Afghanistan Karsai möchte Truppen früher


Der afghanische Präsident freut sich über die von der Nato zugesagte Truppenverstärkung für sein Land. Nun bittet er darum, die Entsendung vorzuziehen. "Wir brauchen heute Sicherheit und nicht morgen", so Karsai.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat die Nato aufgefordert, die für die Wahlen im September geplante Truppenverstärkung vorzuziehen. Karsai wandte sich in Istanbul an die Nato-Staats- und Regierungschefs mit den Worten: "Bitte erfüllen Sie ihre Verpflichtungen schon vor den Wahlen." Der Gipfel hatte am Montag eine vorübergehende Aufstockung der Soldaten von 6500 auf 10.000 beschlossen. Außerdem sollen weitere Teams für den Wiederaufbau im Norden des Landes stationiert werden.

Karsai zuversichtlich, dass Wahlen planmäßig stattfinden

Karsai begrüßte die Entscheidung der Nato grundsätzlich. "Aber wir brauchen die Sicherheit heute und nicht morgen", sagte er unter Hinweis auf Anschläge während des Registrierungsprozesses. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Präsidentschaftswahl planmäßig im September stattfinden könne und die Parlamentswahl kurz danach. Bislang seien bereits 5,2 Millionen Wähler registriert, berichtete der Präsident. Die afghanische Bevölkerung vertraue den internationalen Truppen, die ein sicheres Umfeld für die Wahlen und den wirtschaftlichen Aufbauprozess garantierten.

Karsai hat seit langem eine Ausweitung der bislang auf den Großraum Kabul beschränkten Truppenpräsenz gefordert. Im Herbst vergangenen Jahres stationierte die Bundeswehr ein Wiederaufbauteam (PRT) in der nordirakischen Stadt Kundus. Weitere PRTs sollen nun in Faisabad, Baglan, Masar-i-Sharif und Meymana entstehen. Langfristig soll auch in Herat im Westen des Landes ein PRT aufgebaut werden. Das PRT in Faisabad übernimmt ebenfalls die Bundeswehr.

Zugesagte Verstärkungen sollen tatsächlich kommen

Was die Ausweitung der Truppen während der Wahlen angeht, so stellten Nato-Vertreter inzwischen klar, dass 1300 der zusätzlichen Soldaten außerhalb des Landes in Bereitschaft gehalten werden sollen. Nur 1500 sollten für rund acht Wochen in Afghanistan zusätzlich präsent sein. Welche Staaten weitere Truppen entsenden, teilte die Nato noch nicht mit. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer versicherte Karsai, dass die zugesagten Verstärkungstruppen auch tatsächlich entsandt würden. Bislang hatten die Mitgliedstaaten des Militärbündnisses Mühe, ihre Zusagen auch tatsächlich einzuhalten.

Der Nato-Gipfel sollte mit einem Treffen des Euro-Atlantischen Partnerschaftsrats am Dienstag zu Ende gehen. Dem 1997 gegründeten Rat gehören insgesamt 46 Länder an, darunter auch die 26 Nato-Staaten. Zunächst kamen die Staats- und Regierungschefs mit dem ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma zusammen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker