VG-Wort Pixel

Syrien-Reise einiger Abgeordneter Mut zur Propaganda - das absurde AfD-Treffen mit einem Mann, der zum Terror in Europa aufrief

AfD-Mann Christian Blex (r.) beim Treffen mit Großmufti Ahmad Badr al-Din Hassoun
AfD-Mann Christian Blex (r.) beim Treffen mit Großmufti Ahmad Badr al-Din Hassoun
Einige AfD-Abgeordnete sind nach Syrien gereist, um sich ein eigenes Bild der Lage zu machen, wie sie behaupten. Doch es wurde eine hanebüchene Propaganda-Reise.

"Wir sehen die Objektivität der westlichen Berichterstattung kritisch und haben uns daher entschlossen, selber in das Land zu reisen", begründet AfD-Mann Udo Hemmelgarn seine Reise nach Syrien auf Twitter. Er und einige Abgeordnete seiner Partei wollten sich vor Ort die "humanitäre Situation und die Sicherheitslage" anschauen. Die Absichten klingen zunächst edel: Berichte kritisch hinterfragen, selbst ein Bild machen, mit den Menschen vor Ort sprechen. "Mut zur Wahrheit. Wir schauen selber nach!", nennt die AfD das dann. Doch auf den zweiten Blick wird klar: Die hehren Ziele sind nur vorgegeben.

Zunächst einmal machen die AfD-Reisenden par excellence, was sie ansonsten so gerne der "Mainstream-Presse" vorwerfen: Sie geben ein extrem einseitiges Bild wieder. Die Abgeordneten behaupten, sich über die Lage der Menschen informieren zu wollen, sprechen dann aber ausschließlich mit einem der Hauptakteure des Krieges, dem Regime von Assad.

Viel schilmmer aber noch: Die Abgeordneten lassen sich dabei vor Assads Karren spannen, kauen schlicht unreflektiert wieder, was in die AfD-Agenda passt. Alle Syrer müssten zurück kommen, würden für den Wiederaufbau gebraucht. Dass nicht wenige davon auch vor Assads Regime geflüchtet sind? Scheint der AfD nicht in den Sinn zu kommen. 100.000 feindliche Kämpfer seien dank Amnestie ins Zivilleben zurückgekehrt, liest man auf den Twitter-Accounts der Reise-Teilnehmer. Das habe der Minister für nationale Versöhnung erzählt. Berichte über Foltergefängnisse, Hinrichtungen und Regimegegner, die einfach verschwanden, zeichnen ein anderes Bild.

Die AfD-Reise nach Syrien war lächerlich

Richtig hanebüchen wird es dann, als sich die AfD-Delegation mit Großmufti Ahmad Badr al-Din Hassoun trifft und hinterher fabuliert, für ihn sei "Demokratie kein Fremdwort", er setzte sich "für die Trennung von Staat und Kirche" ein. Blöd nur, dass ausgerechnet dieser Mann 2011 Amerika und Europa mit Terroranschlägen für den Fall einer Invasion drohte. "Ich sage zu allen in Europa und Amerika: Wir werden Selbstmordattentäter einsetzen, die bereits in euren Ländern sind!", sagte der Prediger damals.

Dass sich AfD-Abgeordnete, die ansonsten gerne hinter jedem zweiten Flüchtling einen Terroristen vermuten, mit einem offenen Befürworter des Terrorismus treffen und hinterher stumpf nachplappern, was der ihnen gesagt hat, offenbart, wie lächerlich die ganze Reise war. Man wollte sich darstellen als Hüter der Wahrheit, die selbst nachschauen, wie es um Syrien steht. Doch daraus ist eine Propaganda-Reise für Assad geworden.

Deutscher Bundestag

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker