Wüstenstromprojekt Frankreich will ein eigenes Desertec


Das ehrgeizige Wüstenstromprojekt Desertec bekommt Konkurrenz: Auch Frankreich will nun Solar- und Windenergie aus Afrika nach Europa transportieren. Von konkreten Vorhaben sind beide Initiativen allerdings noch weit entfernt.

Nicht nur in Deutschland hat das Wüstenstromprojekt Desertec für viel Aufsehen gesorgt. Auch Frankreich steht jetzt in den Startlöchern, um Solar- und Windenergie aus Afrika nach Europa zu holen. Dazu will es die eigene Initiative Transgreen anschieben, die vor allem die zum Stromtransport nötigen Hochspannungsleitungen durch das Mittelmeer planen soll. Am Dienstag will Frankreich in Kairo bei einem Treffen der Energieminister der 43 Unionsstaaten der Mittelmeerunion den Startschuss für Transgreen geben. Ein Konkurrenzprojekt zu Desertec?

Tatsächlich hat die Desertec-Initiative bei ihrer Gründung vergangenes Jahr in Frankreich einige Unruhe ausgelöst. Denn das Konsortium aus Konzernen wie Siemens, Eon und RWE zielt auf traditionelles französisches Einflussgebiet - Länder wie Marokko, Algerien oder Tunesien. Desertec hat inzwischen versucht, den Ruf als rein deutsche Initiative loszuwerden. So wurden Gesellschafter aus Marokko, Spanien, Italien und - mit Saint-Gobain Solar - auch aus Frankreich aufgenommen.

Beide Projekte sollen sich ergänzen

Gegenüber Transgreen haben die Desertec-Mitglieder ihrerseits keine Berührungsängste: "Wir werden dem Konsortium beitreten", sagt Siemens-Sprecher Alfons Benzinger. Der deutsche Konzern sei für Transgreen "ein natürlicher Partner", da er "technologisch führend bei der energiesparenden Übertragung von Strom über weite Strecken" sei. In Konkurrenz sieht Benzinger beide Projekte nicht. "Das ergänzt sich." Auch Desertec hat nach eigenen Angaben keine Probleme mit Transgreen. "Selbstverständlich werden diese beiden Initiativen eng zusammenarbeiten", sagt Desertec-Sprecher Alexander Mohanty. Auf Managementebene habe es "schon engere Kontakte" gegeben. Und Transgreen konzentriere sich "in erster Linie" auf den Stromtransport, während Desertec auch die Stromerzeugung anschieben wolle. "Insofern sehen wir das als absolut komplementär an."

Milliardenkosten allein für die Infrastruktur

Angesichts der Milliardenkosten für die Infrastruktur ist eine internationale Zusammenarbeit bei dem Wüstenprojekt ohnehin unausweichlich. Beide Initiativen sind zudem noch weit von konkreten Vorhaben entfernt. Transgreen soll bis 2012 erst einmal Machbarkeitsstudien für unterseeische Hochspannungsleitungen erstellen. Bisher gibt es nur eine solche Verbindung: eine Doppelleitung zwischen Marokko und Spanien unter der Straße von Gibraltar mit einer Kapazität von 1400 Megawatt - so viel wie ein modernes Atomkraftwerk produzieren kann. Das ist viel zu wenig für die ehrgeizigen Wüstenstrompläne. Denn Desertec will bis 2050 bis zu 15 Prozent des europäischen Stromverbrauchs aus Afrika holen.

Darüber hinaus sieht sich Desertec auch gar nicht als Konsortium, das letztlich Anlagen in den Wüstensand setzen wird. "Wir werden kein Geld einsammeln, um dann in Afrika ein Kraftwerk zu bauen", sagt Mohanty. Desertec wolle lediglich die Rahmenbedingungen für das Megavorhaben schaffen. "Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, wer wann und wo den Strom in Europa abnimmt." Nur wenn das geklärt sei, würden Firmen bereit sein, in die Wüstenprojekte zu investieren, sagt Mohanty. Mit wem die Kraftwerke dann gebaut würden, sei Sache der Unternehmen.

Dass Frankreich nun die Mittelmeerunion für Transgreen wählt, scheint sinnvoll. In ihr sind nicht nur alle EU-Länder, sondern auch Nordafrika und die Nahost-Region einschließlich Israels vertreten. Ein Solarplan der im Juli 2008 nach langem Tauziehen mit Deutschland gegründeten Union sieht bereits den Bau von Kraftwerken mit einer Kapazität von 20 Gigawatt bis zum Jahr 2020 in Afrika vor. Fünf Gigawatt davon sollen nach Europa transportiert werden.

AFP AFP

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