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Zweiter Weltkrieg: Schlacht von Dubno – mit 3000 Panzern wollte die Rote Armee den deutschen Überfall stoppen

Über 3000 Panzer traten den Deutschen in den ersten Kriegstagen bei Dubno entgegen. Heute ist die Schlacht vergessen. Die Sowjets verloren trotz ihrer Überlegenheit. Doch die Deutschen verspielten die Chance, Moskau zu erobern.

Toter Rotarmist vor seinem brennenden Panzer.

Toter Rotarmist vor seinem brennenden Panzer.

Eine der größten Panzerschlachten des Zweiten Weltkrieges ereignete sich 1941 unmittelbar nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion. Doch obwohl die Schlacht von Dubno fast die Dimension der Schlacht um Kursk erreichte, ist die Schlacht von Dubno oder auch Brody weitgehend unbekannt.

NS-Deutschland überfiel am 22. Juni 1941 die Sowjetunion. Die deutsche Erste Panzergruppe - im weiteren Verlauf des Krieges hätte man von einer Panzerarmee gesprochen - marschierte auf drei für Panzer geeigneten Straßen auf Kiew zu. Doch im dortigen Wehrbezirk und nicht etwa vor Moskau befand sich die größte Ansammlung gepanzerter und motorisierter Truppen der UdSSR.

Den deutschen Truppen standen sechs mechanisierte Korps gegenüber. Rein zahlenmäßig waren die Sowjets mit 3298 Panzern gegenüber 808 deutschen Panzern weit überlegen. Zwar machten leicht bewaffnete BT- und T-26-Panzer den Großteil der sowjetischen Streitkräfte aus, aber die Korps verfügten auch über 534 Panzer der Typen T-34 und KV-1. Beide Modelle waren den deutschen Panzern im Sommer 1941 weit überlegen. Der Schock der Deutschen war groß, da die deutsche Aufklärung nicht bemerkt hatte, dass diese Panzer existierten, obwohl sie schon in großer Zahl im Einsatz waren.

Komplexe Aufgaben für überforderte Einheiten

Im Prinzip waren die sowjetischen Gegenangriffe vielversprechend. Anstatt nur zu versuchen, die Deutschen an Ort und Stelle aufzuhalten, richteten sich die Attacken auf die drei Vormarschstraßen. Außerhalb dieser befestigten Routen war es für die Deutschen nicht möglich, Panzer und Versorgungsfahrzeuge in dieser Zahl zu bewegen. Obwohl der Krieg erst wenige Tage alt war, schienen die Sowjets ihre Lektion aus dem Bewegungskrieg gelernt zu haben. Wenn es ihnen gelänge, die Straßen hinter den deutschen Spitzen abzuschneiden, musste der deutsche Vormarsch zusammenbrechen.

Doch fehlte es in der Praxis an Ausbildung der Einheiten. Auch fehlte es an Treibstoff und panzerbrechender Munition. Der Munitionsmangel war so groß, dass die sowjetischen Tanker verzweifelt versuchten, die deutschen Panzer zu rammen. Technische Probleme, mangelhafte Ausbildung und das Fehlen von Mechanikern und Zugmaschinen führte dazu, dass die Hälfte der Panzer überhaupt kein Schlachtfeld erreichte. Insgesamt verlor die 10. Panzerdivision 307 Panzer. Davon wurden 153 abgeschossen, der Rest blieb defekt liegen. 

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Deutsche Panzergrenadiere vor einem Tiger Panzer.

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Hersteller

Nur lokale Erfolge

Die Rote Armee hatte den deutschen Überfall zur Unzeit erwischt. Sie befand sich inmitten einer großen Umstrukturierung, da man den deutschen Angriff erst 1942 erwartet hatte. Durch den Mangel an Funkverbindungen wurden die Angriffe der sowjetischen Korps nicht zentral koordiniert. In der Roten Armee herrschte nach den stalinistischen Säuberungen eine Mentalität der Angst. Zu Recht, denn auch in dieser Schlacht ließ Stalin Offiziere wahllos hinrichten. Viele Kommandeure weigerte sich, aus eigener Initiative zu handeln und warteten endlos auf Befehle.

