hilfe lässt sich das Problem beseitigen.

Erfolgversprechend ist eine Sexualtherapie. Außerdem gibt es Medikamente, die die Phase bis zum Orgasmus auf unbekannten Wegen verlängern. Sie gehören zu den Antidepressiva und sind auf Dauer keine Lösung, denn sie mindern generell die Lust auf Sex. Kurzfristig eingesetzt, können sie aber sehr effektiv sein. Männer erleben dann, wie es ist, länger durchzuhalten, und allein das hilft schon weiter.

Wechseljahre

In den Wechseljahren kommt es zu Veränderungen bei den weiblichen Sexualhormonen. Die Eierstöcke drosseln die Produktion der Östrogene. Dadurch werden die Vaginalschleimhäute dünner und produzieren weniger Sekret (siehe Lubrikation). Weil die Scheide dann nicht mehr feucht genug wird, haben viele Frauen Schmerzen, wenn sie mit ihrem Partner schlafen.

Abhilfe schaffen Salben oder Zäpfchen, die Estriol enthalten, ein ebenfalls zu den Östrogenen gehörendes Hormon. Sie steigern die Durchblutung der Schleimhaut und wirken so der Trockenheit entgegen. Auch Gleitcremes gewährleisten, dass es beim Sex wieder schmerzfrei flutscht. Jede Frau reagiert anders auf die hormonelle Umstellung. Bei einigen sinkt mit dem Östrogenspiegel auch das sexuelle Verlangen.

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