Afghanistan Wieder Foltervorwürfe gegen USA


Nicht nur im Irak, auch in Afghanistan soll die US-Armee Gefangene misshandelt haben. Unter Folterverdacht sind auch die sie unterstützenden afghanischen Milizionäre geraten.

In Afghanistan gibt es nach Angaben der US-Armee neue Vorwürfe wegen der Misshandlung von Gefangenen. Ein Sprecher der US-Streitkräfte sagte am Sonnabend in Kabul, die Vorwürfe würden derzeit von Militär-Ermittlern untersucht, die sowohl für die Marine als auch für die Marineinfanterie zuständig seien. Auch die die US-Armee unterstützenden afghanischen Sicherheitskräfte sind unter Verdacht geraten.

So etwa im Fall Wahid. Als afghanische Milizionäre auf der Suche nach Extremisten vor einem halben Jahr das Haus von Abdul Wahid stürmten. Dort stießen sie zwar nicht auf Waffen, den 28-jährigen Wahid nahmen sie aber unter Terrorverdacht dennoch mit. Zwei Monate später bekam Vater Amanullah seinen Sohn zurück - tot und mit einem Begleitschreiben der US-Streitkräfte.

Die Amerikaner hätten ihr Bedauern über den Tod Wahids ausgedrückt, berichtet Amanullah. Selbst konnte der Vater den auf Englisch verfassten Brief nicht lesen. Ein Arzt habe ihm die Zeilen aber übersetzt, sagt er. Darin habe gestanden, dass sein Sohn bereits tot gewesen sei, bevor er den US-Streitkräften übergeben worden sei. Dem vom Pentagon veröffentlichten Totenschein zufolge starb Wahid hingegen in amerikanischer Gefangenschaft.

"Ich glaube, die afghanischen Truppen haben meinen Sohn sehr schwer geschlagen und ihn getötet", sagt Amanullah beim Besuch eines AP-Reporters in seinem Dorf in der Provinz Helmand. Gestürzt werde diese Überzeugung von Berichten eines Cousins von Wahid, den die afghanischen Milizionäre bei ihrer Razzia ebenfalls verübergehend verhaftet hätten. Sein Neffe habe der Familie berichtet, dass er in Gewahrsam der afghanischen Sicherheitskräfte misshandelt worden sei, sagt Amanullah.

Misshandlungen durch afghanische Millizen

Es habe Fälle von Misshandlungen unter afghanischen Milizen gegeben, räumte Innenminister Ali Ahmad Dschalali kürzlich ein. "Leider haben wir dieses Problem in Afghanistan, vor allem bei einigen Milizen, die den Koalitionstruppen helfen. In einigen Fällen plünderten sie arme Dörfer." Die Regierung packe das Problem gemeinsam mit den Amerikanern und den lokalen Behörden an, sicherte er zu. Angesichts des schleppenden Aufbaus eines nationalen Heeres sind die USA häufig noch stark auf regionale Milizen angewiesen.

Die Amerikaner selbst seien darauf bedacht, dass alle Gefangenen im Sinne der Genfer Konventionen behandelt würden, sagte dazu Militärsprecher Tucker Mansager. Dies gelte für das Verhalten sowohl der amerikanischen Soldaten als auch der afghanischen Verbündeten. Noch in diesem Monat wollen die Amerikaner die Ergebnisse einer Überprüfung der Zustände in US-Militärhaftanlagen des Landes vorlegen.

"Schnelle Maßnahmen" angekündigt

Ob dabei auch das Verhalten afghanischer Sicherheitskräfte untersucht wurde, sagte Mansager nicht. Die Untersuchung war im Mai von Generalleutnant David Barno, dem Kommandeur der rund 20.000 US-Soldaten in Afghanistan, angeordnet worden. Und Barno hat "schnelle Maßnahmen" entsprechend der Befunde angekündigt.

Das US-Militär hat seit August 2002 nach eigenen Angaben den Tod von fünf Gefangenen untersucht. Im vergangenen Monat war erstmals wegen des Todes eines Häftlings Anklage erhoben worden: Ein Mitarbeiter eines vom US-Geheimdienst beauftragten Unternehmens soll einen 2003 in US-Haft gestorbenen Häftling geschlagen haben.

Noor Khan/AP AP DPA

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