Die Schlacht tobte vom 23. Juni bis zum 2. Juli. Sie löste sich in eine chaotische Folge einzelner Gefechte auf. Für die Rote Armee gab es eine Reihe örtlicher Erfolge, die dann aber nicht in einen entscheidenden Schlag verwandelt werden konnte. Das 9. Mechanisierte Korps unter General Konstantin Rokossovsky schlug die 13. deutsche Panzerdivision in einem Hinterhalt, den er in Folge einer Befehlsverweigerung eingerichtet hatte. Der spätere Marschall der Sowjetunion schrieb in seinen Memoiren: "Wir hatten wieder einmal einen Befehl zum Gegenangriff erhalten. Der Feind war uns jedoch so weit überlegen, dass ich die persönliche Verantwortung übernahm, den Befehl zu erteilen, die Gegenoffensive zu stoppen und den Feind in vorbereiteten Verteidigungsanlagen zu erwarten."

In dem bewaldeten und sumpfigen Gelände mussten die Deutschen auf der Straße bleiben.

"Das Artillerieregiment der 20. Panzerdivision setzte seine neuen 85mm-Kanonen zur Abdeckung der Straße ein und schoss die vorrückenden Panzer ab."

Es gab zahlreiche Gefechte, an denen auf deutscher Seite keine Panzer beteiligt waren, so der Militärhistoriker Roman Töpper. Auch die Deutschen setzten Artillerie und Flugabwehrkanonen gegen Panzer ein. Hier kam auch die sogenannte 8,8-Flak zum Einsatz. Wegen ihres hohen Baus war sie keine optimale Anti-Panzerwaffe, konnte aber sogar die T-34 und KV-1 des Gegners auf Entfernungen von über 2000 Metern vernichtend treffen.

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Niederlage mir Nebenwirkungen

Trotz der massiven Kräfte entwickelte sich die Schlacht zu einem sowjetische Fehlschlag. Die eingesetzten Korps erlitten enorme Verluste und konnten den deutschen Vormarsch auf Kiew doch nicht stoppen. Laut Töppel haben die Sowjettruppen 2000 Panzer verloren, die Verluste der Deutschen betrugen nur 85 Kampfpanzer und 5 bis 10 Befehlswagen.

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Eine Kolonne T-34 fährt an einem zerstörten Panzer IV vorbei.

Eine Kolonne T-34 fährt an einem zerstörten Panzer IV vorbei.

Hersteller

Doch indirekt half die Schlacht von Dubno sehr. Der Widerstand hier ermöglichte es den anderen Truppen des Frontabschnitts sich geordnet zurückziehen, sodass es zu keiner großen Einkesselung kam. Angesichts der Kämpfe gruppierten die Deutschen ihre auf Moskau vorstoßende Kräfte um. Letztlich führte dies dazu, dass sich der deutsche Angriff auf die Hauptstadt verzögerte und die Chance, die Stadt einzunehmen, verspielt wurde.

Ende des Blitzkriegskonzeptes

Schon in den ersten Kriegstagen erkannte die deutsche Heeresgruppe Süd, dass das bisherige Konzept des Blitzkrieges wegen des Kampfeswillens der Sowjetsoldaten nicht funktionierte. Das Kriegstagebuch notiert: "Der Feind ist zahlenmäßig und in seinem Kampfeswillen, seiner kämpferischen Härte sowie anscheinend auch hinsichtlich seiner Führungsmaßnahmen ein in jeder Beziehung ernster Gegner. Die Entscheidung ihm gegenüber wird nicht durch das Manöver, sondern (im Gegensatz zu den Feldzügen in Polen und im Westen) in erster Linie durch den Kampf (das Feuer) erzwungen werden müssen."

Quellen: Töppel: Die Panzerschlacht von Dubno, Glantz : The Soviet-German War, 1941-1945: Myths and Realities

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