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Flugreisen und Klimawandel: Stinken Flugreisen zum Himmel?

"Rügen statt Rimini", "Sylt statt Seychellen" - Politiker fordern Mäßigung bei Flugreisen, um den Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 zu senken. Dabei gibt es Möglichkeiten, wie man klimatisch korrekt Urlaub machen kann, ohne auf Spaß und Erholung verzichten zu müssen.

Von Björn Erichsen

Die neuen Prognosen des Weltklimarates über das Ausmaß des Wandels haben in Deutschland eine Debatte über die Klimaverträglichkeit des Flugverkehrs ausgelöst. Politiker von Union und SPD sprachen sich dafür aus, auf Fernreisen zu verzichten und stattdessen Ziele in Deutschland anzusteuern. "Sylt statt Seychellen" und "Rügen statt Rimini" lauten die plakativen Ratschläge der selbst vielfliegenden Volksvertreter.

"Umweltbewusste Verbraucher sollten sich bei Kurzstrecken einschränken"

Vermutlich ist es gut gemeint, tatsächlich hat der Flugverkehr großen Anteil an der Klimaerwärmung. Und daran würde sich angesichts hoher Wachstumsraten von rund fünf Prozent so schnell auch nicht ändern, selbst wenn auch internationale Flüge künftig Emissionsbeschränkungen unterworfen wären. Für das Jahr 1992 bezifferten Experten den Anteil des Flugverkehrs am menschengemachten Treibhauseffekt mit etwa 3,5 Prozent. "Aktuelle Schätzungen gehen von einer höheren Wirksamkeit der Emissionen aus. Danach trägt der Flugverkehr heute bis zu neun Prozent bei Erwärmung bei", sagte Klima-Experte Sven Harmeling von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation "Germanwatch" stern.de.

Doch Flug ist natürlich nicht gleich Flug. Es versteht sich, dass die Umwelt bei einer Reise von Hamburg nach Hongkong die Umwelt stärker belastet, als ein Flug von Berlin nach Bonn. Doch macht es deswegen tatsächlich Sinn, dem Vorschlag der Politik zu folgen und auf Fernreisen zu verzichten? "Der umweltbewusste Verbraucher könnte sich vor allem bei den Kurzstrecken von etwa 500-700 Kilometer einschränken, wenn es entsprechende Alternativen gibt", sagt Harmeling. Auf diesen Strecken schneidet das Flugzeug gegenüber anderen Verkehrsmitteln am schlechtesten ab: "Zum Vergleich: Auf der Strecke von Düsseldorf nach München bläst ein Flugzeug rund 150 Kilogramm CO2 in die Luft - bei der gleichen Distanz sind es beim Auto rund 110,6 auf der Schiene lediglich 32,1."

Flugzeuge produzieren auch Wasserdampf

Die Anzahl der Kurzflüge ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Vor allem durch das rasant steigende Angebot der Billigflugangebote sind immer mehr Menschen in der Lage, sich für die Urlaubsreise mit dem Flugzeug zu entscheiden. Dabei klafft das Verhältnis zwischen Verweildauer und Reisezeit immer weiter auseinander - wer früher noch übers Wochenende ins nahegelegene Grüne fuhr, kurztrippt heutzutage auf Mallorca - und sorgt damit für höhere Emissionen.

Neben dem aus der Kerosinverbrennung entstehenden Kohlendioxid tragen Flugzeuge auch noch auf andere Weise zur Verschärfung des Treibhauseffektes bei: Der aus den Triebwerken ausgestoßene Wasserdampf führt zur Bildung von Kondensstreifen und Cirruswolken. Sie stören den empfindlichen Strahlungshaushalt der Erde, da auch sie Wärmeabstrahlung der Erde in den Weltraum behindern. Das betrifft vor allem die Interkontinentalflüge, da diese für einen längeren Zeitraum in einer Höhe von über 9000 Metern fliegen, wo Schadstoffe eine wesentlich längere Verweildauer haben.

Atmosfair bietet CO2-Ausgleich

Wer gegen diesen Effekt etwas tun möchte, müsste wohl tatsächlich auf die Fernreise verzichten, denn eine wirkliche Alternative wie bei den Kurzstrecken, wo man auf Alternativen wie Auto oder die Bahn umstiegen könnte, steht nicht bereit. Der Deutsche Reiseverband (DRV) hält es aber für realitätsfern, dass die Deutschen nur noch im Inland Urlaub machen sollen. DRV-Präsident Klaus Laepple kritisiert diese Forderungen als "reinen Populismus und Effekthascherei". An die Politik wendet sich Laepple mit konkreten Forderungen: Dazu gehöre die zügige Umsetzung einer einheitlichen europäischen Flugsicherung, weniger Warteschleifen am Himmel durch einen schnellen und bedarfsgerechten Ausbau der großen Verkehrsflughäfen, eine Optimierung der Flugstrecken und eine schnelle Erhöhung der Triebwerkeffizienz.

Aber auch bis dahin kann - wer weiterhin fliegen muss oder will - etwas gegen den Treibhauseffekt tun: Zum Beispiel mit der Organisation . Wer eine Flugreise plant, kann sich auf deren Webseite anzeigen lassen, wie viele klimaschädliche Treibhausgase bei diesem speziellen Flug entstehen - und den Schaden durch Zahlungen für Klimaschutzprojekte im Ausland ausgleichen. Wer beispielsweise von Frankfurt/Main nach Palma de Mallorca will - und damit für insgesamt 700 Kilogramm Kohlendioxid-Ausstoß verantwortlich ist - zahlt 14 Euro an . Kritiker haben dies schon mal "modernen Ablasshandel" genannt - doch sind solche Ansätze allemal wirksamer als all die Fensterreden aus Berlin.