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Psyche des US-Präsidenten: 33 Psychologen warnen vor Trump - doch ist Narzissmus eine Volkskrankheit?

Es ist kein neuer Vorwurf, den US-Psychologen im Februar gemeinsam formulierten: Donald Trump weise "gravierende emotionale Instabilität" auf. Sie attestierten ihm Amtsunfähigkeit. In einem Interview wirft eine weitere Expertin nun eine interessante Frage auf.

Donald Trump

Dutzende Psychologen haben in einem offenen Brief vor Donald Trump gewarnt

Immer wieder melden sich Experten zu Wort, die in der Psyche von US-Präsident Donald Trump eine Gefahr für die Gesellschaft sehen: Häufig geht es dabei um den Vorwurf, Donald Trump leide an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Im Februar hatten sich gleich 33 Psychiater und Psychologen in einem offenen Brief an die "New York Times" gewandt. Ihr Vorwurf: "Mr. Trumps Reden und Handeln demonstrieren seine Unfähigkeit Ansichten zu tolerieren, die von seinen eigenen abweichen. Seine Worte und sein Verhalten weisen auf eine tiefgreifende Unfähigkeit zur Empathie hin (…) Wir glauben, dass die gravierende emotionale Instabilität, die Mr. Trump in seinen Worten und Taten an den Tag legt, es für ihn unmöglich macht, sicher das Präsidentenamt auszuführen." In einem Interview mit dem "Deutschlandfunk" hat eine US-Expertin nun eine interessante Frage aufgeworfen: Leiden Teile der Gesellschaft unter weit verbreitetem Narzissmus?

Die Professorin und Expertin für narzisstische Persönlichkeitsstörungen Diana Diamond sagte im Interview, der Schritt ihrer Kollegen sei zwar sehr mutig, selbst habe sie sich jedoch nicht an dem offenen Brief an die "New York Times" beteiligen wollen. "Ich bin vorsichtiger in der Frage, ob Trump wirklich geeignet ist. Ich ziehe es vor, dass die Öffentlichkeit ihre eigenen Schlussfolgerungen zieht." Grund für ihre Zurückhaltung ist auch die sogenannte Goldwater-Regel, die besagt, es sei unethisch, Ferndiagnosen über Personen des öffentlichen Lebens abzugeben und publik zu machen.

Menschen fühlen sich "narzisstisch beschädigt"

Gleichwohl räumte die Expertin ein, dass ihre Zunft als Expertin für geistige Gesundheit eine "außerordentliche Verantwortung" habe, die Öffentlichkeit über abweichendes Verhalten aufzuklären. Laut Diamond beinhalte eine narzisstische Psyche, "ein grandioses, aufgeblasenes Gefühl von Selbstgefälligkeit, ein obsessiver Drang nach Bewunderung und Schmeichelei, die Beschäftigung mit Fantasien unbegrenzten Erfolgs, Macht und Omnipotenz. Sie glauben, dass sie etwas Besonderes sind und einzigartig behandelt werden sollten."

Die Stimmung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump war offensichtlich nicht die beste


Für Diamond sei es nicht so wichtig, ob Trump tatsächlich an einer Persönlichkeitsstörung leide, schließlich hätte es auch frühere US-Präsidenten gegeben, die "starke psychopathologische Züge hatten", darunter Depressionen, Demenz und Manie. Statt eine weitere Ferndiagnose zu stellen, wirft Diamond im Interview mit dem Deutschlandfunk eine wichtige Frage auf: "Was hat die Menschen dazu gebracht, diese Person zu wählen? Ich glaube, das hat auch etwas mit narzisstischen Problemen zu tun. Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich Menschen narzisstisch beschädigt fühlen (…)" Dies treffe vor allem auf die Menschen in der amerikanischen Gesellschaft zu, die sich seit Jahren abgehängt fühlen, so Diamond.

Auch Hitler und Stalin waren Narzissten

Unter anderem hatte Trumps ehemaliger Ghostwriter, der ihn über eineinhalb Jahre auf Schritt und Tritt begleitete, in einem Interview gesagt, würde für Trump das Buch "The Art of the Deal" noch einmal schreiben, würde es den Titel "Der Soziopath" tragen. CNN-Kolumnistin Frida Ghitis hatte Trump außerdem mit sogenanntem "Gaslighting“ in Verbindung gebracht. Eine Form der psychologischen Gewalt, die daraus bestehe "Dinge zu sagen und auch danach zu handeln und diese daraufhin zu leugnen."

Psychologin Diamond wollte in dem Interview eben keine Diagnose abgeben - verwies jedoch auch auf zwei Staatsführer, bei denen posthum eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde: Adolf Hitler und Josef Stalin.

amt