Afghanistan Foltervorwürfe gegen US-Einheit


Soldaten einer US-Spezialeinheit in Afghanistan sollen laut einem Zeitungsbericht vor drei Jahren zwei unbewaffnete Gefangene bei Verhören misshandelt und getötet haben. Bei Luftangriffen der Nato im Süden des Landes wurden mehr als 60 Taliban getötet.

Soldaten einer Spezialeinheit der US-Armee in Afghanistan sollen nach einem Zeitungsbericht im Jahr 2003 zwei unbewaffnete Gefangene bei Verhören misshandelt und getötet haben. Ein unbewaffneter Bauer sei nach einem Verhör auf einer abgelegenen Militärbasis erschossen worden, schreibt die "Los Angeles Times". Ein 18 Jahre alter Rekrut der afghanischen Armee sei an den Folgen eines Verhörs gestorben.

Die Einheit soll sich nach Angaben eines damals anwesenden Soldaten nach dem Tod des jungen Mannes versammelt haben, um ihre Versionen über den Tathergang abzustimmen. "Keiner will jemanden in Schwierigkeiten bringen. Man lehnt sich zurück und hofft, dass es vorbeigeht", wird der Soldat zitiert.

Die Einheit gehörte zur Nationalgarde des Bundesstaates Alabama und beendete ihren Militäreinsatz in Afghanistan im Frühjahr 2003. Seit zwei Jahren wird nach Zeitungsangaben zwar gegen die zehn Soldaten ermittelt, aber bislang sei keine Anklage erhoben worden.

Nach Recherchen der "Los Angeles Times" ist die Misshandlung von Gefangenen in Afghanistan viel breiter gewesen als bislang bekannt. Die Zeitung untersucht Misshandlungs-, Folter- und Tötungsfälle gemeinsam mit einer nicht staatlichen Organisation, dem "Crimes of War Project".

Isaf-Einsatz soll ausgedehnt werden

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer bekräftigte, dass die NATO-geführte Internationale Schutztruppe ISAF ihren Einsatz in Afghanistan ausdehnen werde.

Die ISAF will vor Jahresende das Kommando von den US-geführten Koalitionstruppen im Osten des Landes übernehmen und damit dann im gesamten Land präsent sein. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Afghanistan wieder zu einem Trainingslager für die gefährlichsten Terroristen der Welt wird", schrieb der NATO-Generalsekretär in einem Gastbeitrag der "Bild am Sonntag". "Deshalb sind wir dort - und deshalb werden wir unsere Präsenz weiter ausbauen."

Die NATO erwarte, dass Deutschland sein militärisches Engagement in Afghanistan «auch unter schwierigen Bedingungen» aufrechterhalte, schrieb de Hoop Scheffer. Der Bundestag wird am Freitag über die Verlängerung des Afghanistan-Mandats der Bundeswehr entscheiden. Derzeit sind rund 2700 deutsche Soldaten in Kabul und im Norden des Landes im Einsatz. Die Sicherheitslage in Afghanistan ist so schlecht wie nie seit dem Sturz der Taliban Ende 2001. Besonders im Süden kommt es seit Monaten zu schweren Kämpfen.

Bei einer gemeinsamen Operation der ISAF und der afghanischen Armee wurden in Südafghanistan in den vergangenen Tagen nach offiziellen Angaben 40 radikal-islamische Rebellen getötet. Das Verteidigungsministerium in Kabul teilte am Sonntag mit, die ISAF habe bei den Gefechten in der Provinz Helmand Kampfflugzeuge eingesetzt. Die Hochburg der Rebellen im Distrikt Gereshk sei zerstört worden. Soldaten der ISAF und der afghanischen Armee seien nicht verletzt oder getötet worden.

Tote nach Luftangriffen

Bei Luftangriffen im Süden Afghanistans sind in den vergangenen Tagen nach NATO-Angaben mehr als 60 mutmaßliche Aufständische getötet worden. Allein am Samstag seien in der Provinz Helmand 40 Taliban-Kämpfer ums Leben gekommen, erklärte das afghanische Verteidigungsministerium am Sonntag.

Die Luftangriffe hätten einen ihrer Stützpunkte im Bezirk Grischk völlig zerstört. Ein NATO-Sprecher sagte, das Bündnis schätze die Zahl der getöteten Kämpfer ebenso hoch ein. Als Reaktion auf einen Angriff der Extremisten beschoss ein NATO-Hubschrauber am Freitag im benachbarten Bezirk Nau Sad Aufständische. 15 von ihnen wurden nach Angaben des Bündnisses getötet. Bei einem dritten Zwischenfall am Donnerstag beschoss ein Hubschrauber im Bezirk Sangin eine Gruppe Aufständischer, die einen Versorgungshubschrauber angegriffen hatte. Acht Extremisten seien getötet worden.

Der britische Premierminister Tony Blair erklärte unterdessen in London, der Kampf gegen die Aufständischen in Afghanistan sei schwieriger als erwartet, müsse aber fortgesetzt werden. Der Grund, warum Großbritannien sich an dem NATO-Einsatz beteilige, sei, dass die Taliban mit aller Macht versuchten, sich im Süden Afghanistans neu zu etablieren. "Und für uns ist es wesentlich, sie von dort fernzuhalten", sagte Blair am Sonntag im Sender BBC.

Danksagungen

Der afghanische Präsident Hamid Karsai dankte Kanada für seinen Einsatz in der Internationalen Stabilisierungstruppe (ISAF). Seine Regierung bewundere die Opfer, zu denen Kanada bereit sei, sagte Karsai am Freitag vor beiden Kammern des Parlaments in Ottawa. Während des Einsatzes in Afghanistan kamen bislang 36 kanadische Soldaten ums Leben. US-Präsident George W. Bush würdigte Afghanistan und Pakistan für deren Einsatz beim Kampf gegen den Terrorismus unter schwierigen Bedingungen. In seiner wöchentlichen Radioansprache lobte Bush den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf am Samstag dafür, sich auf die Seite der Freiheit und der Mäßigung geschlagen zu haben und bei der Verteidigung der zivilisierten Welt zu helfen. Mit Blick auf Afghanistan sagte Bush, Präsident Karsai setze den Aufbau einer sichereren und helleren Zukunft für seine Nation fort.

DPA/AP AP DPA

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