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Abhörskandal um "News of the World": Cameron stellt sich dem Parlament

Der britische Abhörskandal reicht bis ganz oben: Premier Cameron hat eine Dienstreise abgebrochen, um sich heute vor dem Parlament für seine Nähe zum Murdoch-Konzern zu rechtfertigen.

Die britischen Parlamentarier beschäftigen sich heute in einer außerordentlichen Sitzung mit den illegalen Recherchemethoden bei der mittlerweile eingestellten Zeitung "News of the World" des Medienmoguls Rupert Murdoch. Dabei wird vor allem eine Stellungnahme von Premierminister David Cameron mit Spannung erwartet.

Cameron sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Der Labour-Abgeordnete Gerald Kaufman fragte: "Sollte der Premierminister nicht seine Position überdenken?" Oppositionsführer Ed Miliband attestierte Cameron eine "katastrophalen Einschätzungsfehler", als er den früheren "News of the World"-Chefredakteur Andy Coulson zu seinem Regierungssprecher machte. Dieser war vor wenigen Tagen festgenommen worden.

Zusätzlich unter Druck geriet Cameron am Dienstag, als herauskam, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch-Managerin Rebekah Brooks Gast bei seinem 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Es war die 27. Begegnung Camerons mit der Murdoch-Managern in nur 15 Monaten Amtszeit. Die Geburtstagseinladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden.

Murdochs übernehmen keine Verantwortung

Murdoch und sein Sohn James entschuldigten sich bei einem historischen Auftritt vor britischen Parlamentariern für Vergehen im Abhör- und Korruptionsskandal. Persönliche Verantwortung übernahmen sie bei der Anhörung am Dienstag in London aber nicht. Die fraglichen Entscheidungen seien nicht vom Top-Management getroffen worden. Einen kurzen Schreckmoment gab es, als ein Angreifer während der Befragung in Richtung Rupert Murdoch stürzte und diesen mit einer weißen Substanz - vermutlich Rasierschaum - bewarf. Niemand wurde verletzt, nach einer kurzen Unterbrechung ging es weiter.

Das Erscheinen des Medienzaren wurde als Sensation gewertet. Nach Angaben des Senders BBC war es das erste Mal in den rund 40 Jahren, seit Murdoch Anteile an britischen Medien besitzt, dass er sich vor Parlamentariern verantworten musste. Der Australier mit US-Pass galt in Großbritannien bisher als nahezu unantastbar.

Auch Brooks will nichts gewusst haben

Nach den Murdochs trat auch deren langjährige Vertraute Brooks vor den Ausschuss. Sie war am vergangenen Freitag als Vorstandschefin der Zeitungsholding News International zurückgetreten. Brooks betonte erneut, nichts von den illegalen Praktiken bei "News of the World" gewusst zu haben. Sie gab allerdings zu, dass die Vorfälle nach ihrem Bekanntwerden vor mehreren Jahren schneller hätten aufgearbeitet werden müssen.

Brooks war von 2000 bis 2003 Chefredakteurin des inzwischen eingestellten Revolverblatts. Dessen Reporter hatten die Telefone von 4000 Prominenten, Verbrechensopfern, Hinterbliebenen und Soldatenwitwen illegal abgehört.

Den Marathon der Anhörungen in den Parlamentsausschüssen hatte am Dienstag der zurückgetretene Chef von Scotland Yard, Sir Paul Stephenson, begonnen. Er sei nicht zurückgetreten, weil er gezwungen worden sei oder neue Enthüllungen um zu enge Verstrickungen oder Bestechungsgelder befürchtete, die "News of the World" an Polizisten gezahlt haben soll. Er habe lediglich Schaden von seiner Behörde abwenden wollen, sagt er. Diese müsse sich auf die Sicherung der Olympischen Spiele 2012 in London vorbereiten.