Öko-Lebensmittel Einkaufsführer für Bio-Einsteiger


Bio-Nahrung ist gut für Mensch, Tier und Umwelt, aber auf was muss man achten und was ist wirklich sinnvoll?

Auch der beste Bio-Bauer kann den Verschmutzungen in Luft, Boden und Wasser nicht ganz entgehen. Allein in Deutschland kommen jährlich 30.000 Tonnen Pestizide auf die Äcker. Da können durch Abdrift von Nachbarfeldern auch auf biologisch angebautem Obst, Gemüse und Getreide Spritzmittel landen.

Untersuchungen zeigen jedoch, dass Obst und Gemüse aus Öko-Anbau nur sehr geringfügig mit Rückständen aus Pflanzenschutzgiften belastet ist, während im Gros der konventionellen Proben häufig sogar mehrere Spritzmittel nachgewiesen werden. Da leicht löslicher Stickstoffdünger im Öko-Landbau nicht erlaubt ist, steckt in Bio-Obst und -Gemüse außerdem deutlich weniger Nitrat.

Schon von daher ist Bio für die Gesundheit die bessere Wahl. Zudem wurde nachgewiesen, dass in Obst und Gemüse vom Bio-Hof deutlich mehr gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe, wie zum Beispiel Farb-, Geschmacks- und Duftstoffe, enthalten sind, als in herkömmlich angebautem Grünzeug. Und in Bio-Milch fanden Wissenschaftler besonders viel konjugierte Linolsäure, die möglicherweise vor Krebs schützt.

Doch Bio-Ware ist teuer. Nicht jeder kann es sich leisten, seine Ernährung komplett umzustellen. Das ist aber auch nicht nötig: Schon wenn Sie bei nur einem Lebensmittel auf Bio umsteigen, tun Sie eine ganze Menge für Ihre Gesundheit und für eine saubere Umwelt.

Denn durch die Flächenbindung und den Verzicht auf Gift und Kunstdünger verringert Bio-Landbau den Treibhauseffekt, erhält die Fruchtbarkeit der Böden, sorgt für Artenvielfalt und hält das Trinkwasser sauber. Nach Berechnungen des NABU bringt jeder Liter Bio-Milch 2,5 Quadratmeter mehr an giftfreier Fläche, und der jährliche Öko-Brotkonsum einer vierköpfigen Familie schafft Lebensraum für ein Feldlerchen-Paar.

Tiere wissen instinktiv, dass Bio besser für sie ist: Bei Futterwahlversuchen entscheiden sich Kaninchen, Hühner und Ratten meist für Öko-Futter. Zu Recht: Sie nehmen schneller zu, sind fruchtbarer, erholen sich besser von Krankheiten, und die Sterberate beim Nachwuchs ist geringer. Im Kopenhagener Zoo suchten sich Affen systematisch die Bio-Bananen aus und aßen sie mitsamt der Schale. Konventionell angebaute Früchte schälten sie zuerst.

Fleisch
Die Dumping-Preise für Fleisch sind nur mit industrieller Massentierhaltung möglich - für die Tiere ist das eine Quälerei. Sie stehen in der Regel auf Betonplatten mit Schlitzen, dem so genannten Spaltenboden, der das Ausmisten überflüssig macht, denn Harn und Kot sammeln sich in darunter liegenden Kanälen. Damit die Tiere schnell zunehmen, bekommen sie spezielles, mit Leistungsförderern versetztes Kraftfutter und häufig prophylaktisch Antibiotika. Um die Produktionskosten niedrig zu halten, werden die Tiere arbeitsteilig von einem spezialisierten Betrieb zum nächsten gereicht, oft über große Entfernungen. Den Stress der Transporte überstehen sie nur mit zusätzlichen Medikamenten.

Machen Sie Fleisch wieder zu dem, was es eigentlich ist: ein Luxus. Setzen Sie es nur ab und zu auf Ihren Speiseplan, aber dafür in Bio-Qualität. Den Tieren ersparen Sie damit unnötiges Leid, und Sie selbst bekommen Fleisch mit Geschmack, das nicht in der Pfanne schrumpft und nicht mit Stresshormonen und Medikamenten belastet ist.

Fleisch von Tieren, die genmanipuliertes Futter gefressen haben, fällt nicht unter die neue Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte. Wer Wert darauf legt, solche Lebensmittel zu vermeiden, kann nur bei Bio-Fleisch sicher sein.

