Klimawandel "Niemand ist sicher"


Die globale Erwärmung des Klimas betrifft alle und sie ist nicht mehr zu verhindern. Allenfalls lässt sie sich bremsen. Wie stark, werden die nächsten zwei Jahrzehnte zeigen.

Es war ein ernüchterndes Ergebnis, zu dem die Klimaforscher zum Abschluss einer internationalen Klimakonferenz in Peking kamen: "Der Zweck dieses Treffens war eigentlich, ein sicheres Niveau zu finden, bis zu dem globale Erwärmung toleriert werden kann. Wir haben es nicht gefunden", sagte der oberste Klimaexperte der US- Umweltorganisation The Nature Conservancy, Earl Saxon.

Die Erwärmung um ein Grad würde Afrika, Australien und den Regenwald gefährden, zwei Grad die Landwirtschaft in Südasien. Zweieinhalb Grad bereits würden das gefrorene Meerwasser der polaren Ozeane - immerhin sieben Prozent des Wassers der Weltmeere - in 100 Jahren völlig wegschmelzen lassen.

Innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte muss gehandelt werden

Dabei würden Wissenschaftler und Politiker schon von einem Erfolg sprechen, wenn bis 2050 die Grenze von zwei Grad Erwärmung nicht überschritten wird. "Dafür müssen wir innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte handeln", mahnte Carlo Jaeger (Potsdam), Präsident des Europäischen Klimaforums (ECF), das 60 Wissenschaftler aus 26 Ländern nach Peking gebracht hatte. Selbst die Ratifizierung des Kyoto- Protokolls durch Russland konnte die Stimmung kaum verbessern. "Die damit geplante Verringerung der Treibhausgase wird die weltweite Temperatur kein bisschen beeinflussen", sagte Ola Johannessen vom Nansen-Zentrum (Norwegen) voraus. Viel größere Einschnitte wären nötig, doch psychologisch sei es wichtig. Das Kyoto-Protokoll setze einen Mechanismus in Gang. Wenn nächstes Jahr die Nachfolgeverhandlungen für "Kyoto 2" beginnen, könnten endlich die bevölkerungsreichsten Länder der Erde, China und Indien, einbezogen werden. "Niemand bleibt außen vor, niemand ist sicher", sagte der russische Experte Wladimir Sacharow.

Die Energieinvestitionen Chinas spielen eine entscheidende Rolle

Das war nicht nur Kritik an den USA, die sich unter Präsident George W. Bush aus dem Kyoto-Prozess ausgeklinkt haben, sondern zielte auch auf China. Nach den USA ist die Volksrepublik heute der zweitgrößte Kohlendioxidproduzent, als Entwicklungsland aber von Beschränkungen ausgenommen. ECF-Präsident Jaeger hält "gewaltige Investitionen" für nötig, um den Hauptenergieträger Kohle effizienter und sauberer zu verbrennen. Da die rasant wachsende, siebtgrößte Wirtschaftsnation ohnehin Milliarden in die Energieindustrie stecken müsse, komme es darauf an, das Geld "weise" auszugeben. "China spielt eine wichtige Rolle in unseren globalen Bemühungen."

Wie schlecht es um den Planeten steht, zeigt der Nordpol, der als "Frühwarnsystem" fungiert. Michael Pederson von der Inuit Circumpolar Conference (ICC) berichtete, wie bedrohlich die Lage der Eskimos in Alaska geworden ist. "Die Tiere sind nicht mehr gesund." Das Fell sei dünner geworden, ihr Fleisch schlechter. Fliegen nisteten sich ein. Das Eis werde brüchig. Jäger brächen ein, zahlten mit ihrem Leben. Ältere Stammesmitglieder könnten das Wetter nicht mehr vorhersagen. "Das Meereis taut immer schneller weg."

Unabsehbare Folgen

Indem das Schnee bedeckte, gefrorene Ozeanwasser zurückgeht, verschwinden nicht nur lebenswichtige Jagdgebiete für Eskimos, sondern das Sonnenlicht wird auch nicht mehr wie bisher zurückgespiegelt, was eine entscheidende Rolle im Klimasystem der Erde spielt. "Die Inuit sind ein kleines Volk, aber ihr Schicksal hat enorme Auswirkungen auf den Rest der Welt", warnte Rechtsberater Paul Crowley. "Wenn sich die Arktik erwärmt, fließt mehr Frischwasser ins Meer", erläuterte US-Forscher Saxon. Meeresströme werden dadurch beeinflusst, was abrupte Klimawechsel auslösen kann, wie es der Film "The Day After Tomorrow" eindringlich zeigte. Auch wenn nicht gleich eine Eiszeit wie in dem Hollywood-Streifen ausbricht, seien die Folgen kaum abzuschätzen. Daneben steigt der Meeresspiegel. Nur drei Grad wärmere Temperaturen bedeuten global drei bis fünf Meter höhere Meeresspiegel in 300 Jahren. Die Zeit bis dahin mag lang erscheinen, aber Städte wie Amsterdam, Venedig oder London gäbe es dann längst nicht mehr.

Von Andreas Landwehr, DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker