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Sonnenfinsternis: Wo bekomme ich jetzt noch eine "SoFi"-Brille her?

Nur noch einen Tag bis zur Sonnenfinsternis. Was tun, wenn man noch keine Brille hat? Und wie lässt sich das Spektakel sicher beobachten?

Von Lea Wolz

Morgen ist der große Sonnenfinsternis-Tag - und die Süddeutschen haben die besten Chancen, das Spektakel am Himmel bei freier Sicht genießen zu können: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldet für Bayern und Baden-Württemberg einen wolkenfreien Himmel. Auch die Mitte Deutschlands dürfte nach einer aktuellen Prognose weitgehend wolkenfrei bleiben.

In

Norddeutschland

sind die Chancen dagegen eher mau, Wolken und Regen verdüstern hier wahrscheinlich die Sicht. Auch für einige Gebiete

Westdeutschlands

sagt der DWD hochnebelartige Bewölkung voraus. Die Karte zeigt den Bedeckungsgrad für Freitag, 11 Uhr. Je niedriger er ist, desto höher ist die Chance, ganz ungetrübt die Sonnenfinsternis genießen zu können.

In einem aktuellen Film zeigt der DWD, wie sich morgen die Wolken über Deutschland voraussichtlich verteilen werden.

Doch egal, wie die Aussichten sind: Wer das Spektakel am Himmel verfolgen will, braucht eine spezielle Schutzbrille - sonst drohen dauerhafte Augenschäden bis zur Erblindung. Einen Tag vor der Sonnenfinsternis ist guter Rat allerdings teuer:

Wo bekommt man die "Sofi"-Brille nun noch her?

In der

Hamburger Sternwarte

klingelt das Telefon seit Tagen Sturm. "Der letzte Anrufer gestern hat sich um Mitternacht gemeldet", sagt Andrea Klerman, Geschäftsführerin des Besucherzentrums der Sternwarte zum stern. Allein 14 Schulklassen sind für morgen angemeldet, für sie hält die Sternwarte die Spezialbrillen bereit. Die schlechte Nachricht:

"Wir verkaufen keine Schutzbrillen."

Für enttäuschte Anrufer hat Klerman dennoch einen Tipp: Einfach vorbeikommen und darauf hoffen, dass jemand seine Brille teilt. "Diesmal ist das ja keine vollständige Sonnenfinsternis, da wartet man nicht auf den einen Moment", sagt sie. "Da das Spektakel auch lange genug dauert, dürften die Chancen gut stehen, dass Brillenbesitzer bereit sind, ihre Schutzbrille mal kurz herzugeben."

Davon, sich eine

Brille selbst zu basteln, raten Experten strikt ab

. Egal ob

schwarzer Filmstreifen, CDs, die Folie der Rettungsdecke im Auto, gerußte Gläser

oder irgendwelche anderen Ideen - aus nichts dergleichen lässt sich eine sichere Sonnenfinsternisbrille herstellen.

Alle diese Materialien lassen gefährliche Strahlung durch

, die die Augen irreparabel schädigen kann. Da hilft auch mehrfaches Falten nicht. Auch drei Sonnenbrillen übereinander zu tragen, ist keine gute Idee. Schweißerbrillen bieten ebenfalls keinen ausreichenden Schutz - wer damit einen Blick in die Sonne wagt, riskiert Verbrennungen auf der Netzhaut.

Die zur Beobachtung geeigneten

Sonnenfinsternisbrillen sollten "zertifiziert sein und die CE-Kennzeichnung

tragen", heißt es auf der Website der Klinik für Augenheilkunde des Uniklinikums Freiburg. Doch Vorsicht! Mit solchen Brillen nur direkt in die Sonne schauen, nicht durch ein Fernglas oder eine Spiegelreflexkamera, warnen die Augenärzte. Denn das bündele so viel Licht, dass auch diese zertifizierten Sonnen-Sicht-Brillen dann keinen ausreichenden Schutz mehr bieten.

Ferngläser, Teleskope oder Kameras

benötigen spezielle Filteraufsätze und Schutzfolien, darauf weist der Zentralverband der Augenoptiker hin.

