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Verhaltensforschung: Krähen im Teamwork-Test

Wie gut jemand im Team arbeiten kann, ist nicht nur im Vorstellungsgespräch gefragt. Biologen untersuchen, wie Tiere miteinander kooperieren. Nun haben britische Biologen die Zusammenarbeit von Saatkrähen getestet. Ergebnis: Die Vögel sind Teamplayer - mit Einschränkungen.

Die hohe Intelligenz von Rabenvögeln haben Biologen schon mehrfach in Experimenten bestätigt. Die kognitiven Leistungen der Vögel reichen in manchen Fällen an die Leistungen von Primaten heran. Weitgehend unerforscht war bislang, ob die Vögel auch wie Primaten zusammenarbeiten können, um Hindernisse zu überwinden.

Um das herauszufinden, setzten Wissenschaftler der Universität von Cambridge Saatkrähen einen Futterbehälter vor, an den sie nur durch Kooperation gelangen konnten. Dazu legten sie eine Schnur locker durch zwei Ringe, die mit den Futterbehältern verbunden waren. Um die Behälter in ihre Reichweite zu bringen, mussten die Tiere an beiden Enden der Schnur ziehen. Zog nur ein Tier an einem Schnurende, glitt der Faden einfach durch die Ringe und das Futter blieb unerreichbar. Die Schnurenden lagen so weit auseinander, dass ein Tier allein den Test nicht meistern konnte. Ihre Ergebnisse präsentieren die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

Wenn zwei Krähen gleichzeitig in den Experimentierkäfig gesetzt wurden, gelang es den Tieren schnell, das Rätsel zu lösen - vor allem dann, wenn sich die beiden Vögel gegenseitig sympathisch waren. In einem zweiten Experiment ließen die Forscher die eine Krähe erst zeitverzögert in den Experimentierkäfig gelangen. Ihre Annahme: Würde das erste Tier auf seinen Artgenossen warten, so deute das darauf hin, dass die Krähen die Aufgabe tatsächlich verstanden hätten.

Affen verstanden den Versuch

Schimpansen, die diesen Versuch absolvieren, warten meist auf den Artgenossen und demonstrieren so ein grundlegendes Verständnis der Versuchsanordnung. Die Krähen taten dies nicht. Keiner der acht getesteten Vögel machte Anstalten, auf den nahenden Artgenossen zu warten.

Vielmehr versuchten die Tiere stets, die Aufgabe alleine zu lösen. Das Team um die Psychologin Amanda Seed führt diesen Unterschied auf das Sozialverhalten der Tiere zurück: Während Krähen in stabilen Gemeinschaften leben und lebenslange Freundschaften pflegen, ändert sich das soziale Gefüge in Schimpansengruppen ständig. Daher sind die Affen besser darauf vorbereitet, mit anderen Artgenossen zusammenzuarbeiten.

DDP / DDP
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