Milch
Die meisten deutschen Milchkühe sehen ihr Leben lang keine Weide - die durchschnittlich 30 Cent, die der Bauer je Liter erhält, lassen einen solchen Luxus nicht zu. Stattdessen stehen sie in künstlich beleuchteten Ställen auf Beton-Spaltenoden, durch dessen Ritzen Kot und Urin in eine Güllegrube fallen. Damit sie kontinuierlich Milch geben, müssen sie möglichst jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen, das erste schon mit zwei Jahren. Da sind sie selbst noch nicht ausgewachsen, und so geht ihre Milchleistung auf Kosten ihres eigenen Wachstums. Die Kälber bekommen Milchaustauscher oder werden geschlachtet.

Die zu Höchstleistung gepushten Kühe geben heute im Schnitt 8000 Liter Milch im Jahr, manche sogar 10.000. Ein Zeichen für Gesundheit ist das nicht: In den vergangenen vier Jahrzehnten steigerte sich die Milchleistung deutscher Kühe um 30 Prozent, gleichzeitig aber stieg die Zahl der Eutererkrankungen um 600 Prozent. Unter artgerechten Bedingungen kann eine Kuh 20 Jahre alt werden. In einem konventionellen Milchbetrieb schafft sie höchstens sieben.

Bio oder konventionell: Für Ihre eigene Gesundheit ist das nicht entscheidend. Milch wird während des gesamten Produktionsablaufs ständig kontrolliert und ist daher in jedem Fall chemisch einwandfrei. Wenn Sie jedoch artgerechte Haltung unterstützen wollen, nehmen Sie Bio. Hier haben Sie außerdem die Garantie, dass die Tiere kein genmanipuliertes Futter bekommen haben.

Gemüse
Im konventionellen Anbau geht es um Masse. Bei der Auswahl der Sorten sind Ertrag und Aussehen entscheidend, nicht Robustheit oder Eignung für das jeweilige Klima. Das macht die Pflanzen anfällig für Schädlinge. Also wird gespritzt. Oft mit verschiedenen Pestiziden, damit keines den Grenzwert überschreitet. Durch leicht löslichen Stickstoffdünger kommt außerdem noch eine Extraportion Nitrat ins Gemüse.

Eigentlich kommt darum nur Bio infrage - wäre da nicht der Preis. Versuchen Sie es mit einer Kombination: Kaufen Sie konventionelles Gemüse, wenn es Saison hat (einen Saisonkalender finden Sie unter www.was-wir-essen.de/download/Saisonkalender.pdf), und bevorzugen Sie Ware aus Deutschland. Sie ist in der Regel weniger belastet und hat keine langen Transporte hinter sich. Ersetzen Sie dann nach Lust und Laune immer mal wieder eine Sorte, oder probieren Sie, wie Ihr Lieblingsgemüse in der Bio-Variante schmeckt. Oder machen Sie den Einstieg mit Kartoffeln, testen Sie den Geschmacksunterschied, genießen Sie die Vielfalt. Während der jeweiligen Saison sind die Preisunterschiede am geringsten.

Seien Sie misstrauisch bei billigen Importen und Gemüse, das deutlich vor der eigentlichen Saison auf den Markt kommt wie Frühkartoffeln oder Spargel. Es ist häufig stark belastet.

Obst
In vielen Mittelmeerländern liegen schon ganze Landstriche unter Folie, weil sich so Obst und Gemüse unabhängig von der Saison liefern lassen. Doch die feuchte Hitze macht die Pflanzen besonders anfällig für Pilze, also wird auch in Gewächshäusern und unter Plastik reichlich gespritzt. Für den Transport wird die Ware dann noch zusätzlich präpariert, zum Beispiel mit Fungiziden gegen Schimmel.

Doch selbst heimische Äpfel bekommen noch am Baum bis zu 30 Giftduschen. Der Verbraucher erfährt davon nichts. Nur bei Zitrusfrüchten muss der Hersteller angeben, ob die Schale behandelt wurde. Eine lückenlose Kontrolle gibt es nicht; die Lebensmittelüberwachung kann immer nur Stichproben nehmen. Und selbst wenn dabei Ware gefunden wird, die wegen überschrittener Grenzwerte nicht verkauft werden dürfte, ist es meist schon zu spät.

Wirkliche Sicherheit bieten auch hier nur Bio-Produkte. Doch das geht ins Geld. Sie tun Ihrer Gesundheit (und der Umwelt) aber schon dann einen Gefallen, wenn Sie nur ein Obst, das Sie regelmäßig essen, durch Bio ersetzen. Öko-Äpfel zum Beispiel sind nicht viel teurer als konventionelle. Machen Sie ansonsten auch beim Früchtekauf Herkunft und Saison zum Kriterium. Warten Sie zum Beispiel, bis Erdbeeren auch bei uns reif sind, und lassen Sie bis dahin Importe aus Südeuropa links liegen - sie sind meistens hoch belastet.

