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Schlacht von Visby Axt im Kopf – Wissenschaftler rekonstruieren den Schädel eines Kriegers aus dem Mittelalter

Der Hieb der Axt war vermutlich nicht sofort tödlich, doch ohne Behandlung erlag der Krieger der Verletzung.
Der Hieb der Axt war vermutlich nicht sofort tödlich, doch ohne Behandlung erlag der Krieger der Verletzung.
© Cicero Moraes
Im Jahr 1361 kämpfte eine verzweifelte Schar von Bauern auf der Insel Gotland gegen eine Söldnerarmee aus Dänemark. Es war ein Massaker, nun wurde ein Toter wieder zum Leben erweckt.

Im späten Mittelalter, im Jahr 1361, kam es vor den Toren vor Visby auf Gotland zu einer der blutigsten Schlachten des Mittelalters. Gotland liegt mitten in der Ostsee. Wegen seiner Lage an den Handelswegen entlang von Russland Flüssen sammelte sich dort beträchtlicher Reichtum. Reichtum, der Begehrlichkeiten erweckte. Dänemark entsandte eine Streitmacht von 3000 professionellen Kriegern darunter viele Söldner aus Deutschland. Anders als das breite Publikum glaubt, wurden die Kriege des Mittelalters häufig von bezahlten Söldnergruppen entschieden. 

Miliz in Gotland ohne jede Chance 

Der schwedische König half seiner Insel nicht. Nur eine Miliz der Landbevölkerung stellte sich den Invasoren entgegen.  Auf Gotland hatte es 80 Jahre keine Kriege gegeben. Die Bauermiliz war vollkommen untrainiert und verfügte über keine schweren und teuren Waffen aus Metall. Sie kämpften mit Spießen, Äxten, Pfeil und Bogen. Die Söldner hingegen besaßen Kriegshämmer, Armbrüste, Langbögen und Zweihandschwerter.

Die Milizionäre waren häufig entweder zu alt oder zu jung. Unzureichend ausgerüstet hatten sei keine Chance gegen die trainierten Berufskrieger. Schon einige Tage vor der Schlacht von Visby war die Miliz geschlagen worden. Ihre Reste zogen zu der Stadt, mit deren Verteidigungsanlagen und den Bürgern hätten sie vielleicht eine Chance gehabt. Doch sie wurden nicht eingelassen und mussten sich auf offenem Feld dem aussichtslosen Kampf stellen. Nur 2000 Mann standen den Dänen gegenüber. In der Schlacht fielen in etwa 1800 von ihnen.

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Unter den Toten befand sich auch der Krieger, dessen Gesicht vom Grafikexperte Cicero Moraes wiederhergestellt wurde. Sein Mund wurde von einer Axt zertrümmert, dazu hatte er weitere Wunden über dem linken Auge und am linken Wangenknochen. Dort wurde er vermutlich vom stumpfen Stab eines Spießes getroffen.

Ende im Massengrab

Moraes sagte: "Als der Schädel fertig rekonstruiert war, wurde eine Reihe von Markierungen auf dem Schädel verteilt, die die Dicke des weichen Gewebes darstellten. Zur Ergänzung dieser Daten importierten wir einen CT-Scan eines lebenden Spenders und verformten die Knochen und Weichteile seines CT-Scans so lange, bis sie zu Gesicht des Kriegers passten."

Auf diese Weise erhielt Morales die 3d-Form des Kopfes. Fehlende Teile des Schädels wurden mit Hilfe statistischer Daten berechnet. Als letzter Schritt wurde die dreidimensionale Form lebensecht coloriert, und es wurden Haare hinzugefügt. Moraes sagte, es sei schwierig, allein anhand des Schädels zu beurteilen, ob der Hieb mit der Axt zwingend tödlich gewesen war. Aber mitten auf dem Schlachtfeld ohne ärztliche Versorgung hatte der Mann keine Chance.

Die Bauern wurden vor den Toren der Stadt abgeschlachtet, als die wohlhabenden Bürger ihnen nicht zur Hilfe kamen. Die Stadtbewohner unterwarfen sich, zahlten ein Lösegeld und wurden verschont. Insgesamt fünf Massengräber wurden vor den der Stadtmauern gefunden, viele der Toten wurden in ihren Kleidern und Rüstungen begraben. Das ist ungewöhnlich. Meist wurden den Toten zumindest die wertvollen Waffen weggenommen.

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