Tsunami-Schutz Indonesien will deutsches Frühwarnsystem


Deutsche Geoforschungszentren hatten den von der Flutkatastrophe betroffenen Regionen ein Tsunami-Frühwarnsystem angeboten. Nun soll das deutsche System, das das schnellste und modernste ist, in Indonesien und Sri Lanka errichtet werden.

Fünf Wochen nach der Flutkatastrophe in Asien hat sich Indonesien für das deutsche Tsunami-Frühwarnsystem entschieden. "Wir sind zuversichtlich, bald einen entsprechenden Vertrag mit Indonesien unterschreiben zu können", sagte der stellvertretende Sprecher des Bundesforschungsministeriums, Peter Ziegler, der dpa und bestätigte damit einen ZDF-Bericht. Auf der thailändischen Urlauberinsel Phuket einigten sich am Samstag derweil Vertreter von mehr als 50 Staaten und Organisationen bei einer weiteren Tsunami-Konferenz auf den Aufbau mehrerer Warnsysteme rund um den Indischen Ozean. Damit scheiterte unter anderem Thailand mit dem Vorschlag, ein zentrales System bei sich anzusiedeln.

Deutsches Messsystem zunächst in Indonesien und Sri Lanka

Die indonesische Zustimmung zum deutschen System fügt sich gut in das von den Forschern entworfene Konzept. Danach soll das System zunächst in Indonesien und Sri Lanka errichtet werden. Später könnte das Netz nach den Vorstellungen Rolf Emmermanns, dem Vorstandsvorsitzenden des GFZ, auf die gesamte Region des Indischen Ozeans ausgeweitet werden. Für den Aufbau der ersten Stufe veranschlagen die Forscher 25 Millionen Euro, die Gesamtkosten werden auf 45 Millionen Euro beziffert. Nach Vorstellung der Unesco soll bis 2007 sogar ein globales Warnsystem entstehen. Bereits von Oktober an soll den Angaben zufolge ein deutsches Forschungsschiff Meeresbojen vor den Küsten Indonesiens auslegen. Diese könnten Wellenbewegungen per Funktechnik an Rechenzentren übertragen.

Der Plan für das deutsche Tsunami-Frühwarnsystem im Indischen Ozean war in Zusammenarbeit des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ), der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover sowie dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) in Kiel erarbeitet worden. Nach jüngsten Schätzungen riss die Flutwelle rund um den Indischen Ozean am 26. Dezember insgesamt etwa 280.000 Menschen in den Tod.

Deutsches System schneller und zuverlässiger als das der Amerikaner und Japaner

Die Grundidee beider Systeme ist gleich: Drucksensoren am Meeresboden melden jede Riesenwelle und jede Erschütterung eines Seebebens via Bojen und Satellit an Überwachungsstationen an der Küste. Dort werden die Daten ausgewertet, bei einer Gefährdung wird die Bevölkerung alarmiert. In wichtigen Detailfragen sehen die deutschen Wissenschaftler ihre Entwicklung jedoch im Vorteil: Diese soll schneller als das US-System arbeiten und weniger Fehlalarme auslösen.

"Unsere Drucksensoren arbeiten zuverlässiger und können - anders als im Pazifik - Hintergrundgeräusche von Tsunami-Wellen unterscheiden", erläutert der Direktor des am deutschen Konzept beteiligten Leibniz-Institutes für Meereswissenschaften in Kiel, Peter Herzig. "Mit einer Kombination von mit GPS ausgestatten Bojen und Satelliten können wir außerdem in Echtzeit und sehr genau die Meeresoberfläche beobachten", sagt Emmermann. Auf diese Weise sollen die Tod bringenden Tsunami-Wellen genauer von anderen hohen Wellen unterschieden werden können.

Schnelle Warnungen nötig

Um bedrohte Anwohner alarmieren zu können, bevor die mit bis zu 1.000 km/h auf die Küste zurollenden Tsunami-Wellen an Land schlagen, ist eine rasche Verarbeitung aller Daten nötig. Dazu haben die Wissenschaftler laut Emmermann eine weltweit einzigartige Software entwickelt, mit der die Datenstationen in den betroffenen Ländern ausgerüstet werden müssen.

Die Potsdamer Geoforscher verfügen schon jetzt über ein weltweites Netz mit 50 Messstationen. "Ein bis drei Minuten nach einem Erdbeben wissen wir, wo und in welcher Stärke es aufgetreten ist", erklärt Emmermann. Diese Erfahrungen können beim Aufbau des Frühwarnsystems helfen. Allerdings klafft im Gebiet des Indischen Ozeans eine Lücke im Messnetz, die geschlossen werden muss.

Ziegler rechnet damit, dass Forschungsministerin Edelgard Bulmahn auf einer Konferenz in Jakarta Mitte März einen Vertrag mit Indonesien unterzeichnen wird. Das deutsche Tsunami-Frühwarnsystem sei flexibel und dezentral, außerdem könne es wegen seiner modularen Bauweise mit anderen Technologien zusammenarbeiten. Bereits auf der UN-Konferenz zur Katastrophenvorsorge im japanischen Kobe hätten alle Teilnehmer die Vorteile des deutschen Systems anerkannt.

Ein zentrales Netz wäre überfordert

Neben Thailand hatten sich eingangs auch Indien und Indonesien angeboten, bei sich ein zentrales Tsunami-Frühwarnsystem einzurichten. In einem Kompromiss einigten sich die Konferenzteilnehmer auf Phuket jedoch darauf, ein dezentrales Netz von Warnzentren aufzubauen, die dann von der Internationalen Ozeanografischen Kommission der Vereinten Nationen koordiniert werden sollen. "Wir müssen die nationalen und lokalen Systeme entwickeln. Die sind am wichtigsten", sagte der Sprecher des indonesischen Außenministeriums, Marty Natelegawa. Die Probleme seien viel zu komplex, um von einem einzelnen Zentrum bewältigt zu werden.

Ebenfalls auf der thailändischen Urlauberinsel beginnt an diesem Montag eine Sonderkonferenz der Welt Tourismus Organisation (WTO) der Vereinten Nationen. Ziel der zweitägigen Beratungen sei die Verabschiedung eines Aktionsplans, um die Erholung des Tourismus in der Katastrophenregion zu beschleunigen, teilte die WTO mit.

Die von der Flutwelle besonders schwer verwüstete indonesische Provinzhauptstadt Banda Aceh wurde derweil am Samstag von einem Nachbeben der Stärke 5,7 erschüttert. Neue Verletzte oder Schäden wurden nicht gemeldet. Das Epizentrum lag vor der Nordwestküste Sumatras. Durch die Naturkatastrophe kamen im Norden der Insel nach jüngsten Angaben 232.000 Menschen ums Leben oder wurden zunächst noch vermisst. Im Südwesten Thailands starben nach Schätzungen mehr als 8000 Menschen, darunter auch zahlreiche westliche Touristen.

lubb mit Agenturen


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