HOME

Vogelgrippe in Deutschland: "Besorgniserregend": Geflügelpest rafft etliche Wildvögel dahin

Tote Vögel in Schleswig-Holstein und jetzt auch am Bodensee: In Deutschland grassiert die Vogelgrippe. Der festgestellte Virentyp H5N8 gilt als hochansteckend. Experten sind alarmiert.

Eine tote Reiherente liegt am Ufer des Plöner Sees.

Die Vogelgrippe grassiert in Deutschland – mehr als 100 Tiere verendeten am Plöner See in Schleswig-Holstein

Dutzende tote Reiherenten, Blässhühner, Möwen und ein Schwan in Schlweswig Holstein – und nun auch tote Vögel am Bodensee: In Deutschland grassiert die Vogelgrippe. Die Behörden haben bei mehreren verendeten Tieren Vogelgrippeviren des hochansteckenden Subtyps H5N8 gefunden. Das teilte das schleswig-holsteinische Umweltministerium bereits am gestrigen Dienstag mit. Für die am Bodensee verendeten Tiere folgte die Bestätigung heute vom baden-württembergischen Agrarministerium.

"Das akute Krankheitsgeschehen bei den Wildvögeln ist in dieser massiven Ausprägung besorgniserregend", erklärte Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne). "Der Befund ist Anlass für extrem hohe Wachsamkeit." Bestimmte Stämme der Geflügelpest können auch bei Menschen schwere Erkrankungen auslösen – vor allem der Typ H5N1, dem schon mehr als 400 Menschen erlagen. H5N8 gehört nach bisherigen Kenntnisstand jedoch nicht dazu.

Vogelgrippe: Behörden finden hochpathogene Keime

In den vergangenen Tagen waren an den Ufern von mehreren benachbarten Seen in der Nähe von Plön im östlichen Schleswig-Holstein mehr als hundert tote Wasservögel entdeckt worden, darunter Enten, Möwen, Blässhühner, Gänse und Schwäne. Die Behörden schickten einige Kadaver an spezialisierte Labore wie das bundeseigene Friedrich-Löffler-Institut (FLI).

Dem Ministerium zufolge wies das FLI Erreger der Aviären Influenza oder auch Vogelgrippe vom Subtyp H5N8 nach, bei denen es sich zudem um eine gefährliche Variante handelt. Nur bei derart hochpathogenen Subtypen sprechen Experten von Geflügelpest. Sie sind für Geflügel hochgradig tödlich und können dadurch große wirtschaftliche Schäden anrichten.

Verendete Wildvögel keinesfalls anfassen

Zum Schutz der Bestände ordnete das Umweltministerium umgehend eine Stallpflicht für alle Geflügelbestände in Schleswig-Holstein an. Es soll verhindern, dass Nutztiere mit Wildvögeln in Kontakt kommen. Auch aus Polen, Kroatien und Ungarn wurden Vogelgrippe-Fälle gemeldet. Unklar ist allerdings noch, ob es einen Zusammenhang zwischen allen Ausbrüchen gibt und es sich um die gleiche Virusvariante handelt.

Seit November 2014 wurden hochpathogene H5N8-Viren in mehreren Geflügelbetrieben in Deutschland und anderen europäischen Ländern entdeckt. Infektionen von Menschen mit diesen Viren sind laut FLI bislang weltweit nicht nachgewiesen worden. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung "theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich".

Wem tote Vögel auffielen, solle die Behörden kontaktieren, hieß es seitens des schleswig-holsteinischen Ministeriums. Ansonsten gälten die "üblichen Vorsichtsmaßnahmen". Kadaver sollten nicht angefasst werden.

ikr / DPA / AFP