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Ölpest im Golf von Mexiko Neues Leck am BP-Bohrloch?


Im Kampf gegen die Ölpest vor der US-Küste gibt es offenbar neue Probleme. Die US-Regierung befürchtet, dass ein neues Leck entlang des vier Kilometer langen Förderschachtes entstanden sein könnte.

Im Golf von Mexiko sickert möglicherweise Öl aus einem neuen Leck im Meeresboden. Die US-Regierung befürchtet, dass der vier Kilometer tiefe Förderschacht dem erhöhten Druck nach dem vorübergehenden Verschluss des Bohrlochs nicht standgehalten haben könnte. Krisenkoordinator Thad Allen forderte am Sonntag den britischen Energiekonzern BP in einem Schreiben auf, die Probleme unverzüglich zu untersuchen.

Die jüngsten Ergebnisse der Messungen an dem mit einer Abdichtkappe verschlossenen Bohrloch ergaben laut US-Regierung, dass in der Nähe Kohlenwasserstoffe aus dem Meeresboden aufsteigen. Da Kohlenwasserstoffe auch in Rohöl vorkommen, sei dies ein Zeichen für ein mögliches Leck.

Allen verlangte von BP, einen Plan für die schnellstmögliche Öffnung der Abdichtkappe vorzulegen, sollte sich der Ölaustritt bestätigen. Außerdem beklagte er "andere Unregelmäßigkeiten", die bei den jüngsten Belastungstests an der Vorrichtung aufgetreten seien. So sei beispielsweise der Druck in der Steigleitung nicht wie erwartet gestiegen. Dies könnte ebenfalls auf ein Leck hindeuten. Oder das Rohölreservoir leert sich durch das Ausströmen des Öls seit drei Monaten langsam.

Schlamm und Zement sollen Loch verschließen

BP hatte am Donnerstag die drei Ventile des Abdichtzylinders geschlossen und damit zum ersten Mal seit dem Beginn der Katastrophe vor drei Monaten das Auslaufen des Öls gestoppt. Die Tests an der Vorrichtung sollen zeigen, ob das Bohrloch und der Förderschacht dem durch das Verschließen der Ventile entstehenden Druck standhalten.

BP hatte die Hoffnung geäußert, die Testphase so lange fortzusetzen, bis die Ölquelle komplett verschlossen ist. Der britische Konzern will nach eigenen Angaben in rund zwei Wochen damit beginnen, das lecke Bohrloch zunächst mit schwerem Bohrschlamm und dann mit Zement zu verschließen. Die dafür nötige Entlastungsbohrung steht offenbar kurz vor dem Durchbruch: Laut BP müssen die Ingenieure noch rund 30 Meter waagerecht bohren, um die Ölquelle zu erreichen.

Allen machte jedoch deutlich, dass über die Verlängerung der Belastungstests an der Abdicht-Vorrichtung weiter in 24-Stunden-Schritten entschieden werde. "Wir müssen sicherstellen, dass kein bleibender Schaden entsteht, der ein unkontrolliertes Austreten von Öl aus zahlreichen Stellen im Meeresboden verursachen könnte", warnte er.

Supertanker "A Whale" wird nicht eingesetzt

Auch über Wasser gibt es schlechte Nachrichten: Der taiwanesische Supertanker "A Whale" ("Ein Wal") wird sich nicht am Kampf gegen die schlimmste Ölpest der US-Geschichte beteiligen. Nach eingehender Prüfung durch Experten und die US-Küstenwache seien die Behörden zu dem Schluss gekommen, dass das 340 Meter lange Schiff für den Einsatz "nicht ideal ausgestattet ist", teilte die Einsatzleitung mit.

Die Menge des während eines Probelaufs gesammelten Öls sei "vernachlässigenswert" gewesen. Von dem Supertanker hatte es geheißen, er könne durch zwölf am Bug befindliche Öffnungen fast 80 Millionen Liter Meerwasser täglich einsaugen, die dann im Bauch des Riesen gesäubert werden sollten. Tests waren aber enttäuschend verlaufen, weil das Öl-Wasser-Gemisch nicht dickflüssig genug war.

Die BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" war im April nach einer Explosion gesunken. Bislang strömten Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge zwischen 366 Millionen Liter und 715 Millionen Liter Öl ins Meer. Das entspricht einer 58- bis 112-fachen Menge dessen, was 1989 bei der Ölkatastrophe der Exxon Valdez in Alaska ausgelaufen war.

Mithilfe der neuen Abdichtkappe war ursprünglich vorgesehen, das am Meersboden in rund 1500 Metern Tiefe austretende Öl vollständig aufzufangen und an Bord von Schiffen an die Oberfläche zu leiten. Dabei würde nach Einschätzung von Experten jedoch zumindest vorübergehend wieder Öl ins Meer fließen.

AFP/DPA/swd DPA

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