Bei Früchten, deren Schale nicht mitgegessen wird, kommt Ihre Entscheidung für Bio in erster Linie den Produzenten zugute. Bananen zum Beispiel werden noch an der Staude Plastiksäcke übergestülpt, die mit Insektizid beschichtet sind. Da sich das Gift hauptsächlich in der Schale anreichert, ist der Verbraucher hier weniger gefährdet, die Plantagenarbeiter aber sind den hoch toxischen Stoffen permanent ausgesetzt.

Fisch
Der größte Teil der Fischbestände im Meer ist überfischt. Doch Aquakulturen sind nur bedingt eine Alternative, weil sie ähnliche Probleme mit sich bringen wie die Massentierhaltung an Land: zu viele Tiere auf engem Raum - darunter leiden auch Fische und macht sie anfällig für Krankheiten. Vorbeugend kommen darum Medikamente ins Wasser, die später auch auf dem Teller landen. Gefüttert wird in der Regel Fischmehl, für das im großen Stil frei lebende Fische abgefangen werden. Dadurch werden ohnehin gefährdete Bestände zusätzlich dezimiert.

Die Massenproduktion von Shrimps hat verheerende Folgen: An den Küsten von Südamerika und Südostasien werden dafür Mangrovenwälder abgeholzt und Teiche angelegt. Dort schwimmen dann bis zu 200.000 Tiere pro Hektar in einer Mischung aus Salzwasser, Antibiotika, Pestiziden und ihrem eigenen Kot. Nach allerhöchstens zehn Jahren geht die Farm an ihrer eigenen Umweltzerstörung zugrunde. Zurück bleibt eine Salzwüste.

Leider sagt die EU-Öko-Verordnung nichts über Aquakulturen. Darum gibt es für Fisch und Shrimps noch kein einheitliches ÖkoSiegel, und das Angebot ist noch sehr klein.

Kaufen Sie grundsätzlich nur Fisch aus nicht gefährdeten Beständen und weichen Sie ansonsten auf Zuchtfisch aus, im Interesse Ihrer Gesundheit am besten aus Öko-Zucht. Bei Shrimps sollten Sie unbedingt zu Bio-Ware greifen.

Käse
Käse ist ein Naturprodukt. Trotzdem soll er in Geschmack und Konsistenz immer gleich sein. Bei der konventionellen Käseherstellung werden darum diverse chemische Hilfsmittel eingesetzt: Natriumnitrat und Lysozym verhindern Fehlgärungen, das Antibiotikum Natamycin in der Rinde schützt vor Schimmel, Beta-Karotin macht alles hübsch gelb. Das für die Reifung nötige Lab wird in der Regel mit genmanipulierten Coli-Bakterien gewonnen. Das fällt jedoch nicht unter die neue Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel.

Vom gesundheitlichen Standpunkt aus ist gegen konventionellen Käse nichts einzuwenden. Wenn Sie Wert auf Reinheit oder die artgerechte Haltung der Milchkühe legen, wählen Sie Bio. Da können Sie sogar die Rinde mitessen.

Brot
Auch im Bäckerhandwerk regieren Preisdruck und Masse, was kleine Bäckereien zum Aufgeben zwingt. Stattdessen beliefern 60 Riesenbetriebe 120.000 Tankstellen, Supermärkte und Filialketten mit Tütenbrot oder Teiglingen zum Fertigbacken. Damit alles schnell, bequem und billig geht, kommen diverse Zusatzstoffe in den Teig, hergestellt von Pharmariesen und Gentechnik-Konzernen. Enzyme und Emulgatoren zum Beispiel, oder Cystein, das gentechnisch oder aus Haaren von Asiaten hergestellt wird. Es macht die Kruste besonders aromatisch und sorgt für den scheinbar natürlichen Brötchenduft. Der Kunde erfährt von all dem nichts, denn eine Kennzeichnung für Backhilfen ist nicht vorgeschrieben.

Brot ist das ideale Versuchsobjekt für den teilweisen Umstieg. Bio-Brot ist frei von Zusatzstoffen und wird ohne künstliche Hilfsmittel, nur mit selbst hergestelltem Natursauerteig gemacht. Echtes Bäckerhandwerk also. Der Preisunterschied zur normalen Bäckerei ist gering, der Geschmack aber unschlagbar - und das Brot ist auch nach einer Woche noch nicht trocken.

Übrigens ist Bio nicht gleich Vollkorn. Auch ein ganz normales Baguette kann 100 Prozent bio sein.

