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Skurrile Nobelpreise: Viagra für den Hamster

Er wird auch der Anti-Nobelpreis genannt: Der Ig-Nobelpreis zeichnet besonders skurrile und interessante Entdeckungen aus. Dieses Jahr bei den Ehrungen ganz vorn: Viagra für Hamster und Vanille aus Kuhdung.

Viagra könnte das neue Mittel der Wahl gegen Jet-Lag werden. Zumindest Hamstern half die Potenzpille nach einer erzwungenen Zeitverschiebung, wieder zu ihrem natürlichen Rhythmus zurückzufinden. Für diese Erkenntnisse bekam Patricia Agostino von der Universität in Quilmes (Argentinien) eine ganz besondere Auszeichnung: den Ig-Nobelpreis für Fortschritte in der Luftfahrt. Bereits zum 17. Mal vergab die Jury der Zeitschrift "Annals of improbable research" in Cambridge (USA) ihre "Nobelpreise der anderen Art".

Die Bezeichnung Ig-Nobelpreise erinnert an das englische Wort "ignoble" - schändlich oder unwürdig. Im ausverkauften Sanders Theater in Cambridge, einen Steinwurf von der berühmten Harvard- Universität entfernt, flogen wieder einmal die Papierflieger, als die diesjährigen Preisträger bekannt gegeben wurden. Ein Deutscher war zuletzt im Jahr 2005 darunter.

Dinge aus dem täglichen Leben

Die Anwendungsgebiete mancher der preisgekrönten Forschungen scheinen dabei eher begrenzt zu sein: So etwa die Untersuchungen, die Brian Whitcomb und Dan Meyer im "British Medical Journal" zu den Nebenwirkungen des Schwertschluckens veröffentlichten und für die sie den Preis für Medizin bekamen. Die meisten Preisträger dagegen beschäftigten sich mit Dingen, die uns im täglichen Leben umgeben. So ging der Biologiepreis an Johanna van Bronswijk von der Technischen Universität Eindhoven (Niederlande). Sie untersuchte die Insekten, Spinnen, Milben, Pilze und Bakterien, die sich in niederländischen Betten tummeln.

Der Chemiepreis wurde sogar sofort ökonomisch verwertet. Er ging an Mayu Yamamotu vom International Medical Center in Japan für eine neue Methode, aus Kuhdung Vanillearoma zu gewinnen. Eine Eisdiele in Cambridge kreierte gleich eine neue Sorte: das "Yum-a-Moto Vanilla Twist"-Eis.

Auch auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften gab es Neues. Juan Manuel Toro und seine Mitarbeiter von der Universität Barcelona fanden, dass Ratten rückwärts gesprochenes Japanisch nicht von rückwärts gesprochenem Niederländisch unterscheiden können. Neben dieser etwas exotischen Studie könnten die Forschungen der Literaturpreisträgerin die Arbeit von Bibliothekaren und Archivaren revolutionieren: Glenda Browne aus Blaxland (Australien) untersuchte eingehend die Probleme, das Wörtchen "the" angemessen in Indizes und alphabetischen Listen unterzubringen.

Fast alle Forscher waren selbst in Cambridge und konnten ihre Preise in Empfang nehmen. Eine Ausnahme machten die Preisträger des diesjährigen Friedenspreises ý er ging an eine ungenannte Gruppe von Wissenschaftlern des Air Force Wright Laboratory in Dayton (USA) für die Erforschung von Chemikalien, die Soldaten Abneigung oder plötzliche unwiderstehliche Zuneigung zueinander empfinden lassen sollten.

Auch Kuo Cheng Hsieh aus Taiwan konnte nicht kommen - weil ihn die Veranstalter nach eigenen Angaben auch nach vielen Versuchen nicht aufspüren konnten. Er sollte den Preis für Wirtschaft bekommen, und zwar für seine im Jahr 2001 patentierte Methode, Bankräuber mit einem Netz zu fangen.

DPA / DPA