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Afghanistan: Bundeswehr-Lager beschossen

Nachdem die Bundeswehr in Afghanistan erneut angegriffen wurde - drei Raketen schlugen im Lager in Faisabad ein - wollen die Afghanen für den Verbleib der Deutschen demonstrieren. Eine stern-Umfrage zeigt jedoch, dass die Bundesbürger ganz anderer Meinung sind.

Nach dem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus wollen dort zahlreiche Afghanen an diesem Donnerstag für einen Verbleib der Bundeswehr demonstrieren. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar, sagte, bis zu 2000 Menschen verschiedener ethnischer Zugehörigkeit würden bei der Demonstration in Kundus-Stadt erwartet. Sie wollten mit ihrem Protest darum bitten, dass die Internationale Gemeinschaft und besonders die deutschen Truppen "bleiben und dem Land helfen, damit Afghanistan nicht dorthin zurückfällt, wo es vor fünf Jahren war".

Omar sagte, die Menschen würden gegen den Terror auf die Straße gehen und besonders den jüngsten Selbstmordanschlag vom Samstag verurteilen, bei dem drei deutsche Soldaten getötet worden waren. "Sie werden auch jene Menschen aus der Provinz Kundus, die Söhne bei den Taliban haben, dazu aufrufen, sie zurück ins normale Leben und zur Versöhnung zu führen." Die Polizei teilte mit, man gehe von einem friedlichen Protest aus, werde aber Sicherheitskräfte in der ganzen Stadt einsetzen, um die Demonstranten zu schützen.

Am Dienstagabend war das Bundeswehrlager in Feisabad Ziel eines Raketenangriffs. Wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, mitteilte, schlugen drei Raketen ein, die aber keinen Personen- oder Sachschaden anrichteten.

63 Prozent wollen Abzug der Bundeswehr

Die Bundesbürger sind mehrheitlich für einen Rückzug der Bundeswehr. In einer Forsa-Umfrage für den stern plädierten 63 Prozent der Befragten dafür, dass die Bundeswehr ihren Einsatz in Afghanistan beendet. 35 Prozent sprachen sich dafür aus, dass die deutschen Truppen dort bleiben. Zwei Prozent der Befragten antworteten mit "weiß nicht".

Doch die Bundesregierung hat ihren Willen bekräftigt, am Bundeswehrengagement in Afghanistan festzuhalten. Wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin mitteilte, erklärte Verteidigungsminister Franz Josef Jung im Bundeskabinett, dass das sowohl für die Mission "Enduring Freedom" (OEF) zur Terrorbekämpfung wie für die Isaf-Beteiligung gelte. Es sei aber wichtig, dass auch bei OEF ein "angemessenes und verhältnismäßiges Vorgehen" gewährleistet sei.

Das Kabinett legte bei seiner Sitzung eine Schweigeminute für die Opfer ein. Am Mittwochabend sollten die drei am Samstag bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan getöteten Bundeswehrangehörigen nach Deutschland zurück gebracht werden. Am Donnerstagvormittag will Bundestagspräsident Norbert Lammert zu Beginn der parlamentarischen Beratungen Gedenkworte sprechen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erreichte unterdessen in Islamabad, dass nach dem afghanischen auch der pakistanische Außenminister seiner Einladung zum G-8-Außenministertreffen in Potsdam in der kommenden Woche folgt, um den Kampf gegen die Taliban zu koordinieren. Steinmeier erklärte, Afghanistan könne nicht ohne einen "regionalen Ansatz" stabilisiert werden. Vor allem an der gemeinsamen Grenze müsse es von beiden Seiten ernsthafte Anstrengungen geben. Verteidigungsminister Jung erneuerte die indirekte Kritik am Vorgehen der "Enduring-Freedom"-Soldaten im Süden des Landes. Es müsse alles vermieden werden, dass die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen werde. "Da sind wir auch mit unseren amerikanischen Freunden im gemeinsamen Gespräch. Wir müssen darauf achten, dass Kollateralschäden und Schäden bei der Zivilbevölkerung" vermieden würden.

DPA/AP / AP / DPA