Eier
Die meisten deutschen Legehennen werden in Käfigen gehalten. Das macht die Produktion einfach und billig. Zwar gibt es inzwischen auch so genannte ausgestaltete Käfige, in denen die Tiere etwas mehr Platz haben als in der klassischen Legebatterie, mit artgerechter Haltung hat das dennoch nichts zu tun. Etwas besser geht es den Hennen in Bodenhaltung. Sie haben Streu zum Scharren und Sitzstangen. Das Tageslicht bekommen aber auch sie nie zu sehen. Stattdessen wird ihre Eierproduktion durch künstliche Hell- und Dunkelphasen gesteuert.

Kaufen Sie möglichst Freiland- oder Bio-Eier. Käfighaltung ist Tierquälerei, Bodenhaltung nur etwas besser. In der Freilandhaltung hat jedes Huhn genug Platz und kann an der frischen Luft scharren und im Staub baden. Noch mehr Auslauf haben Hennen auf Bio-Höfen. Sie bekommen außerdem ausschließlich Öko-Futter. Medikamente und Gensoja sind tabu.

Die Art der Haltung erkennen Sie an dem seit Anfang des Jahres auf jedem Ei vorgeschriebenen Stempel:

0 = ökologische Haltung
1 = Freilandhaltung
2 = Bodenhaltung
3 = Käfighaltung

Kaffee
Durch den Anbau in riesigen Monokulturen ist Kaffee sehr anfällig für Schädlinge. Also wird regelmäßig gespritzt. Die Gifte bleiben zwar entweder in der Kaffeekirsche (und verseuchen das Grundwasser im Erzeugerland) oder werden durch das Rösten abgebaut, die Plantagenarbeiter aber vergiften sich täglich. Für Ihre Gesundheit macht es keinen Unterschied, ob Sie sich beim Kaffee für Bio oder konventionell entscheiden. Wenn Sie den Bauern und den Pflückern helfen wollen, kaufen Sie Bio-Kaffee.

Tee
In den traditionellen Anbaugebieten China, Indien und Japan kommen in der Regel große Mengen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, teilweise auch solche, die bei uns nicht zugelassen sind. Die Pestizide lösen sich im Wasser schwer, sodass sie nur zu etwa zehn Prozent in den gekochten Tee übergehen. Kürzere Ziehzeiten verringern die Schadstoffmenge.

Selbst wenn Sie ausschließlich konventionell angebauten Tee trinken, ist die Menge an Pestiziden, die Sie dadurch zu sich nehmen, letztlich gering. Wenn Sie trotzdem sichergehen wollen, kaufen Sie Tee aus ökologischem Anbau oder rückstandskontrollierten Tee.

Honig
Im Honig darf nichts anderes sein als Honig. Sagt die deutsche Honigverordnung. Die Stiftung Warentest hat kürzlich aber auch Rückstände von Arznei- und Bienenvertreibungsmitteln darin gefunden. Auch drei von sechs Bio-Honigen bekamen das Urteil "mangelhaft", zwei davon aufgrund von Rückständen. Ökologisch arbeitende Imker lassen ihre Völker die Waben immer wieder selbst bauen und dürfen die Bienen bei der Honigernte nur mit mechanischen Methoden fernhalten. Wem also das Wohl der Bienen am Herzen liegt, nimmt Bio-Honig - am besten aus Deutschland.

Wo gibt's denn so was?


Öko-Lebensmittel gibt es inzwischen im Supermarkt. Achten Sie auf das EG-Bio-Siegel. Frische Ware bekommen Sie am besten bei direkt vermarktenden BioBauern, die es überall in Deutschland gibt. Viele bieten "Gemüse-Abos" an, bei denen Ihnen regelmäßig ein wechselndes und auf Ihren Geschmack zugeschnittenes Sortiment an Obst, Gemüse und Kräutern nach Hause geliefert wird. Mehr dazu unter www.gemüsekiste.de
Unter www.allesbio.de finden Sie Bio-Anbieter Ihrer Region - von der Bäckerei über den Metzger bis zum Bio-Kisten-Abo

Zum Weiterlesen


Einen sehr guten Einstieg in das Thema bieten die Broschüren "Bio-Lebensmittel für Einsteiger" und "Lebensmittel aus ökologischem Landbau" vom AID Infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft, je zwei Euro, über www.aid.de

www.oekolandbau.de


Informative Seite des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft

www.soel.de


Seite der Stiftung Ökologie und Landbau mit Tipps, Studien und Meldungen

www.allesoeko.net


Die Seite der Verbraucherzentralen ist ideal für Einsteiger und behandelt alle wichtigen Fragen zu Bio-Kost und Bio-Landbau

www.transgen.de


Beantwortet Fragen zum Einsatz von Gentechnik aus Verbrauchersicht

www.freiheit-schmeckt-besser.de

Informationen zur Haltung von Legehennen

Ruth Hoffmann print

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