Vorsicht bei alten SoFi-Brillen!

Wer noch eine dieser Brillen von der letzten Sonnenfinsternis hat, sollte unbedingt darauf achten, dass die

Folie noch heil und bündig verklebt ist

. Sind Risse, Kratzer oder gar Löcher drin, muss die Pappbrille in die Tonne - so sehr das auch schmerzen mag.

Denn eine neue zu bekommen, dürfte schwer bis unmöglich sein.

In Hamburg etwa sind die Brillen in der ganzen Stadt ausverkauft.

"Wir bekommen viele Anrufe von Kunden, die sich erfolglos schon überall durchtelefoniert haben", sagt Optikerin Christine Langer von Schütt Optik. "Dabei haben wir diesmal überhaupt keine Schutzbrillen verkauft." Wie viele Optiker wurde auch dieses Geschäft von der Nachfrage überrascht. Zur letzten Sonnenfinsternis 1999 habe die Industrie rechtzeitig Wochen im Vorfeld informiert. "Da haben wir uns ausreichend mit solchen Brillen eingedeckt", sagt Langer. Doch diesmal sei das Thema erst vor wenigen Tagen auf den Tisch gekommen, der Ansturm auf die Brillen erfolgte in letzter Minute.

So wie in Hamburg sieht es bundesweit aus: "Sofi"-Brille - Fehlanzeige! "Man bekommt nur noch vereinzelt Brillen in den Geschäften", sagt etwa der Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des bayerischen Augenoptikerhandwerks, Hans Hopf, in Regensburg bereits am Mittwoch. Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin hat zwar noch Brillen nachbestellt, doch ob diese bis zum Freitag da sind, sei unklar, sagte eine Mitarbeiterin. Ähnliches berichtet auch ein Optiker aus Brandenburg/Havel: "Wir hatten noch versucht, diese Papierbrillen mit Schutzfolie nachzubestellen - aber ohne Erfolg."

Im Internet

treibt die Nachfrage die Preise in astronomische Höhen: Sind die Brillen im Spezialhandel für ein paar Euro zu haben, wird momentan auf Amazon ein Sonnenfilter für 30 Euro angeboten. Auch über Ebay gibt es vereinzelt noch "SoFi"-Brillen - etwa in Münster, für 50 Euro, zur Selbstabholung. Per Versand dürften die Brillen wohl auch nicht mehr rechtzeitig ankommen. Einige große Optikerketten, wie

Fielmann oder Apollo Optik

, haben von vorneherein keine Brillen geordert - aus Sicherheitsgründen. Fielmann-Sprecher Matthias Branahl sagte: "Die von uns getesteten Sonnenfinsternisbrillen entsprechen nicht unserem Anspruch." Zu möglichen Augenschädigungen wollte er sich jedoch nicht äußern.

Was also tun, wenn man keine Brille hat?

Entweder wirklich darauf hoffen, dass morgen nicht nur Egoisten unterwegs sind und man jemanden findet, der seine Brille teilt. Oder die Sonnenfinsternis einfach

indirekt beobachten - mithilfe von Projektionen

. Wie sich eine

Lochkamera

basteln lässt, zeigt dieses Video:

Wer will, kann auch einen Schuhkarton-Projektor basteln, wie dieses Video des Planetariums Cottbus zeigt.

Eine Bastelanleitung für beides findet sich auch bei den Kollegen von "Heise online". Auch über eine Spiegelprojektion, wie sie etwa auf der Seite der Bonner Hobbyastronomen beschrieben wird, lässt sich die Sonnenfinsternis indirekt beobachten. Ganz einfach funktioniert es mit dem Handy: Mit dem Rücken Richtung Sonne stellen, die Frontkamera einschalten und auf dem Monitor das Spektakel verfolgen.

Im Internet können sich Sonnenfinsternis-Fans morgen natürlich ebenfalls die schönsten Bilder ganz ungefährlich ansehen. Und das vollkommen unabhängig vom Wetter vor Ort. Denn verschieben lässt sich das Spektakel leider nicht.

mit DPA