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Zwischenlager Gorleben: Hohe Strahlenwerte gefährden nächsten Castor-Transport

Verstärkung: Nach den Grünen fordern nun auch Umweltverbände eine Absage des nächsten Atommülltransports ins Endlager Gorleben. Dort drohen die Strahlenwerte die maximale Jahresdosis zu übersteigen.

Nach Berichten über gestiegene Strahlenwerte am Atommüll-Zwischenlager Gorleben werden die Forderungen nach einer Verschiebung des nächsten Castor-Transportes lauter. Der für November erwartete Transport müsse umgehend abgesagt werden, forderten Umweltverbände und die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, in der Atomkraftgegner aus der niedersächsischen Region versammelt sind.

Der Grund für die im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Halbjahreswerte ist noch unklar. Ein Grund könnte sein, dass seit dem jüngsten Transport im vergangenen November elf Behälter mehr im Zwischenlager stehen. "Der Castor-Transport 2010 war nicht nur derjenige, der bisher den größten Widerstand herausgefordert hatte, er war auch der heißeste", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative, Wolfgang Ehmke.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) forderte die Absage aller weiteren Castor-Transporte ins Wendland. Die radioaktiven Belastungen zeigten, dass der Atomausstieg deutlich beschleunigt werden müsse, um die Produktion strahlender Abfälle umgehend zu stoppen, sagte der Bund-Vorsitzende Hubert Weiger

"Nicht auszuschließen, dass Jahredosis überschritten werden könnte"

Der Halbjahreswert für Neutronenstrahlung am Zaun des Zwischenlagers lag nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums 2010 bei 0,23 Millisievert, 2011 bei 0,27 Millisievert. Auf das Jahr betrachtet ist dort ein Wert von 0,30 Millisievert erlaubt. Laut einer Sprecherin sei es möglich, dass die Steigerung daraus resultiere, dass ein Messpunkt um vier Meter versetzt worden sei und dadurch etwas näher an der Halle mit den Castor-Behältern liege.

Das NDR-Fernsehmagazin "Hallo Niedersachsen" zitierte einen internen Vermerke der Behörde, die für die Messungen verantwortlich ist. In dem Vermerk des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) heißt es, nach den aktuellen Werten sei nicht auszuschließen, dass die erlaubte Jahresdosis für 2011 überschritten werden könnte. Eine Einlagerung weiterer Castor-Behälter wäre dann nicht zulässig, heißt es weiter.

Die Sprecherin des Umweltministeriums wies darauf hin, dass die Grenzwerte für das Zwischenlager Gorleben deutlich schärfer seien als für andere deutsche Atomanlagen an vergleichbarer Stelle - dort gelte in der Regel ein Jahresgrenzwert von 1,0 statt wie in Gorleben von 0,3 Millisievert. Um den nächsten Castor-Transport dennoch in das Zwischenlager bringen zu können, sei es denkbar, die Neutronenstrahlung durch zusätzliche Abschirmmaßnahmen abzufangen, sagte sie. Eine wirksame Maßnahme könnte auch die Umstellung der Behälter innerhalb des Lagers sein, um den Abstand zum Zaun des Betriebsgeländes zu erhöhen, wo gemessen wird.

Entscheidung über Transporte fällt im Oktober

Auch die Grünen im niedersächsischen Landtag hatten am Donnerstag umgehend gefordert, den nächsten Castor-Transport nach Gorleben für den Herbst abzusagen. Die Werte seien ein Alarmsignal. Fraktionschef Stefan Wenzel warnte Landesregierung und Atomindustrie davor, weitere Einlagerungen durch Tricks und Manipulationen ermöglichen zu wollen. Die Umstellung von Behälter sei eine "abenteuerliche Überlegungen".

Die endgültige Entscheidung, ob es in diesem Jahr einen Castor-Transport nach Gorleben gibt, fällt nach Angaben aus dem Ministerium im Oktober.

iml/DPA / DPA