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Zum Schutz von Frauen: Dänemark verbietet Konstruktion von "künstlichen" Jungfernhäutchen

Das dänische Parlament hat mit einer breiten Mehrheit dafür gestimmt, die Konstruktion "künstlicher" Jungfernhäutchen zu verbieten. Damit sollen Mythen über Jungfräulichkeit besiegt werden, so die Regierung.  

Das dänische Parlament

Das dänische Parlament verbiete "künstliche" Jungfernhäutchen

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Eine breite Mehrheit hat sich im Folketing, dem dänischen Parlament, dafür ausgesprochen, dass die Konstruktion von "künstlichen" Jungfernhäutchen bei Frauen verboten werden soll. Von den 179 Abgeordneten stimmten 103 für das Verbot, Gegenstimmen gab es keine - etwa durch Enthaltung oder Fehlen bei der Abstimmung. Der Gesetzesentwurf wurde von der dänischen Gesundheitsministerin Ellen Trane Nørby von der rechts-liberalen Regierung in Kopenhagen eingebracht.

Laut der Ministerin solle damit der Mythos in starken patriarchalen Strukturen zerschlagen werden, dass Frauen nach ihrem ersten Geschlechtsverkehr bluten müssen, um ihre Jungfräulichkeit beweisen zu können. "Es soll Frauen in unterdrückten Situationen helfen und zur sozialen Kontrolle beitragen", zitieren dänische Medien die Gesundheitsministerin. "Es ist ein Begriff, der auf mittelalterliche Weise dazu beiträgt, ein Bild von Frauen als unschuldige Wesen zu schaffen, die vor ihrer Heirat keinen Sex haben dürfen."

Uneinigkeit über Gesetz zu Jungfernhäutchen

In Dänemark gibt es nur wenige Kliniken, die Eingriffe, bei denen das Gerissene Jungfernhäutchen, auch Hymen genannt, wieder rekonstruiert wird. Es ist allerdings nicht bekannt, wie viele Frauen jährlich ihr Jungfernhäutchen wiederherstellen lassen. Laut der Frauenrechtsorganisation Terres De Femmes steige wegen eines erhöhten sozialen Drucks aber die Nachfrage nach solchen Operationen.

In dänischen Fachkreisen herrscht Uneinigkeit über das Verbot. Die Dänische Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Ritzau, dass man gegen ein Verbot sei: "Wir helfen Frauen nicht mit einem Verbot. Sie finden einen anderen Ort, zu dem sie gehen können, wenn ein Verbot in Kraft tritt." Die Dänische Gesellschaft für öffentliches Gesundheitswesen ist ebenso dagegen. Die dänische Vereinigung der Hebammen unterstützte dagegen den Vorschlag.

Manche Familien bestehen auf Jungfräulichkeit

Das Hymen besteht aus flexiblen Schleimhäuten. Risse darin können sowohl vor als auch nach dem Geschlechtsverkehr auftreten. Risse sind daher nicht zwingend ein Zeichen dafür, dass die Frau schon Sex hatte. Ebenso wenig ist sicher, dass Frauen nach dem ersten Geschlechtsverkehr bluten.

In Familien mit starken patriarchalen Strukturen ist die Jungfräulichkeit von Frauen von hoher Bedeutung für die Ehre der Familie. Einige Familien verlangen daher nach der Hochzeitsnacht ein blutiges Bettlaken als Beweis der Unschuld. Besonders im Islam ist die Jungfräulichkeit von hoher Bedeutung, da diese laut dem Koran nur in einer Ehe verloren werden darf. Ein gerissenes Hymen sei ein Zeichen von außerehelichem Sex, der eine schwere Sünde im islamischen Glauben darstelle. Allerdings gelte die Frau so lange als unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen sei. Niemand dürfe hinterfragen, warum und wie das Jungfernhäutchen gerissen sei. Laut Terres De Femmes werde dennoch großer Druck auf Frauen ausgeübt, Jungfräulich zu sein. 

Die Konstruktion von "künstlichen" Jungfernhäutchen ist laut der Dänischen Gesellschaft für öffentliches Gesundheitswesen ein "kleiner chirurgischer Eingriff", der, wenn er von einem Arzt ausgeführt wird, nur wenig risikoreich ist.

Laut der Regierung sollen Verstöße gegen das neue Gesetz mit einer Geldbuße von rund 1300 Euro bestraft werden. Es soll zum Juli 2019 in Kraft treten.

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Quellen: TV2 (1), TV2 (2), Danmarks Radio, Terres De Femmes, www.islamundkoran.de

rw