Nach Klimabericht Merkel lehnt generelles Tempolimit ab


Nach dem alarmierenden IPCC-Klimabericht hat EU-Umweltkommissar Stavros Dimas Deutschland zu größeren Anstrengungen beim Klimaschutz aufgerufen. Andere Länder seien näher an ihren Kyoto-Zielen als Deutschland. Dennoch will Bundeskanzlerin Merkel kein generelles Tempolimit auf Autobahnen.

"Deutschland muss sich seiner Verantwortung und Vorbildfunktion gerade beim Klimaschutz bewusst werden", sagte Dimas. "Wenn Deutschland sich quer stellt, macht der Rest Europas nicht mit. Und wenn Europa nicht mitmacht, macht die ganze Welt nicht mit. Dann können wir alle einpacken. Ich appelliere hier an das Verantwortungsgefühl aller Deutschen."

Großbritannien und Schweden näher am Kyoto-Ziel als Deutschland

Deutschland unternehme zwar "ehrliche Bemühungen, ist aber leider derzeit keineswegs Vorreiter beim Klimaschutz", sagte Dimas. Mehrere andere Staaten seien bereits näher an ihrem Kyoto-Ziel, zum Beispiel Großbritannien und Schweden. "Andere wiederum verstecken sich hinter Deutschland. Erst wenn Deutschland den schönen Reden Taten folgen lässt, können auch die anderen sich nicht mehr verstecken." Dimas beschrieb die Folgen des Klimawandels mit den Worten: "Die Schäden durch Stürme und Überschwemmungen werden höher und unvorhersagbarer. Die Jahreszeiten spielen verrückt. Pflanzen und Tiere kommen völlig durcheinander. Ernten gehen zurück. Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage."

Merkel gegen Tempolimit auf deutschen Autobahnen

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht einem generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen auch angesichts des neuen UN-Klimaberichts ablehnend gegenüber. Diese Diskussion sehe sie nicht, sagte Merkel in der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Viele Autobahnen seien bereits mit Verkehrsleitsystemen ausgestattet oder auf Richtgeschwindigkeiten ausgerichtet. "Das dient dem Klimaschutz." Merkel hatte sich zuletzt auch gegen pauschale Abgasgrenzwerte für die Autoindustrie ausgesprochen, wie sie die Europäische Union (EU) fordert. Stattdessen wolle die Regierung zu einer sektoralen Reduktion kommen, betonte sie in dieser Woche.

US-Regierung lehnt nach UN-Klimabericht einseitige Maßnahmen ab

Die US-Regierung hat sich als Reaktion auf einen neuen UN-Bericht über die Erderwärmung gegen einseitige Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ausgesprochen. Der US-Anteil am Ausstoß von Treibhausgasen sei nur "gering, wenn man sich den Rest der Welt ansieht", sagte US-Energieminister Sam Bodman am Freitag. "Nötig ist wirklich eine weltweite Diskussion." Zugleich bekräftigte er die ablehnende Haltung seiner Regierung gegen verbindliche Grenzwerte für den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid.

Allein auf das Konto der USA gehen ein Viertel der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen und ein Viertel des Rohölverbrauchs. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush hat noch vor einiger Zeit Zweifel daran geäußert, dass die Klimaerwärmung auf menschliche Einflüsse zurückgeht. "Dieses Thema steht nicht mehr zur Debatte", sagte Bodman nun. Ein Sprecher Bushs bezeichnete den UN-Bericht als wertvoll und wichtig. In einer Erklärung der US-Regierung hieß es, das Papier werde "als wichtige Informationsquelle für Entscheidungsträger dienen". Die demokratische Umweltpolitikerin Barbara Boxer forderte, der Bericht müsse ein "Weckruf" für Politiker sein, die das Thema Klimawandel bislang ignoriert hätten.

Die Vereinten Nationen (UN) hatten die Menschheit am Freitag mit ihrer bislang schärfsten Warnung vor den Folgen des Klimawandels dazu aufgerufen, entschlossen umzusteuern. Als Folge der erwarteten Erderwärmung um durchschnittlich 1,8 bis 4,0 Grad muss den Forschern zufolge mit einem Anstieg der Meeresspiegel, dem Abschmelzen von Gletschern, Dürreperioden und Hitzewellen gerechnet werden. Im schlimmsten Falle drohe ein Temperaturanstieg um bis zu 6,4 Grad und die Erhöhung des Meeresspiegels um mehr als einen halben Meter bis zum Ende des Jahrhunderts. Nunmehr stehe zu 90 Prozent fest, dass der Mensch den Treibhauseffekt durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe verursache, hieß es in dem in Paris veröffentlichten Bericht.

AP/Reuters AP Reuters

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