Klimawandel Das Wasser und große Dürre


Experten schlagen Alarm: Der Klimawandel bringt den Wasserhaushalt unseres Planeten durcheinander. Hochwasser werden ebenso zunehmen wie Wasserknappheit - mit fatalen Folgen für die Menschen.

Mehr als ein Sechstel der Weltbevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten im Sommer von Wasserknappheit bedroht sein. Die Klimaerwärmung führt den Prognosen zufolge dazu, dass die Schneeschmelze immer früher eintritt und ein Großteil des Wassers auf Grund fehlender Speichermöglichkeiten ungenutzt ins Meer abfließt. Auch beim Rhein werden die Pegelstände früher steigen und im Sommer häufiger und länger auf niedrige Werte fallen. Über diese und weitere Auswirkungen der Klimaerwärmung berichten US-Forscher in zwei Übersichtsartikeln des Fachblatts "Nature".

So werde die Menschheit in einer wärmeren Welt auch vermehrt gesundheitliche Probleme bekommen. Schon heute sterben nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich etwa 150.000 Menschen an den direkten oder indirekten Folgen des Klimawandels. Als Gründe nennen die Forscher um Jonathan Patz von der University of Wisconsin in Madison unter anderem Tote bei Hitzewellen. Sie befürchten mit steigenden Temperaturen eine stärkere Verbreitung von Insekten, die Krankheiten übertragen, und höhere Ernteausfälle.

Hochwasser wechselt mit Wasserknappheit

Am Rhein steigen die Temperaturen den Klimamodellen zufolge bis zur Mitte des Jahrhunderts um ein bis knapp zweieinhalb Grad. Die Erwärmung werde dazu führen, dass der Wasserstand des Rheins immer mehr von den Regenfällen abhängen wird, berichten die Forscher um Tim Barnett von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla (Kalifornien). Im Winter wird es häufiger Hochwasser geben, Trockenperioden im Sommer werden öfter auftreten und länger anhalten.

Industrie, Landwirtschaft und die Haushalte werden sich dann in den Sommermonaten die knappen Ressourcen teilen müssen, die Schifffahrt wird durch den niedrigen Wasserstand eingeschränkt werden, berichten die Forscher weiter. Auch könne weniger Energie durch Wasserkraft gewonnen werden, die Einnahmen der Tourismus-Branche in den Alpen werden auf Grund einer verkürzten Skisaison zurückgehen.

Im Westen der USA werde die globale Erwärmung dazu führen, dass um das Jahr 2050 herum das Frühjahrshochwasser etwa einen Monat früher einsetzt als bisher, schreibt das Forscherteam. Da es nicht genügend Wasser-Reservoire zum Speichern der ablaufenden Wassermassen gebe, werde das Wasser ausgerechnet im Sommer, wenn der Bedarf am höchsten ist, knapp.

Treibhaus-Effekt am Meeresboden

Nach Erkenntnissen von Kieler Forschern wird der Treibhaus-Effekt in den kommenden Jahrhunderten sogar auch den Meeresboden der Tiefsee erreichen. Die Öffentlichkeit unterschätze die Rolle der Ozeane beim Klimawandel, sagte der Wissenschaftler Gregor Rehder. Methangas-Vorkommen unter dem Meer würden sich aus Gashydraten im Meeresboden lösen und aufsteigen. Ein Temperaturanstieg um drei Grad am Meeresgrund bewirke nach gängigem Szenario, dass die Hälfte der gebundenen Methan-Vorkommen abgegeben werde. Dies könne große Spätfolgen haben.

Selbst nach konservativen Schätzungen seien die Klimaauswirkungen beträchtlich, sagte Rehder. Der Meeresboden als aktiver Player des Klimawandels werde in der Umweltpolitik bisher noch stiefmütterlich behandelt. Ein Grund sei, dass es hier um sehr langfristige Prozesse über viele Generationen gehe. Die Klimapolitik arbeite jedoch im Regelfall mit Szenarien für die kommenden 100 Jahre. Ob die Bakterien und Kleintiere am Meeresboden bei größerer Erwärmung des Meeresbodens wie bisher noch den größten Teil des Methans abfangen könnten, sei noch Gegenstand der Forschung.

Ähnlich wie bei der Lufterwärmung sei der Prozess selbst durch mit einer sofortigen radikalen Drosselung des Kohlendioxid-Ausstoßes nur noch abzumildern, aber nicht mehr aufzuhalten. Die Meeresböden in 2000 und mehr Metern Tiefe werde die Erwärmung erst sehr spät erreichen. Die Polarregionen könnten jedoch bald betroffen sein.

DPA DPA

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