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Klimakonferenz der UN: Nicht mehr als heiße Luft?

Heute beginnt im südafrikanischen Durban der nächste Weltklimagipfel. Doch mit einem Durchbruch rechnet niemand - zu festgefahren sind die Verhandlungen über ein globales Klimaabkommen.

Von Lea Wolz

Und jährlich grüßt der Klimagipfel. Oder? Wer dieses Gefühl hat, liegt richtig: Am Montag treffen sich Klimaexperten und Politiker im südafrikanischen Durban - zur nächsten UN-Klimakonferenz. Dem Klima geht es eben kaum besser als dem Euro. Auch hier tagt man daher um zu retten, was noch zu retten ist. Und die Zeit drängt.

Erst kürzlich meldete das US-Energieministerium, dass 2010 weltweit soviel CO2 ausgestoßen wurde, wie nie zuvor. Und der Energiehunger der Welt wächst weiter: Einem Szenario der Internationalen Energieagentur zufolge steigt er bis 2025 um ein Drittel.

Das Ziel, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad begrenzen, scheint kaum noch machbar. "Um es mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent zu erreichen, müssten die Industrieländer die CO2-Emissionen deutlich senken - um 80 Prozent von 2000 bis 2050", sagt Reimund Schwarze, Reimund Schwarze, Klimaökonom am Climate Service Center am Helmholtzzentrum in Geesthacht.

stern.de erklärt, worum es beim Weltklimagipfel in Durban geht und wie die Aussichten auf einen Erfolg stehen.

Warum geht es bei dem Thema nicht voran?

Zwar sind schon jetzt einige Folgen des Klimawandels zu spüren, doch viele Prognosen gelten für eine aus heutiger Sicht weit entfernte Zukunft. Kurzfristige nationale Interessen stehen daher mitunter langfristigen Klimazielen im Weg. Ein weiteres Problem: Auch wenn mittlerweile ein wiessenschaftlicher Konsens herrscht, dass die Erderwärmung durch den Menschen verursacht ist, gibt es noch viele Unsicherheiten, wie sie sich konkret auswirkt. Das hat auch der Sonderbericht des Weltklimarates IPPC gezeigt, der im Vorfeld von Durban veröffentlicht wurde.

Wer sind die Blockierer?

Bis jetzt gibt es nur eine einziges verbindliches Abkommen, das eine Verminderung des C02-Ausstoßes festlegt: das Kyoto-Protokoll, das 1997 verabschiedet wurde und im kommenden Jahr ausläuft. Darin haben sich die Industrienationen mit Ausnahme der USA verpflichtet, ihren Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase zu senken. Das Problem: Diese Staaten haben an den weltweiten Emissionen mittlerweile lediglich einen Anteil von 15 Prozent. Eine drängende Frage wird daher in Durban sein, wie große CO2-Emittenten wie die USA, China, Indien oder Russland mit eingebunden werden können. Die Chancen für ein neues, umfassendes Kyoto-Protokoll stehen schlecht. Vor allem die USA und China blockieren die Verhandlungen. Die USA sehen vor allem ihren großen Widersacher China in der Pflicht. Denn China hat die Vereinigten Staaten mittlerweile überholt und belegt auf der Rangliste der größten CO2-Sünder den ersten Platz. China wiederum verlangt, dass die Industrienationen im Klimaschutz vorangehen. Denn insgesamt gesehen, haben die USA und Europa bis jetzt am meisten CO2 in die Luft gepustet.

Was steht diesmal auf der Tagesordnung?

In Durban geht es in erster Linie darum, ob eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls gelingt. "Der Gipfel ist endgültig die letzte Chance, um die Verpflichtungen für die Industrieländer fortzusetzen", sagt Schwarze. Ansonsten laufe das Protokoll aus, ohne dass es eine Nachfolgeregelung gebe. "Die rechtliche Form muss uns unbedingt erhalten bleiben, denn es hat zehn Jahre gebraucht bis dieses Instrument von allen akzeptiert wurde", sagt Schwarze. Mit einem neuen, umfassenden Klimaabkommen, rechnet allerdings niemand. Erfolge könnten die Klimaexperten beim Waldschutz und bei dem Aufbau des im mexikanischen Cancún vereinbarten Grünen Klimafonds erzielen. Aus diesem sollen Entwicklungsländer Geld erhalten, um sich an den Klimawandel anzupassen. Der Plan sieht vor, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für den Fonds bereitzustellen. Woher das Geld kommen soll, ist zum größten Teil noch unklar.

Wer reist an?

In Durban treffen sich Delegierte aus mehr als 190 Staaten. 15.000 Klimaexperten werden in der Stadt an der Ostküste Südafrikas erwartet. Daneben reisen Politiker, Journalisten und Promis an. So sind Angelina Jolie und Arnold Schwarzenegger als Ehrengäste geladen. Zu Entscheidungen dürfte es auf der Konferenz wohl erst ab dem 6. Dezember kommen. Dann beginnen die Verhandlungen auf Ministerebene. Für Deutschland wird Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor Ort sein. "Die Staatsoberhäupter, wie wir sie in Kopenhagen gesehen haben, werden erst wieder bei der großen Rio-Konferenz im Sommer 2012 zusammenkommen", sagt Schwarze.

Wie stehen die Chancen für einen Erfolg?

Um es gleich zu sagen: Auch die Erwartungen an die Weltklimakonferenz in Durban sind eher gering. Auf die von Öl und Kohle abhängigen USA, die internationale Vorgaben strikt ablehnen, setzt keiner mehr Hoffnungen. Die EU will laut Klimakommissarin Connie Hedegaard in Durban zumindest einen Fahrplan und eine Frist für den Abschluss eines neuen Vertrages auf den Weg bringen. Den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen gegenüber 1990 um 20 Prozent zu verringern - zu diesem Ziel haben sich die EU-Länder bereits verpflichtet. Nun wären sie sogar bereit, den Wert auf 30 Prozent zu erhöhen. Ihr Voranschreiten haben sie allerdings an eine Bedingung geknüpft: Andere Industrieländern müssen ähnliche Anstrengungen unternehmen. Auch von den Entwicklungsländern fordern sie einen Beitrag ein. China und andere große Schwellenländer wiederum wollen nur über ein Nachfolgeabkommen verhandeln, wenn sich zuvor die Industrieländer auf weitere verbindliche CO2-Reduktionen nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls einigen. Russland, Japan oder Kanada erwarten, dass zuerst Regeln für die Schwellenländer festgesetzt werden. "Wir sind in der schlechten Situation, wo einer auf den anderen wartet und keiner Vorleistungen erbringen will", sagt Schwarze. Deutsches Verhandlungsziel ist es laut Delegationskreisen, in Durban einen Fahrplan oder ein Mandat für Verhandlungen über ein späteres umfassendes Klimaabkommen festzulegen. Dies könnte ein "Kyoto 2", auf das vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer dringen, einschließen. Umwelt- und Entwicklungsverbände hoffen darauf, dass es gelingt, China durch das Versprechen eines "Kyoto 2" wenigstens die grundsätzliche Bereitschaft zu eigenen Verpflichtungen zu entlocken. Dies könnte eine positive Dynamik erzeugen, sagt Jan Kowalzig von der Organisation Oxfam.

Welche politische Alternativen gibt es?

Eine Alternative zu einem "Kyoto 2" wären zum Beispiel bilaterale Vereinbarungen - etwa zwischen der EU und China oder Brasilien. "Wir müssen den Prozess am Leben halten", sagt Schwarze. "Das CO2, das wir jetzt in die Atmosphäre eintragen, bleibt dort 3000 Jahre."

mit Agenturen